«Wir sind mega glücklich da»
06.02.2026 Jonen, KelleramtJacky Brumann und Roger Kopf hören Ende Mai im «Taverne Chäller» in Jonen auf
In fünfeinhalb Jahren haben sie den Treffpunkt mit neuem Leben gefüllt, eine beliebte Küche eingeführt und neue gute Freunde gefunden. Mit einem ...
Jacky Brumann und Roger Kopf hören Ende Mai im «Taverne Chäller» in Jonen auf
In fünfeinhalb Jahren haben sie den Treffpunkt mit neuem Leben gefüllt, eine beliebte Küche eingeführt und neue gute Freunde gefunden. Mit einem lächelnden und einem weinenden Auge beenden sie Ende Mai ihr Gastgebertum in Jonen.
Verena Anna Wigger
Wirt, Koch und Carchauffeur Roger Kopf wird in diesem Jahr 70. Gesundheitliche Beschwerden haben bei ihm zur Überlegung geführt, was er mit seiner Zukunft machen will. Künftig möchte er mehr Zeit zusammen mit seiner Partnerin verbringen und reisen. «Jetzt müssen wir leben», sagt er. Für Partnerin und Gastgeberin Jacky Brumann wird der Abschied emotionaler. Sie habe ein lachendes und ein weinendes Auge, «doch es macht wehmütig», sagt die 61-Jährige. Sie vermisst ihre Gäste, das weiss sie heute schon. Auch sie ist Carchauffeurin, genau wie ihr Partner. Und beide lieben sie Menschen.
Ein Fahrgast hat sie vor ein paar Jahren darauf angesprochen, dass sie eine gute Gastgeberin sei. Als Kopf vor fünf Jahren sein damaliges Car-Unternehmen im Zürcher Oberland verkauft hat, war ihm klar, dass er «weiterarbeiten möchte». Per Zufall wurden sie auf die Taverne in Jonen aufmerksam. Zwei Tage in der Woche wirten sie und an einem Tag sind sie für die Hauswartung da.
Wenn Gäste Freunde werden
In dieser relativ kurzen Zeit haben sie treue Stammgäste gefunden. Einer der Gründe dafür, sagen anwesende Gäste selbst, sei, dass die Gaststube während des ganzen Tages offen hat. Ein weiterer Grund zeigt sich, als mitten im Gespräch neue Gäste die Taverne betreten. Brumann begrüsst sie herzlich und nach der Frage «Wie immer?» begeben sich die beiden in den Wintergarten. «Wir wissen, was unsere Gäste trinken, wir kennen auch jeden Gast», sagt Kopf. Brumann, die früher in der familieneigenen Bäckerei tätig war, professionell Musik gemacht hat, weiss, die Leute schätzen es, wenn man freundlich ist. «Und sie schätzen uns. Sonst kommen sie nicht mehr», so ihr sachlich klares Fazit. Brumann und Kopf sind sich einig, «wir sind unseren Gästen dankbar und freuen uns auf sie». Für sie ist es selbstverständlich, dass wenn ein Gast allein vorbeikommt, sie sich dazusetzen, ausser der Gast möchte allein sein. Diese Art von Gastfreundschaft führt dazu, dass die Menschen ihnen ihr Herz ausschütten.
Treffpunkt der Gemeinde
Die Taverne ist auch Treffpunkt der Gläubigen aus der benachbarten Kirche, der Roratefeier oder vom Suppentag und der Dorfvereine. Darüber hinaus haben sich in der kurzen Zeit richtige Freundschaften gebildet, erzählen die Gastgeber. Ihre Gäste feiern Jubiläen und Feste in der Taverne. «Gern richten wir für sie diese Feiern aus und öffnen dann speziell für sie», sagt die Wirtin. Denn die vielen treuen Gäste schätzen die feinen und abwechslungsreichen Gerichte, welche in der Taverne serviert werden.
Hier kocht der Chef
Dabei kocht Hobbykoch und Küchenchef Kopf in einer Mini-Küche, die kleiner ist als in mancher Mietwohnung. «Was er hier kocht, ist eine Kunst», sagt Brumann. Daher freuen sie sich, dass sie über Mittag bis über zwanzig Menüs servieren. Auch die Senioren aus dem Dorf kommen zum Mittagstreff in die Taverne. Das 35 Plätze umfassende Restaurant mit einem fast so grossen Garten serviert an normalen Tagen rund 15 Mittagessen auf Vorbestellung.
Nachfolge gesucht
Dass die Taverne nun nur noch drei Parkplätze hat und ein Parkieren auf den Parkplätzen der Nachbarschaft zu immens hohen Parkbussen führt, mache den Treffpunkt nicht attraktiver. Dies hat den beiden quasi den Ausschlag für den Entscheid gegeben. Obwohl die beiden mit Überzeugung sagen: «Wir sind sehr glücklich hier.» Und man spürt es in jeder Begegnung. Die beiden Gastgeber hoffen, dass bald eine gute Nachfolge gefunden wird. Auch zahlreiches Inventar könnte so einfach weitergegeben werden. Denn sie wünschen sich nichts mehr, als dass ihre Stammgäste wieder einen Treffpunkt erhalten.
Künftig wollen sie mehr Zeit für sich nehmen. «Wenn wir hier sind, arbeiten wir», sagt sie, ansonsten seien sie unterwegs. Denn beide fahren für das Carunternehmen von Bruder Werner mit anderen Gästen durch die Lande.

