Viel mehr als Provinzkunst

Di, 11. Mai. 2021
Die Besucherinnen und Besucher werden mitgenommen auf einen Spaziergang quer durch die Freiämter Kunstszene. Bilder: Annemarie Keusch

«Freiämter Kunsthappening» bei Murikultur

52 Künstlerinnen und Künstler, die im Freiamt leben oder hier aufgewachsen sind, zeigen ihre Werke. Seit Samstag kann man die erste Staffel besichtigen.

Ein Schaufenster zur Öffentlichkeit soll es sein. Damit machte sich Murikultur auf die Suche nach professionellen und semiprofessionellen Künstlerinnen und Künstlern im Freiamt. Und sie wurde mehr als fündig. Nur schon die Werke der ersten von drei Staffeln zeigen, wie vielfältig und lebendig die Kunstszene im Freiamt ist. Die Vernissage erfolgte am Samstag. --ake


Zeigen, was die Region bietet

Vernissage des Projekts Freiämter Kunsthappening – so künstlerisch ist das Freiamt

52 professionelle oder halbprofessionelle Künstlerinnen und Künstler haben sich gemeldet. Weit mehr als erwartet. Und weil infolge der Pandemie eine Ausstellung im Singisenforum ausfiel, können alle mindestens eines ihrer Werke ausstellen. Am Samstag feierte die erste der drei Staffeln Vernissage.

Annemarie Keusch

Dass im Klostergebäude auch zeitgenössische Kunst Platz hat, ist keine Neuerfindung. Seit dem Umbau des Singisenflügels soll diesem Bereich wieder mehr Raum geboten werden. Im Singisenforum können aktuelle Künstlerinnen und Künstler ihre Werke zeigen. «Zusammen mit dem Museum Caspar Wolf bildet das die perfekte Kombination», betont Kurator Peter Fischer. Der Paarlauf war der Start, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Das «Freiämter Kunsthappening» ist nun die Fortsetzung.

Das Singisenforum öffnen, mit diesem Ziel «schossen wir einfach mal ins Freiamt hinaus», formulierte es Kurator Fischer anlässlich der Vernissage. Professionelle oder semiprofessionelle Künstlerinnen und Künstler, die ihr Wirken als gut genug erachten, um ausgestellt zu werden, sollten sich melden. Mit 30 Eingaben rechnete Peter Fischer. Eingegangen sind deren 52. «Natürlich habe ich alle kurz gesichtet, der Überzeugung, dass es nicht alle Eingaben würdig sind, in den Räumen des Singisenflügels ausgestellt zu werden.» Doch Fischer täuschte sich. «Keine einzige Niete war dabei», sagt er. Dass die Werke auf unterschiedlichen Niveaus sind, sei normal und durchaus wünschenswert.

Kuratieren machte grossen Spass

Dies freute Fischer einerseits, stellte ihn aber auch vor eine Herausforderung. Absagen erteilen musste er aber nicht. Die Pandemie war diesbezüglich sein «Glück». Weil ein anderes Ausstellungsprojekt verschoben werden musste, ist der Platz im Singisenforum bis am 7. November frei. Aufgeteilt in drei Staffeln können so alle, die sich dafür beworben hatten, mindestens eines ihrer Werke ausstellen.

«Mit diesem Projekt wollen wir die künstlerische Vielfalt des Freiamts präsentieren», sagt Robert Häfner, Präsident des Stiftungsrates von Murikultur. Es ging nicht darum, dass die Künstlerinnen und Künstler zu einem vorgegebenen Thema aktiv wurden, sondern sie konnten einfach eines ihrer aktuellen Werke einreichen. Entstanden ist eine vielfältige Ausstellung, die von Peter Fischer kuratiert wurde. Ob es ihm schwer fiel, den einen Künstlern weniger Platz zu geben als anderen? Er lächelt. «Nein, das war nie mein Anspruch. Im Gegenteil, es machte sogar Spass.» Im Dienst der Kunst habe er versucht, jedes einzelne Werk in möglichst gutem Licht darzustellen.

Dankbar für künstlerische Tätigkeit

Im Rahmen dieses Projekts hat Peter Fischer entsprechend alle Künstlerinnen und Künstler kennengelernt. «Beeindruckend», sagt er zu dem, was im Freiamt an Kunst entsteht. «Ich danke allen, dass sie überhaupt künstlerisch tätig sind und uns dabei helfen, die Welt in ihren schönen und problematischen Aspekten anzuschauen.» Wichtig sei ihm gewesen, dass die Werke möglichst aktuell sind. «Wir sehen anhand der Werke, was euch Kunstschaffende beschäftigt. Das ist eindrücklich.»

Dabei sind es ganz unterschiedliche Themen, die die Künstlerinnen und Künstler in ihren Werken verarbeiten. Im «feministischen Raum», wie Peter Fischer ihn nennt, zeigt Michaela Allemann-Koch etwa Statements zum Frauenstimmrecht, von Hand im Bleisatz bedruckte Monotypien auf Aquarellpapier. Oder Tamara Braunwalders Werk unter dem Titel «Auflösen des selbstbestimmten ICH» zeigt eine nackte Frauenfigur am Kreuz. Aber auch die Flüchtlingsthematik wird im Werk «Calculated Risks» von Rosemary Rauber thematisiert. Gaby Neths Werk ist eine Impression aus dem Reusstal. Und nicht nur Bilder sind ausgestellt, sondern etwa auch Holzpanele. «Die Vielfalt ist riesig», freut sich Peter Fischer. Zugang findet wohl jedermann und jede Frau zu einem der Werke. «Genau das wollen wir.»

Die erste Staffel dauert noch bis am 4. Juli. Vom 10. Juli bis 12. September folgt die zweite Staffel, vom 18. September bis am 7. November die dritte. «Diese werden sicher nicht weniger gut», verspricht Peter Fischer.

In der ersten Staffel stellen aus: Michaela Allemann-Koch, Esther Amrein, Tamara Braunwalder, Marilin Brun, Daniela Egli-Petermann, Paul Egli, Ruschy Hausmann, Andreas Hofer, Beat O. Iten, Denise Kobler, Edith Konrad, Michelle Konrad, Beatrix Motsch, Gaby Neth, Rosemary Rauber, Carl-W. Röhrig, Petra Strasser, Nelly Stutz-Jakob, Rolf Thomen.

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