Von der Wiese in den Mund

Fr, 08. Okt. 2021
Stefanie Gross-blau (links) ist Wildkräuterexpertin mit Leib und Seele. Viele Wildkräuter sind gleich vor der Haustüre zu finden. Bilder: Monika Rast

Aktiv-Anlass «Wildkräuterspaziergang» der Freiämter Regionalzeitungen

Der erste Aktiv-Anlass des Jahres führte die Leserschaft auf die geschmacklichen Spuren der heimischen Wildkräuter und ihren Gebrauch in der Küche. Mit der Wildkräuterexpertin Stefanie Gross-blau lernten die Teilnehmenden, wie viel die Natur vor der Haustüre zu bieten hat.

Monika Rast

Aktiv-Anlässe sind ein Dankeschön an die Leserschaft der Freiämter Regionalzeitungen. Organisiert wurde der erste Anlass in diesem Jahr von Anita Pohl. Ihre Idee, mit einer Wildkräuterexpertin auf einen Spaziergang zu gehen, fand grossen Anklang. So begrüsste sie zusammen mit der Expertin Stefanie Gross-blau am vergangenen Sonntag und Dienstag jeweils zwei Gruppen von 24 Personen. «Doch es hätten noch viel mehr ihr Interesse gezeigt», meinte Pohl und musste einigen mit Bedauern absagen.

«Trotz Corona möchten die Menschen in der Natur und mit der Natur arbeiten» begrüsste Gross-blau die Anwesenden vor der Alten Mühle in Muri, wo auch ihre Wildkräuterschule zu Hause ist. Es gibt viele Ausdrücke und Namen für Wildkräuter. Doch egal, wie sie genannt werden, sie sind wichtig für Insekten, Vögel und die Biodiversität. Und vor langer Zeit auch für die Menschen.

Fürsprecherin der Pflanzen

Obwohl das Frühjahr eher die Zeit ist, um Kräuter zu sammeln, bringt auch der Herbst eine reiche Ernte. «Sie werden zwar im Laufe des Jahres bitterer und etwas zäher, sind aber immer noch brauchbar», weiss die Kräuterexpertin und liess die Anwesenden in der Wiese nach Kräutern, die sie kennen, suchen. Schnell wurde man im Löwenzahn fündig. Doch auch Spitzwegerich und Wiesenlabkraut wuchs hier gleich vor der Haustüre. Sie forderte die Kursbesucher auf, den Löwenzahn zu probieren und gab dabei Tipps, wie und wo man ihn verwenden kann. Neben den Blättern im Salat kann man auch den Stiel oder die Blüte essen. «Gebratene Löwenzahnknospen sind sehr lecker», meinte sie, «Wildkräuter bieten viele kulinarische Möglichkeiten.»

Riechen, tasten, fühlen

Es gibt unzählige Pflanzen, die essbar sind und die wir nicht wahrnehmen. «Wildkräuter sind eine sinnliche Sache», ist sich Stefanie Grossblau sicher. Sie unterscheidet zwischen Basis-, Gewürz- und Heilkräuter. Rund 80 Prozent der heimischen Wildpflanzen sind essbar. Wenn man sie kennt und weiss, wo sie zu suchen sind, kann man in kürzester Zeit ziemlich viel ernten. Für Salate, Pesto, Brotaufstriche, Tee, getrocknet, gebraten, zerstossen oder gehackt. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sie zu verwenden. Damit einige der Pflanzen auch später noch erkannt werden, liess die Expertin die Teilnehmenden die Pflanzen beschreiben. Ihr Aussehen, ihren Geruch, aber auch, wie sich die Pflanze anfühlt. So schmeckt der Giersch wie Petersilie und wurde im Mittelalter sowohl als Gemüse wie auch als Heilpflanze angebaut. Spitzwegerich ist, wie der Löwenzahn, je nach Jahreszeit etwas bitter.

Die Brennnessel ist ein Superfood

Vielen Kräutern wird eine heilende Wirkung nachgesagt. Dabei werden nicht immer nur die Blätter gegessen oder verarbeitet. Auch Blüten, Knospen, Stängel, Wurzeln und die Samen liefern wertvolle Inhalte, die der Körper braucht. «Die Nachtkerze bringt so viel Energie wie Ochsenfleisch», erklärte Gross-blau auf dem Spaziergang und liess die Anwesenden Blüten und Samen probieren.

Einige hatten kleine Beutel dabei und deckten sich gleich mit einigen der schmackhaften Blüten ein. Für die Mutigen demonstrierte sie, wie man sogar Brennnesseln frisch gepflückt verspeisen konnte. «Ein Superfood», meinte sie und nahm einen kleinen Büschel in den Mund.

Die Natur spüren

Der Abschluss des Spazierganges war im Murianer Tobel. Umgeben von Wasser und Bäumen forderte sie die Anwesenden auf, einen Moment innezuhalten. «Wenn es uns schwer fällt, einfach zu sein, können uns die Pflanzen helfen, zur Ruhe zu kommen.» Nicht umsonst ist der Wald ein sehr beliebtes Erholungsgebiet, besonders in der vergangenen Zeit. Der Abschluss dieser geschmacklichen Reise bildete ein kleiner Apéro: Sauerteigbrot mit Spitzwegerich-Linsen-Aufstrich, Brennnesselbutter und Gundelrebenbutter, ein Beduinenbrot und Focaccia mit Brennnessel und Sesam.

Wildkräuterspaziergänge oder Kochen mit Wildkräutern findet man auf der Homepage von Stefanie Gross- blau www.wildkraeuterschule.ch.

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