«Wers verpasst, ist selber schuld»
28.04.2026 Bremgarten, Kultur, Kommende Events, TheaterSzenische Stadtführung am Mittwoch, 20. Mai, mit dem Thema «Aussenseiter»
Alle zwei Jahre lädt die Bremgarter Stadtführergruppe zu einem Strassentheater in die Gassen der Altstadt. Ein Spektakel, das mittlerweile gegen tausend Menschen anzieht ...
Szenische Stadtführung am Mittwoch, 20. Mai, mit dem Thema «Aussenseiter»
Alle zwei Jahre lädt die Bremgarter Stadtführergruppe zu einem Strassentheater in die Gassen der Altstadt. Ein Spektakel, das mittlerweile gegen tausend Menschen anzieht – zu Recht.
Marco Huwyler
«Ich bin schon ziemlich nervös», sagt Hans Peter Flückiger. Mit seinen 76 Jahren hat er zwar schon einiges erlebt. Doch eine szenische Stadtführung, das ist auch für ihn jeweils noch etwas ganz Spezielles.
Zumal es Flückiger heuer besonders gut machen will. Schliesslich ist es das erste Mal, dass der Anlass unter ihm als Präsident der Stadtführergruppe stattfindet. Und: Flückiger spielt diesmal eine wichtige Rolle. Als Bremgarter Schultheiss (eine frühere Version des Stadtoberhaupts) und Spitalmeister in Personalunion. «Wobei die Rolle nicht unbedingt rühmlich ist», lächelt Flückiger. Denn als Spitalmeister-Schultheiss verbannt er unzimperlich ein paar arme Teufel aus dem Städtli.
Nicht ohne Brisanz
Eine Szene, wie sie halt früher Usus war in Bremgarten. Wer einmal ins «Siechenhaus» verbannt worden war, hatte inmitten der Gesellschaft nichts mehr zu suchen. Solche Kranke, Gebrechliche und Alte gehören historisch gesehen zur Sparte jener Menschen, denen sich die Stadtführergruppe in diesem Jahr schwerpunktmässig widmet: der Gruppe der «Aussenseiter».
Ihr Schicksal in Bremgarten vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart ist Thema der szenischen Stadtführung 2026. «Dass man Menschen aus irgendwelchen Gründen ausgrenzte und ablehnte, hat es in der Menschheitsgeschichte immer gegeben», weiss Flückiger als ehemaliger Geschichtslehrer bestens. Ein Thema, das deshalb auch stets hochaktuell sei. «Es weist denn auch heute eine gewisse Brisanz auf», findet Flückiger, der dabei unter anderem ans Politgeschehen denkt. Etwa im Hinblick auf die Abstimmung der «10-Millionen-Schweiz».
Mit Neugier kommen
Wer im Laufe der Jahrhunderte aus welchen Gründen im Städtli alles auf Ablehnung stiess, sei an dieser Stelle aber noch nicht gänzlich verraten. «Das Publikum soll neugierig an unser Strassentheater kommen», begründet Flückiger. Das Thema könne schliesslich ganz vieles beinhalten.
Vier städtische Schauplätze
Vier unterschiedliche Gruppen von Bremgarter «Aussenseitern» in verschiedenen Epochen thematisieren die Stadtführer schwerpunktmässig. An vier verschiedenen Standorten, zwischen denen die Besuchenden in vier Gruppen zirkulieren. Beim Spittelturm, auf dem Rathausplatz, beim Zeughausbrunnen und in der Schenkgasse wird heuer gespielt. «Wobei es sich dabei um historisch begründete Schauplätze handelt. Man kann davon ausgehen, dass die Protagonisten ebendort auch aktiv waren und dass sich die Szenen ähnlich dereinst abgespielt haben könnten», verrät Flückiger.
Die Beliebtheit wächst
Insgesamt 12 Stadtführer werden am Anlass beteiligt sein. Darunter der Stadtammann Stephan Troxler, der die Besucherinnen und Besucher um 19.30 Uhr auf dem Pétanqueplatz beim Stadtschulhaus willkommen heisst. Wobei an der szenischen Stadtführung nicht nur Stadtführer mitwirken. «Rollen übernehmen auch ganz andere Bremgarterinnen und Bremgarter», sagt Flückiger. Wobei die Besetzung einmal mehr kein Problem gewesen sei. «Wir mussten sogar Interessenten absagen», lächelt der Stadtführerpräsident. «Es ist schön, dass man bei uns so gerne an Lokalgeschichte mitwirken möchte und dass die szenische Stadtführung mittlerweile so beliebt ist», findet er. Sie zog in den letzten Jahren auch immer mehr Zuschauer in die Gassen.
Einmalig in vielerlei Hinsicht
2024, bei der letzten Ausgabe, wurde die Vorstellung von gegen tausend Besucherinnen und Besuchern verfolgt. Ähnlich viele werden auch heuer erwartet. «Diesem Aufmarsch wollen wir natürlich auch gerecht werden», bekräftigt Flückiger, der seit Monaten mit den Vorbereitungen beschäftigt ist. Zwei Proben hat er mit seiner Gruppe mittlerweile absolviert. Heute Dienstag folgt die dritte. «Ob wir vor der Hauptprobe noch eine vierte benötigen, entscheiden wir je nachdem, wie es läuft», schmunzelt Flückiger. Selber fühle er sich als «Schultheiss» mittlerweile bereit. «Heute habe ich erstmals wirklich den ganzen Text ohne Fehler wiedergeben können», lacht der 76-Jährige.
Dennoch will in den nächsten gut drei Wochen fleissig weitergeübt werden. Denn am 20. Mai muss der Auftritt von sämtlichen Mitwirkenden ohne Wenn und Aber sitzen. «Das ist mit das Besondere an der szenischen Stadtführung. Sie ist einmalig und nicht wiederholbar.»
Lachen und Nachdenken gleichermassen
Ein grosser Auftritt vor grossem Publikum und mit einzigartiger Kulisse an tatsächlichen historischen Schauplätzen der Bremgarter Altstadt, die Zerstreuung und lehrreiche Informationen gleichzeitig liefert. Ein Spektakel unter freiem Himmel, das zum Schmunzeln und Nachdenken gleichermassen anregt. Hans Peter Flückiger lächelt und meint verschmitzt: «Ich pflege jeweils zu sagen – wers verpasst, ist selber schuld.»
Szenische Stadtführung am Mittwoch, 20. Mai, 19.30 bis 21 Uhr. Versammlung beim Stadtschulhausplatz. Danach Aufteilung in vier Gruppen. Die Veranstaltung ist gratis und findet bei jeder Witterung statt. Im Anschluss wird ein Apéro auf dem Schellenhausplatz offeriert.


