Viel mehr als nur ein Hobby
30.12.2025 Muri, PorträtDer Kommandant sagt Adieu
Nach elf Jahren gibt Thomas Strebel sein Amt bei der Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ weiter
Über 30 Dienstjahre. Mehr als 850 Einsätze. 11 Jahre als Kommandant. Thomas Strebel hat die Feuerwehr ...
Der Kommandant sagt Adieu
Nach elf Jahren gibt Thomas Strebel sein Amt bei der Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ weiter
Über 30 Dienstjahre. Mehr als 850 Einsätze. 11 Jahre als Kommandant. Thomas Strebel hat die Feuerwehr geprägt.
Annemarie Keusch
Die komplette Ausrüstung, die richtige Kleidung. «Da fängt es an», sagt Thomas Strebel. Als Kommandant der Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ verfolgte er eine klare Linie. «Mitreden ja, aber wenn es eine Eigendynamik annimmt, dann schadet das der Organisation.» Schliesslich müsse man sich im Ernstfall vollends aufeinander verlassen können. Das heisst aber nicht, dass der 48-Jährige mit eiserner Hand führte. «Das Miteinander war mir stets wichtig. Über allem aber stand und steht der Schutz der Bevölkerung.» Elf Jahre lang stand Thomas Strebel der Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ als Kommandant vor. Zwei bis drei Abende pro Woche widmete er der Feuerwehr. Hinzu kommen die Ernsteinsätze und das 20-Prozent-Pensum für administrative Arbeiten. Ende Jahr nun ist Schluss. «Von 100 auf 0», sagt Strebel. Er hört als Kommandant auf und tritt auch aus der Feuerwehr aus. «Einstellungssache», sagt er. Seinem Nachfolger übergebe er eine motivierte und gut ausgebildete Gruppe. Das Büro ist aufgeräumt, die Arbeitskleider abgegeben, morgen folgen noch der Schlüssel und die Brandschutzkleider. Thomas Strebel blickt zurück auf seine Zeit in der Feuerwehr und spricht darüber, dass sein Nachfolger wieder Strebel heisst.
Nach elf Jahren als Kommandant der Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ endet morgen Thomas Strebels Ära
30 Jahre in der Feuerwehr, 11 davon als Kommandant. Thomas Strebel spricht von einem schönen und vielseitigen Amt. Aber auch von den schwierigen Momenten. «Bei den tödlichen Unfällen erinnere ich mich an alle.» Viel mehr will er aber die positiven Aspekte in den Vordergrund heben.
Annemarie Keusch
Schon wieder Strebel. Das hiess es, als Thomas Strebel vor elf Jahren das Kommando der Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ übernahm. Und das wird es auch jetzt heissen, ist der Nachname seines Nachfolgers doch der gleiche. «Mit Vetternwirtschaft hat das gar nichts zu tun», sagt Thomas Strebel. Und er sagt es nicht nur, er wollte es bewiesen haben. Zusammen mit der Ressortvorsteherin Milly Stöckli und dem Leiter Sicherheit, Simon Bachmann, fiel der Entscheid, die Kommandostelle intern auszuschreiben. «Damit alles den offiziellen Weg nimmt», betont Strebel. Dass Roman Strebel seine Nachfolge antritt, das habe nichts mit dem Nachnamen zu tun.
Diese Professionalität, sie steht exemplarisch für den scheidenden Kommandanten der Stützpunkt-Feuerwehr Muri+. Streng sei er nicht gewesen, «aber bestimmt». Anfänglich habe es Situationen gegeben, in denen eine «andere Tonlage notwendig» war. Kein Larifari, keine Eigendynamik. Thomas Strebel spricht von Leitplanken, die es brauche, um eine Mannschaft von aktuell 115 Männern und Frauen zu führen. «Und an diese muss man sich halten.» Nicht zuletzt der Sicherheit halber. «Im Ernsteinsatz müssen wir uns alle aufeinander verlassen können. Wenn das im Übungsbetrieb nicht funktioniert, dann wird es schwierig.» Denn schliesslich stehe die Sicherheit über allem. Die Sicherheit der Bevölkerung, aber auch jene der Feuerwehrmänner und -frauen.
Das Führen reizte ihn
Thomas Strebel weiss aber, dass alle freiwillig Feuerwehrdienst leisten. «Eine eiserne Hand wäre fehl am Platz. Die Kameradschaft, das Miteinander muss stimmen.» Den Leuten innerhalb der vorgegebenen Leitplanken ihre Freiheiten zu lassen, das war ihm stets wichtig. «Und sie mitreden zu lassen, schliesslich kommen die guten Ideen nicht immer nur vom Kommando.» Das mache für ihn gute Führung aus.
Das Führen wars, was ihn an dieser Aufgabe reizte. Denn als Strebel 1996 in den Feuerwehrdienst (damals noch der Feuerwehr Muri) eintrat, tat er dies nicht mit dem Ziel, bis zuoberst aufzusteigen. «Ich wollte etwas für die Allgemeinheit tun», blickt der 48-Jährige zurück. «Nur» Soldat blieb Strebel aber nicht lange. Verschiedene Kurse und Weiterbildungen folgten, nach fünf Jahren wurde er Gruppenführer, weitere fünf Jahre später Offizier. Vor zwölf Jahren wurde er zum Vizekommandanten befördert und ein Jahr später zum Kommandanten. «Natürlich habe ich mir das gut überlegt.»
Vielfalt macht das Amt spannend
Bei der Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ entspricht dieses Amt einem 20-Prozent-Pensum. «Natürlich muss da der Arbeitgeber dahinter stehen. So ist es im Feuerwehrdienst ganz allgemein. Wenn der Arbeitgeber kein Verständnis hat, dass jemand spontan zu einem Einsatz fahren muss, wird es schwierig. Entsprechend gilt all diesen Firmen ein grosser Dank.» Lange Zeit als Leiter Baumanagement bei der Feldmann Gruppe, seit einem Jahr als Leiter Technik im Spital Muri und auf seinem Bauernhof – das Führen ist Thomas Strebel nicht fremd. «Ich habe es über all die Jahre gern gemacht.» Er blicke auf eine schöne, lehrreiche Zeit zurück. «Ich ging immer gern in die Feuerwehr.» Strebel spricht von einer Herzensangelegenheit. «Weit mehr als ein Hobby.» Auch vom Aufwand her. Zwei bis drei Abende pro Woche war er in den letzten Jahren wegen der Feuerwehr unterwegs. Hinzu kommen die Dienstag- und Donnerstagnachmittage im Büro. «Auch das habe ich stets gern erledigt.»
Es sei die Vielfalt, die das Amt des Feuerwehrkommandanten ausmache. Sitzungen vorbereiten, Rapporte schreiben, weitere Büroarbeiten, Austausch mit anderen Blaulichtorganisationen, mit den Gemeinden, mit dem Kommando. «Ich durfte viele spannende Leute kennenlernen», sagt Thomas Strebel.
Sich der Öffentlichkeit präsentieren
Und er hat in der Stützpunkt-Feuerwehr einiges bewegt. Ölwehr- und Bachsperren-Fahrzeug, Strassenrettungsfahrzeug, fünf Motorspritzen, ein Tanklöschfahrzeug schwer, Kommandofahrzeug – es ist nur ein Teil der Fahrzeuge, die unter dem Kommando von Thomas Strebel angeschafft wurden. Ob Ferienpass, «Füür und Flamme» – der Murianer Blaulichttag –, dem Kommandanten war es immer wichtig, dass die Feuerwehr auch gegen aussen in Erscheinung tritt. «Nicht zuletzt, um neue Mitglieder zu gewinnen.»
Verändert hat sich in den elf Jahren vieles. «Der administrative Aufwand hat gewaltig zugenommen. Davon können wohl fast alle Branchen ein Lied singen.» Strebel sieht aber nicht nur Nachteile darin, dass mündlich besprochene Budgeteingaben mittlerweile der Vergangenheit angehören und schriftliche Anträge notwendig sind. «Das fördert das Verständnis untereinander.» Dieser Austausch sei in den letzten Jahren auch immer enger und intensiver geworden.
Schlimmes bleibt in Erinnerung, aber auch Lustiges
Wenn ein Feuerwehrkommandant zurückblickt, geht es natürlich auch um die Einsätze. Die Stützpunkt-Feuerwehr ist nicht nur in Muri, Buttwil und Geltwil unterwegs, sondern in der ganzen Region. «Von der Autobahneinfahrt Gisikon-Root über Menziken-Burg und Dottikon bis nach Oberwil-Lieli», steckt Thomas Strebel das Einsatzgebiet ab. Als Kommandant ist er an möglichst vielen Einsätzen dabei. Auf über 850 in den 30 Jahren Feuerwehrdienst, schätzt er die Zahl. «Jene, die tödlich ausgingen, bleiben natürlich in Erinnerung.» Oft sind dies Verkehrsunfälle, aber auch Arbeitsunfälle und Brände. Nicht vergessen gehen aber auch die Grossbrände: die Berger-Scheune im Muri-Dorf, die Eichmühle, die Ziegelei. Die Bilder im Kopf sind nach wie vor da. Wie ging er mit diesen schlimmen Situationen um? «Der Austausch half mir, über das Erlebte reden zu können.»
In Erinnerung bleiben aber auch Einsätze, die ihm noch heute ein Lächeln entlocken. «Das Pferd im Pool, das wir mit einem Kran retten mussten», nennt er ein Beispiel. Ganz allgemein, Thomas Strebel lächelt oft, wenn er auf die letzten elf Jahre zurückblickt. Dass diese Zeit nun vorbei ist, darauf freut er sich. Aber nicht nur. «Wenn gute Nachfolger da sind, muss man gehen können.» Auch wenn ihm die Kameradschaft, die Übungen, «die roten Autos» fehlen werden. Denn Strebel gibt nicht nur das Kommando weiter, sondern tritt ganz aus der Feuerwehr aus. Stattdessen hat er künftig mehr Zeit für neue Hobbys. «Englischkurs, Männerriege», sagt er. Für die Familie mit seinen Töchtern. Fürs Reisen. Für den Hof. «Darauf freue ich mich.»


