Vielschichtige Kunst aus Glas
20.01.2026 Unterlunkhofen, Kelleramt, Kunst, BildungErika Vollenweider aus Unterlunkhofen lässt in ihrem Atelier bunte Vielfalt entstehen – und gibt ihr Wissen auch weiter
Die Möglichkeiten sind unerschöpflich, die Objekte so individuell und einzigartig, dass jedem eine eigene Persönlichkeit ...
Erika Vollenweider aus Unterlunkhofen lässt in ihrem Atelier bunte Vielfalt entstehen – und gibt ihr Wissen auch weiter
Die Möglichkeiten sind unerschöpflich, die Objekte so individuell und einzigartig, dass jedem eine eigene Persönlichkeit innezuwohnen scheint. Seit ihrer Pensionierung darf Erika Vollenweider voll in ihrer Glaskunst aufgehen.
Thomas Stöckli
«Engel haben mich schon immer fasziniert», sagt Erika Vollenweider. Sie kreiert die Himmelsboten in allerlei Varianten, auch für verschiedene Vertriebspartner, unter anderem in Kurund Wallfahrtsorten wie Bad Ragaz, Einsiedeln und im Deutschen Neukirchen beim Heiligen Blut. «Damit keine Konkurrenz entsteht, hat jeder Verkäufer seinen eigenen Engelstyp, ganz exklusiv», erklärt sie.
Immer wieder Neues ausprobieren
Auch wenn die Engel das häufigste und bestlaufende Motiv sind, stellen sie doch nur einen kleinen Teil des Spektrums dar, welches Erika Vollenweider mit ihrer Glaskunst abdeckt. Ihre private Sammlung bietet einen Überblick, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Beginnend beim Alpenpanorama reicht sie über exotische Vögel und imposante Stelen, die im Garten Akzente setzen, bis hin zu stilvollen Leuchten, die dem Wohnbereich Ambiente verleihen.
Kräftige Farbkombinationen – oft Ton in Ton – und leuchtende Durchsichtigkeit prägen die Glasobjekte aus dem Atelier der Unterlunkhoferin. Frisch pensioniert, geniesst sie es, in ihrem Kunstschaffen voll aufzugehen und immer wieder Neues auszuprobieren. Hat sie eine Idee, kann sie diese nun gleich umsetzen. Schneiden und sägen, kämmen, bohren und schleifen, mehrschichtig gestalten, matt und mit Glanz.
Hochwertiger Rohstoff lohnt sich
Schnittreste werden kreativ verarbeitet, etwa zu kunstvollen Blüten, die für sich selbst wirken oder sich in grössere Arbeiten integrieren lassen. «Abfall existiert bei mir nicht», sagt Erika Vollenweider. Das ist einerseits ein Bekenntnis zur Nachhaltigkeit, andererseits aber auch eine Würdigung des edlen Glas-Rohstoffs, mit dem sie arbeitet. Nur die erlesene Qualität garantiert dafür, dass sich beim Brennprozess nicht unerwünschte Effekte einstellen, respektive die Objekte Schaden nehmen.
«Glas wurde schon vor Jahrtausenden in Brennöfen verschmolzen», weiss die Künstlerin. «Erst in den letzten Jahrzehnten ermöglichten neue Technologien, Glas herzustellen, das sich in unterschiedlichen Farben und Formen spannungsfrei zusammenschmelzen lässt.» Bei Temperaturen bis 900 Grad soll sich das Glas nämlich nicht komplett verflüssigen, sondern so erweichen, dass sich die verschiedenen Schichten miteinander verbinden, ohne dass die Farben verwässern. «Je mehr Schichten, desto individueller wird das Objekt.»
Beim Abkühlenlassen ist Geduld gefragt
Die Verformung oder Verschmelzung der einzelnen Gläser erfordert unterschiedliche Temperaturen. Deshalb sind für ein Glasobjekt meist mehrere Brennvorgänge notwendig. Wobei nach jedem Brennen Geduld gefragt ist: «Wenn das Glas zu schnell abkühlt, entstehen Risse», weiss die Glaskünstlerin aus Erfahrung. Rund 24 Stunden müsse man rechnen, bis man den Ofen wieder öffnen dürfe.
Dass ihr die Glaskunst langweilig werden könnte, befürchtet Erika Vollenweider nicht. «Dazu gibt es zu viele Möglichkeiten», sagt sie und zeigt Glasfäden, die sich zu komplexen Formen arrangieren lassen und dabei ihrer Farbe treu bleiben, irisierendes Glas, das ursprünglich für die Weltraumforschung entwickelt wurde und in prächtigen Regenbogenfarben schillert. In Kursen gibt sie ihr Fachwissen und ihre Leidenschaft mittlerweile an andere weiter.
Was sie selbst gerne mal ausprobieren würde, ist das Glasblasen – allerdings in einem externen Kurs und nicht im eigenen Atelier, wie die Unterlunkhoferin betont: «Vor dem Umgang mit Gas und heissem Glas habe ich zu grossen Respekt.»


