Vor grosser Herausforderung
13.03.2026 Wohlen, Fussball, Schule, BaugewerbeMit dem Ausbau der Kanti verliert der FC Wohlen den Rigacker-Platz – und gerät noch stärker an die Kapazitätsgrenze
Läuft alles nach Plan, werden im Jahr 2029 die Bauarbeiten für den umfassenden Ausbau der Kanti Wohlen starten. Ein ...
Mit dem Ausbau der Kanti verliert der FC Wohlen den Rigacker-Platz – und gerät noch stärker an die Kapazitätsgrenze
Läuft alles nach Plan, werden im Jahr 2029 die Bauarbeiten für den umfassenden Ausbau der Kanti Wohlen starten. Ein ehrgeiziges und schönes Projekt. Ein Opfer gibt es: Der Fussballplatz Rigacker wird dann verschwinden. Für den FC Wohlen ein grosser Verlust.
Daniel Marti
Seit 46 Jahren darf der FC Wohlen den Fussballplatz Rigacker hinter der Kantonsschule benutzen. Die Nähe zum Sportzentrum Niedermatten ist dabei nur ein Vorteil. Weil der Platz praktisch zu jeder Zeit benutzt werden kann, ist er für den FC Wohlen enorm wichtig. Damit ist wohl bald Schluss.
Denn die Ausbaupläne der Kanti Wohlen sind mittlerweile bekannt. Das Siegerprojekt wurde ausgewählt und im vergangenen Januar präsentiert, noch in diesem Jahr beginnt die Projektierung. Es ist jetzt auch klar, dass das Baufeld auch den Rigacker-Fussballplatz umfassen wird. Dieser Platz wird also völlig verschwinden – für den FC Wohlen ein herber Verlust. Gemäss Planung des Kantons sollen die Bauarbeiten im Jahr 2029 beginnen, damit die Fertigstellung der erweiterten und sanierten Kanti bis Mitte 2032 auch klappen wird.
1000 Einheiten pro Jahr auf dem Rigacker
Das bedeutet: Der FC Wohlen darf den Rigacker-Fussballplatz noch maximal zweieinhalb Jahre benützen. «Nach aktueller Planung wird der Fussballplatz Rigacker voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2029 verschwinden», sagt Simone Strub, Leiterin Kommunikation beim Departement Bildung, Kultur und Sport. Und der FC Wohlen, der im Sportzentrum Niedermatten bereits an der Kapazitätsgrenze angelangt ist, muss Lösungen suchen und diese bis in drei Jahren präsentieren können.
Wie wichtig dieser Fussballplatz für den Verein ist, erklärt Marcel Amrein, Co-Präsident des FC Wohlen: Im Durchschnitt werden während der Fussballsaison rund sechs Trainingseinheiten pro Tag auf dem Rigacker-Platz durchgeführt. Der Platz wird vom FC Wohlen an fünf Tagen von 17 bis 21.30 Uhr genutzt. «Mit dem Wegfall dieses Platzes fehlen uns somit rund 1000 Trainingseinheiten pro Jahr.»
Und was würde es bedeuten für den FCW, wenn der Rigacker-Platz ersatzlos wegfallen würde? Etwa Streichungen von Mannschaften? Der Entscheid, welches Projekt bei der Kantonsschule umgesetzt werde, «ist noch sehr neu», räumt Amrein ein. «Wir haben die neue Ausgangslage zur Kenntnis genommen und sind in der Analyse.» Der FCW-Vorstand habe diesbezüglich «noch kein klares Bild». Darum können «noch keine Konsequenzen kommuniziert werden».
Gemeinderat setzt sich für FCW beim Kanton ein
Eine Erwartung kann der FCW jetzt schon formulieren. Der Verein zählt auch auf die Gemeinde Wohlen. «Die neue Situation ist für den FC Wohlen eine grosse Herausforderung», betont Marcel Amrein. «Wir erwarten von der Gemeinde ein offenes Ohr für unsere Anliegen. Wir sind schon im Austausch mit der Gemeinde und spüren auch Unterstützung.» Diesen Austausch kann Gemeindeammann Roland Vogt bestätigen. «Dem Gemeinderat ist die Wichtigkeit des Sportplatzes Rigacker für den Verein bewusst», so Vogt. «Darum hat der Gemeinderat im Vorfeld des Kanti-Projekts den Kanton darauf hingewiesen und sich dafür eingesetzt. Das wurde vom Kanton positiv aufgenommen.»
Roland Vogt verweist darauf, dass beim Kanti-Ausbau «ein Sportplatz offensichtlich Bestandteil vom Projekt ist». Zwar handelt es sich hier nicht um ein Original-Fussballfeld (60 x 90 Meter wie der jetzige Rigacker-Platz), aber eine kleinere Variante könnte auch weiterhelfen. Beispielsweise für den Nachwuchsfussball (sprich: ein Feld für den 9er-Fussball). «Es wäre für Gemeinde und Verein wichtig, wenn hier der Kanton Hand bieten könnte», sagt der Gemeindeammann noch.
Beidseitiges Entgegenkommen und kleinere Spielwiese
Denn Kanti und Gemeinde arbeiten gut zusammen. «Die Kanti Wohlen darf das Sportzentrum Niedermatten benützen, beispielsweise am Sporttag. Das wurde praktisch per Handschlag abgemacht und das hat bisher funktioniert. Wir hoffen, dass dies so bleiben wird.» Darum erhofft sich der Gemeinderat auch ein Entgegenkommen beim Ausbau der Kanti und bei einem möglichen Ersatz für den Rigacker-Fussballplatz.
Roland Vogt betont aber auch, dass das Siegerprojekt des Kantons erst seit ein paar Wochen öffentlich bekannt ist. Darum bittet er um ein wenig Geduld und versichert: «Der Gemeinderat wird mit dem FC Wohlen zeitnah eine Lösung suchen und auch finden.» Während der Bauzeit, 2029 bis Mitte 2032, wird auf dem Kanti-Areal sicherlich nicht Fussball gespielt.
Für die Zeit danach gibt es Hoffnung. Gemäss Siegerprojekt soll es wieder eine Spielwiese auf dem Areal geben. Simone Strub: «Die neue Spielwiese wird mit rund 70 x 50 Metern die Anforderungen an den Erwachsenenfussball nicht erfüllen, aber voraussichtlich die erforderlichen Dimensionen für den Juniorenfussball. Einer Nutzung durch den Fussballclub steht ausserhalb des regulären Schulbetriebs auch künftig nichts entgegen.»
Kunstrasen: Projektgruppe gegründet
Diese Variante würde die Situation für den Verein ein wenig entschärfen. Aber der FC Wohlen wächst und wächst – vor allem die Nachwuchsabteilung. Dadurch stösst auch die Infrastruktur an die Grenze. Mit einem weiteren Kunstrasen, der eine grössere Belastung zulässt, könnte eine gewisse Entspannung erzielt werden. Und die Sanierung mit einem Kunstrasenfeld ist im Finanzplan berücksichtigt. Die Frage drängt sich förmlich auf: Wie weit ist das allfällige Kunstrasenprojekt im Stadion Niedermatten?
«Wir sind für das Kunstrasenförderprojekt des Kantons Aargau ausgewählt worden. Der Förderbeitrag des Kantons ist auf maximal 400 000 Franken festgelegt», hält Marcel Amrein fest.
Die Rahmenbedingungen sind bekannt: Bis Ende 2027 muss eine rechtskräftige Baubewilligung vorliegen, um von dieser Unterstützung zu profitieren. «Es ist somit Zeitdruck vorhanden. Wir sind mit der Gemeinde bezüglich des Kunstrasenthemas schon länger im Austausch», so der Co-Präsident des FCW.
Laut Gemeinderat ist eine Projektgruppe, in der auch der FC Wohlen vertreten ist, gebildet worden. «Sie hat ihre Arbeit aufgenommen und erstellt aktuell ein Projekt», so Roland Vogt. Der Gemeindeammann weiss auch, dass die Zeit knapp wird und dass «der FC Wohlen kaum mehr Reserven hat. Die Problematik ist bekannt und wir pflegen ein gutes Einvernehmen.»
Verhinderte Umzonung
Im August 2013 wurde eine Chance vereitelt
Das Sportzentrum Niedermatten kann unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr wachsen. Das wurde schon vor rund 15 Jahren erkannt. Deshalb wurde damals die Umzonung der benachbarten Landflächen beim Sportzentrum zum Thema. Diese geplante Umzonung (in die Zone öffentliche Bauten) wurde allerdings im August 2013 unter der Führung des damaligen SVP-Fraktionspräsidenten Jean-Pierre Gallati im Grossen Rat verworfen. Der jetzige Regierungsrat aus Wohlen realisierte damals zusammen mit seiner SVP, Teilen der Grünliberalen, der Grünen und Bauern eine Mehrheit mit 69 Nein- zu 62 Ja-Stimmen. Es war ein Entscheid gegen den Sport, vor allem gegen den Nachwuchssport und gegen die Gemeinde Wohlen.
Darum die Frage an den Gemeindeammann: Ist ein neuerlicher Anlauf in Richtung Umzonung geplant? Roland Vogt: «Mehrere Parteien haben damals aus diversen Gründen diese Umzonung im Grossen Rat abgelehnt. Ein neuerlicher Anlauf ist nicht geplant, zumindest nicht in dieser Grösse wie damals. Eine Umzonung von Fruchtfolgeflächen für solche Anliegen wird immer schwieriger. Dem FC Wohlen steht eine tolle Infrastruktur zur Verfügung. Für diese gilt es die richtigen Lösungen zu suchen und zu finden.»
Vor allem sei die Dimension der angestrebten Umzonung vor dreizehn Jahren zu gross gewesen. Für eine Umzonung in einem viel kleineren Ausmass könnte man offen sein, so Vogt abschliessend. --dm
«Kein Thema»
Ausweichen aufs Leichtathletikstadion?
Der FC Wohlen, die Leichtathleten vom TV Wohlen und der Tennisclub Wohlen Niedermatten pflegen im Sportzentrum Niedermatten ein gutes und einvernehmliches Nebeneinander. Jeder Verein hat seinen Bereich. Trotzdem: Sollte der FCW durch den Wegfall des Rigacker-Platzes in grössere Platznot geraten, sind Lösungen gefragt. Ist dann allenfalls eine stärkere Belegung des Rasens im Leichtathletikstadion durch den FC Wohlen machbar?
Keine doppelte Belegung
«Wir befinden uns im stetigen Austausch mit dem TV Wohlen und erhalten von dieser Seite viel Unterstützung», sagt Marcel Amrein, Co-Präsident des FC Wohlen. «Da beide Vereine am Abend Trainingseinheiten durchführen, gehen wir nicht davon aus, dass wir den Leichtathletikplatz am Abend für Fussballtrainingseinheiten nutzen können.»
Auch der Gemeinderat tendiert dahin, dass eine solche Lösung kaum möglich sein wird. «Zu Zeiten, als der FC Wohlen noch im Profibetrieb der Challenge League tätig war, konnte das Leichtathletikstadion für den Trainingsbetrieb jeweils am Morgen benützt werden. Diese Zeiten sind vorbei», erklärt Gemeindeammann Roland Vogt. «Beide Vereine trainieren vorwiegend in den Abendstunden auf ihren Anlagen. Somit ist eine Belegung auf der gleichen Anlage durch beide Vereine nicht möglich und somit auch kein Thema.» --dm

