«Wave» ist in neuen Händen
10.01.2023 MuriHans-Peter Budmiger verkauft seine Café-Bar an Manuel Staubli
Der Abschied ist emotional. Vor 22 Jahren hat Hans-Peter Budmiger das «Wave» gegründet. Per 1. Januar hat er es nun verkauft.
Annemarie Keusch
22 ...
Hans-Peter Budmiger verkauft seine Café-Bar an Manuel Staubli
Der Abschied ist emotional. Vor 22 Jahren hat Hans-Peter Budmiger das «Wave» gegründet. Per 1. Januar hat er es nun verkauft.
Annemarie Keusch
22 Jahre hat das «Wave» für ihn die Welt bedeutet. «Am Schluss nicht mehr ganz so stark wie in den Jahren zuvor. Das muss ich zugeben», sagt Hans-Peter Budmiger. Die politischen Ämter wurden mehr, die Zeit hinter dem Tresen weniger. Aber Herzblut, das investierte er weiterhin in die Café-Bar.
Junger, engagierter Murianer
Aber eben, die höchste Priorität lag nicht mehr beim «Wave». «Muri und die Gäste hätten dies aber verdient.» Das «Wave» verkaufen, am besten an einen jüngeren Murianer, der Ideen und Enthusiasmus mitbringt, der etwas bewegen will. Das war Budmigers Ziel. Und mit Manuel Staubli hat er «genau den Richtigen» dafür gefunden. «Manchmal passt es einfach», fasst Budmiger zusammen.
Und dennoch, der Abschied vom «Wave» ist emotional für ihn. «Ich habe 22 Jahre lang ganz viel Herzblut in dieses Projekt gesteckt, natürlich fällt mir der Schlussstrich nicht leicht.» Trotzdem schwinge auch Freude mit. Freude, Kapazitäten für Neues zu erhalten. Freude, dass die Geschichte des «Wave» weitergeschrieben wird.
Rückwirkend per 1. Januar erfolgte der Verkauf. Am nächsten Freitag wird dieser gebührend gefeiert mit einer «Handover»-Party.
Zwei Welten verändern sich
Das «Wave» hat den Besitzer gewechselt – von Hans-Peter Budmiger zu Manuel Staubli
Der eine übergibt das, was 22 Jahre lang ein wichtiger Teil seines Lebens war. Der andere wagt sich in beruflich neue Sphären. Der «Wave»-Verkauf ist für Hans-Peter Budmiger und für Manuel Staubli ein grosser Schritt. Einer, in dem beide ganz viel Positives sehen.
Annemarie Keusch
Dass er nach einem allfälligen Rücktritt als Gemeindepräsident oder Grossrat wieder hauptberuflich hinter dem Bartresen stehen wird, das konnte sich Hans-Peter Budmiger schon länger nicht mehr vorstellen. «Dafür bin ich auch etwas zu alt», sagt er und lacht. Eine zukunftsträchtige Lösung zu suchen, das war bei ihm seit einiger Zeit im Hinterkopf. Schon vor Corona kam es zu teaminternen Gesprächen. Ob einer der Mitarbeitenden das «Wave» kaufen würde, das wurde diskutiert. Während der Pandemie geriet diese Thematik in den Hintergrund. Budmiger betont: «Für mich war das Ziel immer, dass die ‹Wave›-Geschichte weitergeht.» Dafür hat er in den total 22 Jahren zu viel Herzblut investiert. Dafür ist ihm das «Wave» zu wichtig.
Entsprechend strahlt er, als er an diesem Morgen das «Wave» betritt. Entsprechend herzlich ist die Umarmung mit Manuel Staubli. In ihm hat er die Person gefunden, die er gesucht hat. «Jemand, bei dem eigentlich alles passt. Das ist ein grosses Glück», weiss Budmiger. Staubli ist in Muri aufgewachsen, verbrachte unzählige Stunden als Gast im «Wave», er kennt viele Leute, ist verankert, in der Guggenmusik zum Beispiel. «Er hat Ideen und Tatendrang. Es passt einfach», sagt Budmiger.
Neue Impulse
Entsprechend sei es Freude, die er verspüre. Freude, dass das weitergeht, was er vor 22 Jahren lancierte. Und Freude, dass neue Impulse für eine noch bessere Zukunft sorgen könnten. «Ich war in den letzten Jahren nicht mehr wirklich oft im ‹Wave›. Es ist höchste Zeit, dass jemand übernimmt, der dieses Projekt wieder als höchste Priorität ansieht.» Damit meint Budmiger nicht, dass es dem «Wave» nicht gut gehe. «Ich verkaufte nicht, weil die Zahlen nicht mehr stimmen.» Natürlich, die Pandemie-Jahre seien nicht einfach gewesen, auch die Hitze-Tage im Sommer nicht. «Aber das hat sich im Herbst wieder zum Guten gewendet. Es hat Platz in Muri für ein Lokal wie das ‹Wave›, ganz viel Platz sogar», ist Budmiger nach wie vor überzeugt.
Dass er das «Wave» dennoch verkaufen will, daran änderte sich nichts. Budmigers Prioritäten haben sich verschoben, hin zur Politik. «Trotzdem, dieser Schritt verändert meine Welt», sagt Budmiger. Einerseits auf emotionale Weise. Er spricht von unzähligen schönen Momenten, davon, dass das Team wie eine Familie zusammenwuchs, davon, dass er zu einem ganz grossen Teil der Gäste eine persönliche Verbindung habe. «Das ‹Wave› ist Familie.» Andererseits verändert es seine berufliche Welt. «Aktuell bin ich politisch ziemlich engagiert. Aber natürlich entstehen mit dem Verkauf Kapazitäten für Neues.» Konkret kann und will Budmiger noch nicht werden. «Ich werde das Richtige finden oder das Richtige findet mich.» Zeitdruck gebe es keinen. «Irgendein neues Abenteuer wird auf mich zukommen. Ich freue mich.»
Wird hinter dem Tresen arbeiten
Der «Wave»-Verkauf verändert aber nicht nur Budmigers Welt, sondern auch jene des Käufers, jene von Manuel Staubli. Jene des 30-Jährigen, der in der Marketing-Branche tätig war. Staubli lacht. «2018 war es, als ich mich ganz spontan dazu entschloss, das Wirtepatent zu machen.» Konkrete Pläne gab es damals noch keine.
Aber dass er Ideen und viel Engagement mitbringt, das bewies Staubli immer wieder. Etwa mit seiner eigenen Kleidermarke «Salty Deer», als Mitglied der «Stiefeliryter», als Teil der Murianer Beachsoccer. Trotzdem sei er überrascht gewesen, als Budmiger ihn im letzten Februar darauf angesprochen hat, ob er nicht das «Wave» übernehmen wolle. «Der Gedanke daran liess mich nicht mehr los. Und nun sind wir hier.»
Eine lange Zeit der Vorbereitungen, der Abklärungen liegt hinter Budmiger und Staubli. Vorgestern wurde das «Wave»-Personal informiert. «Ich war erleichtert, wie positiv sie reagierten», sagt Staubli, der viele Teammitglieder bereits kennt. Vor allem die Freude darüber, dass er auch hinter dem Tresen mitarbeiten würde, sei gross. «Wie viel das sein wird, das ist noch unklar.» Auch Budmiger erlebte den Moment der Information als positiv. «Dass jemand Jüngeres übernimmt, der im Dorf verankert ist, die ‹Wave›-Philosophie kennt und diese nicht über den Haufen werfen will, darüber ist das Team froh.» Überhaupt, es sei eine Lösung, die für alle eine gute Nachricht sei. Und wirklich überraschend sei es nicht gewesen, dass Budmiger das «Wave» verkaufen will. «Sie ahnten es. Nur der Zeitpunkt und der Käufer waren eine Überraschung.»
Gelateria als neue Attraktion
Auf den Kopf stellen will dieser Käufer nichts. «Das ‹Wave› bleibt das ‹Wave›», sagt Manuel Staubli. Das Team bleibt, der Name bleibt. Der Ort bleibt ein Treffpunkt für alle, jung und älter. Doch natürlich bringt der neue Besitzer auch neue Ideen mit sich. So etwa wird das Lokal im nächsten Sommer um eine Attraktion reicher und um eine Gelateria erweitert. Staubli erklärt: «Meine Eltern betreiben die ‹Gelateria beim Kloster›. Darum lag eine Zusammenarbeit auf der Hand.» Und auch sonst will er sich einbringen, das Sortiment erweitern, Anlässe organisieren. Eine Jahresplanung mit «gezielten, dafür richtigen» Events sei schon gemacht. «Spruchreif sind aber noch keine einzelnen Anlässe», sagt Staubli.
Primär freut er sich, nach der langen Vorbereitungszeit nun endlich loslegen zu können. Am Freitag ab 19 Uhr wird die Übergabe mit einer Handover-Party gefeiert. Neben kurzen Ansprachen gibts «ein paar Freibiere und eine coole Party» – als würdigen Abschluss für Budmiger und tollen Start für Staubli. «Am besten platzt das ‹Wave› aus allen Nähten», meint Manuel Staubli lachend. Und auch Budmiger freut sich, «wenn die Wände nochmals ausgelotet werden».
Als nächstes Highlight folgt nachher die Fasnacht. Auf Staubli, als aktiver Stiefeliryter und neuer «Wave»-Besitzer, kommt also eine Doppelbelastung zu. «Wie das geht, schaue ich noch. Erste Priorität hat für mich das ‹Wave›.» So wie es für Budmiger ganz viele Jahre auch war.


