Wenn Freundschaft klingt
27.01.2026 Muri, MusikAaron Parks und Will Vinson verzaubern Muri
Einmal im Jahr verlässt «Musig im Pflegidach» seinen angestammten Ort und zieht in den Caspar-Wolf-Saal.
Ein Raum, der wie geschaffen ist für musikalische Verdichtung: ein freispannendes ...
Aaron Parks und Will Vinson verzaubern Muri
Einmal im Jahr verlässt «Musig im Pflegidach» seinen angestammten Ort und zieht in den Caspar-Wolf-Saal.
Ein Raum, der wie geschaffen ist für musikalische Verdichtung: ein freispannendes Falttragwerk, geometrische Holzreliefs, eine trockene, präzise Akustik – fast wie ein akustisches Studio. Rund 70 Zuhörerinnen und Zuhörer nahmen kürzlich in zwei Reihen rund um die Musiker Platz. Nähe war hier kein Konzept, sondern Realität. Der Abend blieb kein Einzelereignis: Das Duo spielte insgesamt drei Konzerte im Caspar-Wolf-Saal. Am Samstag verfolgten rund 85 Zuhörerinnen und Zuhörer das Konzert, am Sonntag waren es sogar etwa 100 Gäste. Jeder der drei Abende entwickelte dabei eine eigene Stimmung – getragen von derselben Nähe, Konzentration und Offenheit, die diese besondere Konzertreihe auszeichnete.
Im Zentrum des Abends stand ein seltenes Duett: Pianist Aaron Parks und Saxofonist Will Vinson. Obwohl die beiden seit vielen Jahren eine enge Freundschaft verbindet, war es erst ihr zweites Duo-Konzert. Schon vor dem ersten Ton wurde klar: Hier ging es nicht um Distanz oder formelle Perfektion, sondern um Vertrauen, Offenheit und gemeinsame Geschichte. Kleine Anekdoten, lockere Witze, ein Miteinander – das Publikum war sofort Teil des Geschehens.
Einmalig und nicht reproduzierbar
Der Auftakt mit «Boogloo» begann überraschend: mit Fingerschnipsen, rhythmischen Mundgeräuschen, die sich beinahe unmerklich in musikalische Linien verwandelten. Parks’ Stimme wurde zur zusätzlichen Klangfarbe, Vinsons Saxofon zum Gesprächspartner. Die Musik wirkte verspielt und präzise zugleich, lebendig und doch kontrolliert. Ein musikalischer Dialog, der sich ständig veränderte, reagierte, zuhörte. Besonders eindrücklich geriet «Afterglow». Ein Stück von stiller Intensität, weich und emotional, fast wie ein Abendlied. Die Musik baute sich langsam auf, schuf Spannung ohne Dringlichkeit und entliess das Publikum in einen langen, nachklingenden Moment. Es war einer jener Augenblicke, in denen man vergisst, wo man sitzt – und einfach bleibt.
Zwischen den Stücken tauschten sich die Musiker immer wieder spontan aus, entschieden gemeinsam über den weiteren Verlauf, lachten, blickten sich an. Diese Offenheit übertrug sich unmittelbar auf den Raum. Man spürte: Hier geschieht etwas Einmaliges, nicht Reproduzierbares. Eine Konzertbesucherin, Pia Bürgi, brachte es nach dem Abend auf den Punkt: «Das Konzert war schlichtweg awesome, fantastic, magical. Solche intimen Momente sind rar in unseren hektischen Zeiten. Bravo.»
Kein anonymer Konzertbetrieb
Nach einer kurzen Pause kehrten Parks und Vinson für zwei Zugaben zurück. Der Abschlusstitel «Goodbye» wirkte wie ein leiser Abschied von etwas Kostbarem – sanft, ruhig, ohne Pathos. Ein Ende, das genau richtig war. Immer wieder wurde an diesem Abend deutlich, wie zentral die Rolle des Organisators Stephan Diethelm ist. «Musig im Pflegidach» ist kein anonymer Konzertbetrieb, sondern ein gewachsener Ort, getragen von Freundschaft und Vertrauen. Will Vinson formulierte es so: «Alle Menschen, die hier leben und Jazz nicht völlig ablehnen, sollten dankbar sein, dass sie etwas so Spezielles direkt vor ihrer Haustür haben. Dies ist der beste Ort der Welt für Jazz. Stephan hat etwas Grossartiges aufgebaut.» Was blieb, war ein Gefühl von Dankbarkeit – beim Publikum ebenso wie bei den Musikern. Für einen Raum, der Nähe zulässt. Für Musik, die Zeit vergessen macht. Und für Abende, die zeigen, wie viel Kraft in intimen Momenten liegt. --red

