Viele Autos als Zeichen der Freiheit
03.03.2026 MuriErinnerungen an die Anfänge der Unterführung an der Zürcherstrasse
Just nebenan führte sein Vater eine Zweiradgarage und betrieb eine Tankstelle. Anton Kobler wuchs direkt neben der Unterführung an der Zürcherstrasse auf. Deren Erweiterung ...
Erinnerungen an die Anfänge der Unterführung an der Zürcherstrasse
Just nebenan führte sein Vater eine Zweiradgarage und betrieb eine Tankstelle. Anton Kobler wuchs direkt neben der Unterführung an der Zürcherstrasse auf. Deren Erweiterung sorgt aktuell für viel Gesprächsstoff in Muri – vor allem wegen der Umleitung. Kobler dagegen schwelgt in Erinnerungen.
Annemarie Keusch
Über hundert Jahre gibt es sie schon. Und aktuell sorgt sie wieder für ganz viel Gesprächsstoff im Dorf: die Unterführung an der Zürcherstrasse. Weil diese verbreitert wird, ist sie über Monate nur einspurig befahrbar. Daran gewöhnt haben sich wohl mittlerweile viele. Die zusätzlichen Minuten, die das bei der Fahrt durch Muri kostet, oder die zusätzlichen Autos, die durch die Quartiere fahren – daran gewöhnt man sich aber weniger.
Anton Kobler lächelt. Er lebt an der Klosterfeldstrasse. Mit der Umleitung des Verkehrs durch diese Strasse sind die Anwohner mit am meisten betroffen. «Das stört mich nicht», sagt er. An der Bahnlinie wohnend hört und sieht er das zusätzliche Verkehrsaufkommen auch kaum. «Es würde mich auch sonst nicht stören. Schliesslich ist es notwendig und irgendwo müssen die Autos eben durchfahren.» Temporär mit dem Auto einen anderen Weg fahren zu müssen, an diese Umstellung habe er sich längst gewöhnt. «Uns geht es zu gut, wenn wir wegen solchen Themen jammern.» Er freue sich, dass in Muri investiert wird, dass die Unterführung breiter und sicherer wird.
Mit Tankstelle Velo finanziert
Direkt an der Unterführung lebt Anton Kobler schon lange nicht mehr. Und trotzdem hat er eine enge Verbindung zu diesem Ort. Zwischen heutiger Agrola-Tankstelle und SBB-Geleisen ist er aufgewachsen. Hier konnte sein Vater 1924 Land kaufen und eine Garage bauen. Just in dem Jahr also, als die Unterführung samt Seetalstrasse und Teil der Zürcherstrasse gebaut wurde. Sein Vater zügelte die Garage vom einstigen Hotel Löwen an der Marktstrasse an die Zürcherstrasse. Während sich sein Onkel um Autos kümmerte, reparierte sein Vater Velos, Mofas, Nähmaschinen und Waffen. «Und er handelte damit.» In Anton Koblers Stube steht eine «Muriana». «Die eigene Velomarke meines Vaters», sagt er stolz.
Der heute 80-Jährige wuchs als jüngstes von sechs Kindern unmittelbar an der Zürcherstrasse auf. «Der Verkehr war damals schon viel, für die damaligen Verhältnisse.» Nur gestört hat es Anton Kobler nicht. Zur Garage seines Vaters gehörte nämlich eine Tankstelle. «Als Bub habe ich diese jeweils bedient, um mein Taschengeld zu verdienen, mit dem ich später die ‹Muriana› gekauft habe.» Dass die Unterführung dereinst zu schmal werden würde, daran dachte damals natürlich noch niemand. «Probleme gab es zu dieser Zeit andere», sagt Kobler und lacht. Er erinnert sich daran, dass bei Starkregen die Bünz besonders viel Wasser führte. Die Flussführung war damals noch eine andere, und wenn Wasser über die Ufer trat, füllte es die Unterführung. «Es gab Situationen, wo Autos deswegen stecken blieben.» Was man dann gemacht habe? «Gewartet, bis das Wasser wieder ablief.»
Autos blieben Leidenschaft
Er habe es genossen, dass etwas los war. Dort zu leben, wo etwas passierte. Auch wenn es manchmal Unfälle waren auf der grossen Kreuzung, wo längst ein Kreisel steht. «Mein Vater kannte den Doktor Keller gut. Keller flickte die Verunfallten, mein Vater die Velos und Motorräder.» Als Kind sass Kobler damals auf der Bank vor der Garage, zählte die Marken der Autos, die vorbeifuhren. Bis 1970 lebte er dort und sah, dass der Verkehr stetig zunahm. «Gestört hat mich das nie. Im Gegenteil. Es war ein Indiz der wachsenden Freiheit, die die Mobilität mit sich brachte.»
Und die Lage direkt an der Zürcherstrasse war auch für das Geschäft alles andere als schlecht. Auch für Koblers Carrosserie-Spenglerei, die er im Geschäft des Vaters später eröffnete. Bis zu seiner Pensionierung 2009 führte Anton Kobler die Mercedes-Garage in Muri, noch heute vermietet er Autos. Mit den Fahrzeugen blieb er also sein ganzes Leben lang verbunden. Obwohl oder gerade weil er an der Zürcherstrasse aufgewachsen ist.


