Wer hat Angst vor dem Kraken?
13.03.2026 Sport, HandballRegio-Cup: Die beiden Teams der Spielgemeinschaft duellieren sich im Halbfinal (Samstag, 16 Uhr, Lenzburg Neuhof)
Kurios: Die SG Wohlen Mutschellen spielt gegen die SG Mutschellen-Wohlen. Das Leistungsteam gegen die «Plausch»-Truppe. Die Favoritenrolle ist klar. ...
Regio-Cup: Die beiden Teams der Spielgemeinschaft duellieren sich im Halbfinal (Samstag, 16 Uhr, Lenzburg Neuhof)
Kurios: Die SG Wohlen Mutschellen spielt gegen die SG Mutschellen-Wohlen. Das Leistungsteam gegen die «Plausch»-Truppe. Die Favoritenrolle ist klar. Doch einer könnte den Unterschied machen: Goalie Sascha Rudi ist geladen – und motiviert bis in die Tentakelspitze.
Stefan Sprenger
Eigentlich ist es ein Kompliment. Doch auch sehr kurios. Im Halbfinal des Regio-Cups (Aargau Plus) treffen die beiden 2.-Liga-Teams der Freiämter Spielgemeinschaft aufeinander. Die SG Wohlen Mutschellen, Tabellenführer der Gruppe 5 mit nur einer Saisonniederlage, gegen die SG Mutschellen-Wohlen, 4. Rang in der Gruppe 4 – auch mit «nur» sechs Niederlagen. «Beide sind starke Teams. Und dann ist es eben so, dass es im Cup dann zu diesem Duell kommen kann», sagt Andreas Stierli, Präsident von Handball Wohlen. Er meint: «Die Favoritenrolle ist natürlich klar beim Leistungsteam. In einem Spiel kann aber alles passieren. Der Bessere soll gewinnen», sagt er.
Gegen Muri hält er 50 Prozent: «Ich habe mich warm gemacht»
Um etwas die Verhältnisse aufzuzeigen: Das Leistungsteam, die SG Wohlen Mutschellen, trainiert drei- bis viermal pro Woche. Trainer Alex Milosevic ist ein absoluter Handballkenner, trainierte schon Teams in der NLA und wurde 2023 zum «Trainer des Jahres» im Schweizer Frauenhandball. Mit Amer Zildzic holte man auf diese Saison hin einen Ex-Profi, der nun als Führungsspieler das junge Team in die 1. Liga führen soll. Und da ist man auf Kurs: Die Aufstiegsspiele (ab April) sind erreicht.
Die «Plausch»-Mannschaft, die SG Mutschellen-Wohlen, trainiert ein- bis zweimal pro Woche. Trainer Oliver Waeckerlin ist ein Wohler Handball-Trainerurgestein. Im Team sind einerseits junge Talente, die den Sprung ins Leistungsteam noch nicht geschafft haben, und andererseits gestandene Spieler, für die der Aufwand im Leistungsteam zu ambitioniert ist. Spieler wie Simon Eser, Tobias Estermann oder Flavio Galliker, die für Handball Wohlen einst in der 1. Liga Leistungsträger waren.
Oder Sascha Rudi. Der exzentrische Goalie, der im Alleingang ein Spiel entscheiden kann. So hat er es letztes Wochenende im Derby gegen Muri II bewiesen, als er 26 von 53 Abschlüssen parierte und eine sagenhafte Abwehrquote von 50 Prozent hatte. «Ich kann es noch», meint der 36-Jährige. Augenzwinkernd fügt er an: «Ich habe mich gegen Muri mal warm gemacht für das Duell im Cup-Halbfinal.»
Wer Rudi kennt, der weiss: Er ist ein Mann für grosse Spiele. Wenn der 1,94 m grosse Wohler aufdreht, dann hat er die Fähigkeit, das Tor regelrecht dichtzunageln. Der frühere NLA-Goalie und «Freiämter Sportler des Jahres 2016» hat seine Karriere aber auslaufen lassen. Er engagiert sich im Nachwuchsbereich (U13) und als Goalietrainer in einigen Teams – und spielt «aus Plausch» noch bei der SG Mutschellen-Wohlen. «Unsere Saison verlief super. Die erfahrenen Spieler helfen den jüngeren, dazu haben wir die nötige Disziplin und auch den Spass, den es benötigt, um erfolgreich zu sein.»
Trainer Waeckerlin: «Team ist top motiviert»
Vor dem Duell mit der SG Wohlen Mutschellen sagt Rudi: «Wir haben nichts zu verlieren. Sie aber schon.» Rudi – oder auch «der Krake» genannt (aufgrund seiner langen Arme) – wird beim Cup-Halbfinal von seinen zahlreichen Junioren lautstark unterstützt werden. Rudi: «Es gibt sicherlich eine tolle Stimmung. Ich hoffe auf ein faires Spiel. Der Bessere soll gewinnen. Wir dürfen. Sie müssen.» Oliver Waeckerlin, Trainer des «Plausch»-Teams der Spielgemeinschaft, sagt: «Wir haben unser Saisonziel, den Ligaerhalt, bereits erreicht. Wir haben keinen Druck und werden versuchen, sie zu ärgern. Das Team wird alles geben und top motiviert sein.» Der 44-jährige Finanzleiter aus Dintikon hat in der Vergangenheit schon zahlreiche Teams im Freiämter Handball betreut – und wird nächste Saison die U17-Inter-Junioren der SG Freiamt trainieren. Somit ist der Cup-Halbfinal am Samstag auch so etwas wie der letzte Höhepunkt mit diesem Team. «Wir freuen uns riesig», so Waeckerlin.
Und wie ist es beim Leistungsteam, der SG Wohlen Mutschellen? Sie wollen den Cuptitel verteidigen. Topskorer Noah Ihle (95 Saisontore) sagt: «Ich bin positiv nervös, es geht um etwas, wir wollen den Cup unbedingt wieder gewinnen. Gleichzeitig ist es ein Duell gegen Freunde und Bekannte, mit denen man teilweise schon im gleichen Team spielte.» Ihle sagt weiter, man dürfe den Gegner keinesfalls unterschätzen. «Es kann spannend werden und uns ist bewusst, dass wir als Leistungsteam den Siegesdruck haben.»
Scheiwiller: «Ich kenne Rudis Qualitäten»
Flügelspieler Samuel Scheiwiller sagt: «Jeder von uns wird maximal motiviert sein. Es kann ein hitziges Spiel werden, denn der Cup hat seine eigenen Gesetze.» Scheiwiller ist einer von vielen, die einst mit Rudi im gleichen Team spielten. Das ist ein Vorteil für den Torhüter und so darf man vor dieser Partie fragen: Wer hat Angst vor dem Kraken? «Ich kenne Rudis Qualitäten. Der sportliche Respekt vor ihm ist da – wie vor jedem Torhüter», sagt Scheiwiller.
In diesem besonderen Fall ist der Respekt vielleicht noch ein wenig grösser, denn sie alle wissen sehr gut, zu was Sascha Rudi in der Lage ist, wenn er zur Höchstform aufläuft. Wehe, der Krake wird geweckt.
Cupfinal-Wochenende
In Lenzburg (Neuhof) findet am Samstag und Sonntag das diesjährige Cupfinal-Wochenende statt. Und es könnte für das Freiamt einiges zu feiern geben.
Der Sieger dieses Freiämter Männer-Halbfinals am Samstag wird einen Tag später (Sonntag, 17 Uhr, Lenzburg Neuhof) entweder gegen Suhrental (4. Liga) oder Brugg (2. Liga) im Final antreten.
Freiämter Teams auch bei Frauen und Nachwuchs stark
Bei den Frauen könnte es gar einen reinen Freiämter Final geben. Die SG Freiamt II spielt den ersten Halbfinal (14 Uhr) gegen Würenlingen. Die SG Freiamt I (18 Uhr) gegen Brugg. Der Final ist am Sonntag um 13 Uhr.
Bei den U17-Junioren (Sonntag, 15 Uhr) spielt Ehrendingen gegen Handball Wohlen. Bei den U15-Junioren gibt es am Samstag (10 Uhr) einen Freiämter Final: Handball Wohlen spielt gegen den TV Muri. Bei den Juniorinnen der Kategorie U14 spielt am Sonntag (9 Uhr) Ehrendingen gegen die SG Freiamt.
Das Freiamt könnte also in fast jeder Kategorie den Cuptitel holen. Das ist eine bemerkenswert tolle Entwicklung und ein Kompliment an den Handball der Region. --red

