Vom Aufstieg und anderen Visionen
17.04.2026 Sport, HandballAufstiegsspiele 1. Liga: SG Möhlin Fricktal – SG Wohlen Mutschellen (Sonntag, 15 Uhr, Möhlin, Steinli)
Es wird endlich heiss für die SG Wohlen Mutschellen. Im Hinspiel gegen die SG Möhlin Fricktal will man den Grundstein legen, um eine Woche ...
Aufstiegsspiele 1. Liga: SG Möhlin Fricktal – SG Wohlen Mutschellen (Sonntag, 15 Uhr, Möhlin, Steinli)
Es wird endlich heiss für die SG Wohlen Mutschellen. Im Hinspiel gegen die SG Möhlin Fricktal will man den Grundstein legen, um eine Woche später in der Hofmattenhalle den Aufstieg zu feiern. «Alles oder nichts. Die Chancen stehen 50 zu 50», sagt Trainer Alex Milosevic – und träumt von einer Zusammenarbeit mit dem TV Muri.
Stefan Sprenger
Alex Milosevic hat Visionen. Grosse Visionen. «Ich wünsche mir, dass der TV Muri bei dieser Spielgemeinschaft auch mitmacht. Es wäre für die jungen Spieler und das Handball-Freiamt enorm positiv», sagt der 60-Jährige. Nur so könne man «das Potenzial der handballbegeisterten Region vollends ausschöpfen», wie er erklärt.
Möhlin, «ein heisses Pflaster»
Unbestritten: Milosevic ist ein Handballexperte, ein ausgewiesener Fachmann. Er war Profispieler in der Schweiz und Spanien, 1987 wurde der gebürtige Bosnier Junioren-Weltmeister mit Jugoslawien. Als Trainer amtete er bei Teams in den höchsten Ligen der Schweiz (Frauen und Männer), war Chef der U20-Nationalmannschaft und wurde 2023 gar Frauentrainer des Jahres. Milosevic wohnt in Bern, führt eine eigene Marketingfirma, die vorwiegend in der Autoindustrie tätig ist. Er ist ein Macher, der stets Vollgas gibt. Und er will im Handball im Freiamt etwas bewegen.
Deshalb ist der Aufstieg so wichtig
Sein Team, die SG Wohlen Mutschellen, marschierte durch die 2. Liga, ballerte die Gegner reihenweise aus der Halle. In 20 Spielen gab es nur eine Niederlage. Und nun geht es in der Aufstiegsrunde gegen die SG Möhlin Fricktal. Das Hinspiel ist am Sonntag (15 Uhr) in Möhlin, das Rückspiel am Samstag, 25. April, um 20 Uhr in der Wohler Hofmattenhalle. Auch die Fricktaler werden von einem Ex-Profi trainiert (der Rumäne Zoltan Majeri) – und auch sie sind souverän in der 2. Liga durchmarschiert (nur drei Pleiten).
Milosevic sagt: «Unser Staff ist professionell. Wir haben alle potenziellen Gegner längst unter die Lupe genommen. Die SG Möhlin Fricktal ist ein starkes Team. Möhlin ist ein heisses Pflaster mit lautem Publikum. Das Team kann auch auf Doppellizenzspieler aus der NLB und der U19 zurückgreifen. Das werden spannende Spiele. Ich sehe aktuell keinen Favoriten in diesem Duell.» Klar ist: Die SG Wohlen Mutschellen will unbedingt aufsteigen. 2024 begann die Zusammenarbeit im Aktivbereich der Männer. Zwei Teams, beide in der 2. Liga. In der letzten Saison scheiterte man knapp – wohl aufgrund der mangelnden Erfahrung des jungen Teams. Jetzt soll es klappen. «Wir sind als Team zusammengewachsen, haben eine gute Entwicklung hingelegt. Wir sind in den meisten Spielen kaum gefordert worden und haben oft mit grossem Abstand gewonnen. Damit eine Entwicklung der Spieler aber möglich ist, müssen sie jedes Wochenende an ihr Limit gehen. Deshalb ist der Aufstieg in die 1. Liga wichtig», so Milosevic.
Bei den Frauen und im Nachwuchs klappt es
Die Spielgemeinschaft von Handball Wohlen und dem Handball-Club Mutschellen will (vorerst) an die Spitze der 1. Liga. «Das Umfeld ist gut, die Leute sind cool, das Projekt ist toll», sagt Milosevic überzeugt. Bereits seit 2021 arbeitet man ebenfalls im Juniorenbereich und bei den Frauen zusammen (beides SG Freiamt). «Da war man anfangs skeptisch. Heute ist das kein Thema mehr und alle Teams spielen auf Inter-Stufe. Hier im Freiamt ist alles so nah, dass es grossen Sinn macht, gemeinsam etwas zu erreichen.» So wolle man verhindern, dass Spielerinnen und Spieler abwandern und man ihnen «das Beste bietet».
«Muri sollte auch mitmachen»
Im Nachwuchs und bei den Frauen ist der TV Muri ebenfalls in dieser Spielgemeinschaft dabei. Nicht so aber im Aktivbereich der Männer. «Das ist sehr schade. Der TV Muri sollte auch mitmachen. Von diesen drei Vereinen hat Muri am meisten Erfahrung, am meisten Zuschauer, am meisten Ressourcen – auch was die Hallenkapazität anbelangt», sagt Milosevic und beweist damit, dass er sich schon länger eine Zusammenarbeit mit Muri erhofft. «Das wünsche ich mir, ja. Nicht für mich, sondern für den Handball im Freiamt. Es wäre ein Gewinn. Es wären die besten Bedingungen. Das Potenzial mit Muri wäre riesig.» Doch der TV Muri will nicht. In der Nachwuchsförderung und den Frauen mache die Zusammenarbeit viel Sinn, wie Lucia Schroth, Präsidentin des TV Muri, erklärt. «Kompetenzen und Ressourcen werden gebündelt, wir ermöglichen den jungen Leuten so eine starke Förderung und können sie in der Region halten. Das ist der Kern der Zusammenarbeit.» Aber die drei Vereine sind nach wie vor regional verankerte Dorfvereine «und wir sind überzeugt, dass die Identifikation mit dem Verein der Schlüssel zum Erfolg ist», sagt Schroth.
Erfolg gibt Muri recht
Dieses Argument hört man übrigens auch oft von den kritischen Stimmen des Vereinsumfelds von Wohlen und Mutschellen. Die 31-Jährige erklärt: «Jene Identifikation geschieht, wenn man die Spieler auf dem Platz kennt, wenn die Juniorinnen und Junioren zu ihren Handball-Vorbildern aus dem Dorf aufschauen können und die Zuschauer auf der Tribüne die Spieler kennen. Deshalb sind wir im Männer-Aktivbereich selbstständig unterwegs.» Die Murianer verpassten vor wenigen Wochen die Aufstiegsrunde zur NLB, besitzen ein junges Team mit Potenzial. Der Erfolg gibt ihnen also recht. Milosevic hält dagegen: «Identifikation und Tradition sind trotz Zusammenarbeit möglich.» Auch dazu hat er sich schon Gedanken gemacht. «Der Name des Vereins, das Dress, die Halle, das Logo – das kann ja alles bleiben. Unter dem Logo braucht es einfach eine Schleife mit ‹SG Freiamt›. Das wäre ja nur eine grafische Frage. Denn, wenn man mich fragt, gehört Muri in die NLB, Wohlen in die 1. Liga und Mutschellen in die 2. Liga. Und die Spieler der Region könnte man – je nach Niveau – dann auch so verteilen. Das wäre eine Win-win-Situation für alle. Alle Junioren kennen sich sowieso aus ihrer gemeinsamen Zeit in der SG Freiamt – und das hat sich bewährt. So würde man das grosse Potenzial des Freiamts vollends ausschöpfen. Das wären meine Überlegungen dazu, das hätte es hier in der Region so auch noch nie gegeben.» Er respektiert die Meinung des TV Muri und sagt: «Die Türen bei uns sind immer offen.»
Milosevic hat Träume und Visionen, doch er weiss auch, dass viele Menschen nicht so begeistert sind von solch Spielgemeinschaften im Aktivbereich. Bei den Frauen im Freiamt scheint es zu klappen, doch das Fanionteam, das Flaggschiff, dies ist für Muri unantastbar. Auch Milosevic sagt: «Muri ist für sich glücklich.»
«Das ist eine geile Truppe»
Auch Andreas Stierli, Präsident von Handball Wohlen, würde sich freuen, wenn Muri ins SG-Boot einsteigen würde, versteht aber die Argumente aus der Bachmattenhalle. Der 40-Jährige sagt: «Die Identifikation bleibt trotz der Spielgemeinschaft bestehen. Es ist einfach eine andere, diejenige des Freiamts. Ich sehe es aktuell bei der SG Wohlen Mutschellen. Das ist eine geile Truppe, die sich auf und neben dem Feld bestens versteht.»
Im Nachwuchs und bei den Frauen ist die Zusammenarbeit von Wohlen, Mutschellen und Muri gut – und wird fortgeführt. Bei den Männern bleibt es bei der SG Wohlen Mutschellen. Und dort ist nun der Aufstieg in die 1. Liga «das absolut Wichtigste», wie Präsident Stierli sagt. «Das Team soll jetzt zeigen, was es draufhat», meint er weiter. Die Hürde SG Möhlin Fricktal ist nicht zu unterschätzen, aber die Ambitionen des Teams sollten eigentlich klar im Aufstieg münden. Viel Druck. Hohe Erwartungshaltung. «Wir können damit umgehen», sagt Trainer Milosevic. «Der Aufstieg wäre eine Momentaufnahme. Es geht aber auch um Visionen und Träume.»

