Wie eine zweite Familie
14.04.2026 Kelleramt, MusikIm Musikverein Lunkhofen werden gleich zwei Musikanten CISM-Veteranen
Seit 60 Jahren sind sie offiziell dabei: Hanspeter Hagenbuch und Sepp Eichholzer. «Der Musik und des Miteinanders wegen», sagen die beiden. Einst waren sie die jüngsten im Verein, jetzt ...
Im Musikverein Lunkhofen werden gleich zwei Musikanten CISM-Veteranen
Seit 60 Jahren sind sie offiziell dabei: Hanspeter Hagenbuch und Sepp Eichholzer. «Der Musik und des Miteinanders wegen», sagen die beiden. Einst waren sie die jüngsten im Verein, jetzt zählen sie zu den ältesten. «Bei uns begegnen sich Generationen. Das ist sehr wertvoll», betonen sie.
Annemarie Keusch
Sie kennen sich nicht seit dem Kindergarten. «Weil es damals noch keinen Kindergarten gab», sagt Sepp Eichholzer und lacht. Er und Hanspeter Hagenbuch begleiten einander aber schon fast ihr ganzes Leben lang. Beide sind in Oberlunkhofen aufgewachsen, besuchten dieselbe Klasse und gehören seit 60 Jahren dem gleichen Verein an: dem Musikverein Lunkhofen. «Wir halten von Anfang an zusammen», meint Sepp Eichholzer. 15-jährig waren sie damals, als sie in den Verein eintraten. Hanspeter Hagenbuch spielte gar schon vorher mit. «Wegen der älteren Geschwister und wegen unserer Väter», erzählt Hagenbuch. Ihre Väter waren beide dabei, als 1932 der Musikverein gegründet wurden. «Natürlich prägte uns ihre Begeisterung für die Musik.»
Und die Alternativen, um als junge Menschen etwas zu erleben und sich zu engagieren, waren noch nicht so gross, wie sie heute sind. «Ich wäre gerne in den Turnverein gegangen, aber dafür hätte ich ins Nachbardorf gehen müssen», sagt Hanspeter Hagenbuch. Da war die «Musig» bequemer. «Bereut habe ich das nie.» Wenn es ihnen nicht gefallen hätte, wären sie wohl nicht beide seit sechs Jahrzehnten dabei.
Lob für Präsidentin und Dirigentin
Sepp Eichholzer an der Trompete und Hanspeter Hagenbuch am Eufonium. Sie sind Koryphäen des Vereins. Bewiesen immer wieder Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Beide spielten auch andere Instrumente. «Wenn Not am Mann war, wechselten wir eben», sagt Hanspeter Hagenbuch. Überhaupt, Veränderungen verschlossen sie sich nie. Zwar nennen beide Polkas, Märsche und Walzer als ihre Lieblingsgenres. «Wir sind halt noch von der alten Garde.» Aber auch modernere Musik spielen sie gerne. «Wir sind anpassungsfähig.» Solche Veränderungen brauche es auch. «Sonst kommen die Jungen nicht in den Verein», sagt Sepp Eichholzer. Junge musizieren bei ihnen viele mit. Rund 40 Musikantinnen und Musikanten zähle der Musikverein. «Alles passt. Aushilfen braucht es selten», weiss Hanspeter Hagenbuch. Beide loben die Präsidentin und die Dirigentin in den höchsten Tönen. «Sie machen enorm viel für uns.»
Vor 60 Jahren war die Situation eine andere. «Eine Krise herrschte damals», sagt Hanspeter Hagenbuch. Es mangelte an Jungen. Doch der Aufschwung folgte schnell, auch weil es die Zeit war, in der erstmals Frauen im Verein aufgenommen wurde. «Höchste Zeit» sei es gewesen. Auch ein neuer, junger Dirigent sorgte damals für neuen Wind. Zu den Jungen gehörten anfangs auch sie. Mittlerweile sind sie bei den ältesten. «Wir haben so manches erlebt», sagt Hanspeter Hagenbuch. Was über all die Jahre aber geblieben ist, ist das Miteinander. «Sonst wären wir nicht so lange geblieben. Die Kameradschaft macht unseren Verein aus», ergänzt Sepp Eichholzer.
Verschiedene Ämter bekleidet
Und natürlich die Musik. Noch immer üben die beiden regelmässig. «Die moderne Musik ist nicht einfacher», sagt Hanspeter Hagenbuch und lacht. Das Üben wirkt aber auch der Nervosität entgegen, die trotz sechs Jahrzehnten an Erfahrung nie ganz weggeht. «Eine gewisse Anspannung gehört dazu», ist Sepp Eichholzer überzeugt. Auch wenn sie das Spielen von Soli mittlerweile anderen überlassen.
Drei Uniformen haben Hagenbuch und Eichholzer in den 60 Jahren erlebt – eine grüne, eine rote und aktuell eine blaue. Verschiedene Präsidenten prägten den Verein und auch die beiden Urgesteine engagierten sich. Sepp Eichholzer war Materialverwalter, in der Musikkommission und Rechnungsprüfer, Hanspeter Hagenbuch war Präsident der Musikkommission, Vizepräsident des Vereins und Materialverwalter.
Einst im «Hecht» in Rottenschwil
In die wöchentliche Probe gehen die beiden immer noch gerne. «Nachher bin ich ein anderer Mensch», sagt Hanspeter Hagenbuch. Auch die Konzerte mögen sie noch immer. Die traditionellen Jahres- und Platzkonzerte, das Muttertagskonzert. «Beim Jahreskonzert gehört Strauss’ Radetzky-Marsch seit jeher dazu», erzählt Sepp Eichholzer. Auch wenn dieses seit wenigen Jahren nicht mehr am 1. Januar und am darauffolgenden Wochenende stattfindet, sondern vor Weihnachten. «Das war eine gute Entscheidung. So können wir die Festtage noch mehr geniessen.» Apropos Veränderungen: Eichholzer und Hagenbuch haben es erlebt, dass die Jahreskonzerte im «Hecht» in Rottenschwil stattfanden. «Erst seit dem Hallenbau in Oberlunkhofen in den 1970er-Jahren finden diese hier statt.»
Jedes zweite Jahr gehört zudem eine zweitägige Reise zum Vereinsleben. Natürlich bleiben da Erinnerungen. Etwa an jene Reise im Tessin, als der Car direkt am See parkiert war. «Weil es derart regnete, stieg der Wasserpegel an und der Car stand im Wasser. Noten und Instrumente – alles erlitt grossen Schaden», erinnert sich Hanspeter Hagenbuch. Sepp Eichholzer erzählt von einer Reise ins Elsass, als sie spontan ein Platzkonzert gaben. «Dieses wurde dann vom Pfarrer jäh unterbrochen, der in der Kirche nebenan gerade eine Messe hielt.»
«Musik hält jung»
Zusammenhalt, Miteinander – das Vereinsleben ist den beiden Jubilaren wichtig. «Weil ein Verein auch soziale Verantwortung trägt», ist Hanspeter Hagenbuch überzeugt. Für die Jungen und die Älteren. «Musik hält jung», ist indes Sepp Eichholzer überzeugt. Trotzdem, es werde nicht einfacher. «Der Pfuus fehlt langsam mehr und mehr», sagt er. «Die Koordination vom Hirn zu den Fingern wird nicht einfacher», ergänzt Hagenbuch. Trotzdem machen sie weiter. «Vorläufig.»
60 Jahre aktiv zu musizieren. CISM-Veteran zu werden. «Diese Zahl bedeutet uns nicht viel», sind sich die beiden Jugendfreunde einig. «Aber wir sind dankbar. Das zu erleben, ist nicht selbstverständlich.» Und es geht nur mit Rückendeckung aus der Familie. Ihre Frauen halfen über Jahre im Hintergrund mit. Mittlerweile sind ihre Enkel in den Startlöchern.
Die nächsten Auftritte
Der Musikverein Lunkhofen spielt am 10. Mai ein Muttertagskonzert. Im Juni folgen die Platzkonzerte, am 12. Juni in Arni, am 16. Juni in Islisberg, am 16. Juni in Unterlunkhofen, am
23. Juni in Rottenschwil und am 26. Juni in Oberlunkhofen. Das Jahreskonzert findet am 11. und 12. Dezember statt. --ake

