Wissen, wohin in der Not

Fr, 16. Okt. 2020
Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (rechts) und der Dietwiler Gemeindeammann und Chef des Regionalen Führungsorgans Freiamt Pius Wiss enthüllen die Hinweistafel für den Dietwiler Notfalltreffpunkt. Bilder: Annemarie Keusch

Notfalltreffpunkte in Dietwil offiziell eingeweiht

Der Aargau ist der dritte Kanton, der lächendeckend Notfalltreffpunkte einführt. Laut dem Wohler Regierungsrat Jean-Pierre Gallati wird damit eine Lücke geschlossen.

Dreh- und Angelpunkt sollen sie sein, die Notfalltreffpunkte. In jeder Aargauer Gemeinde gibt es sie seit gestern, in grösseren Gemeinden sogar mehrere. Hierhin soll sich die Bevölkerung wenden, wenn fast nichts mehr funktioniert. Auf Katastrophensituationen, wie ein Erdbeben, einen Kernkraftwerkunfall oder einen längeren Stromunterbruch, sind die Notfalltreffpunkte ausgelegt. Dort soll die Bevölkerung Informationen und Hilfe bekommen.

299 solcher Notfalltreffpunkte gibt es im Kanton Aargau. Der offizielle Startschuss fiel gestern Nachmittag in der südlichsten Gemeinde des Kantons, in Dietwil. --ake


Ab sofort einsatzbereit

Im ganzen Kanton wurden gestern die Notfalltreffpunkte eingeweiht – der offizielle Anlass fand in Dietwil statt

Hoffentlich nie. Vielleicht in hundert Jahren einmal. Vielleicht schon nächstes Jahr. Notsituationen, infolge längeren Stromausfalls oder einer starken Überschwemmung, treten oft ohne Vorwarnung ein. Um eine Lücke in der Kommunikation während solcher Ereignisse zu schliessen, gibt es im Kanton Aargau neu Notfalltreffpunkte.

Annemarie Keusch

299 Notfalltreffpunkte sind es im Kanton Aargau. Die grösseren Gemeinden verfügen über mehrere. In kleineren Gemeinden, wie in Dietwil, reicht eine. Dass die offizielle Inbetriebnahme der Notfalltreffpunkte in der südlichsten Gemeinde des Kantons stattfand, freut Ammann Pius Wiss, der gleichzeitig Chef des Regionalen Führungsorgans (RFO) Freiamt ist. «Es zeigt, dass dieses Projekt bis in alle Ecken des Kantons umgesetzt wurde», sagt er. Wiss sieht darin einen grossen Vorteil für die Sicherheit der Bevölkerung.

Notfalltreffpunkte sollen künftig der Ort sein, wo die Bevölkerung in Notsitutationen hingehen kann. Dann, wenn vor allem die Kommunikation lahmgelegt ist, wenn kein Radio und kein Internet mehr funktioniert. «Damit schliessen wir eine Lücke im System», betont Regierungsrat Jean-Pierre Gallati bei der Einweihung. Denn Führung ohne Kommunikation funktioniere nicht. Gerade beim Thema Bevölkerungsschutz seien verschiedene Parteien involviert, von der Feuerwehr über die Zivilschutzorganisationen und RFO bis zu den Gemeinden und dem Kanton. «Die Kommunikation unter diesen Organisationen ist wichtig. Aber vor allem der Draht zur Bevölkerung muss immer gewährleistet sein.»

Alles was funktioniert, kann zusammenbrechen

Vor vier Jahren begannen die Arbeiten für die Realisierung von Notfalltreffpunkten. «Damals ging man von Ereignissen wie einem Kernkraftwerkunfall oder einem lang anhaltenden Stromausfall aus», erinnert sich Dieter Wicki, Leiter Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz des Kantons Aargau. Mittlerweile kamen weitere Szenarien dazu, Erdbeben beispielsweise. Und auch wenn solche Notsituationen in den letzten Jahren ausblieben, mahnt Regierungsrat Gallati: «Nicht allzu weit weg von der Schweiz gibt es teils tagelange Stromunterbrüche.»

Alles, was normalerweise funktioniere, könne in Katastrophensituationen zusammenbrechen. Umso wichtiger seien lokale Partner. Dieter Wicki beschreibt die Realisierung der Notfalltreffpunkte auch darum als Verbundsleistung. «Ich bin froh, dass wir diesen Meilenstein jetzt erreicht haben.» Der Weg sei nicht immer einfach gewesen. «Es ging nicht nur darum, in jeder Gemeinde eine Tafel zu installieren, sondern im Hintergrund echten Bevölkerungsschutz auf die Beine zu stellen. Regierungsrat Gallati spricht von einem schönen Beispiel einer Verbundsarbeit, die auch in der Krise funktionieren werde. So wie unser Gesundheitssystem im Aargau auch in der gegenwärtigen Coronakrise besteht.»

Hilfe in Katastrophensituation

Am Notfalltreffpunkt bekommen die Menschen in erster Linie Informationen, etwa, wo sie übernachten können, wo sie Schutz finden. Aber auch Mahlzeiten werden in Notsituationen hier verteilt. Einfach zusammengefasst: Hier finden Menschen Hilfe in Katastrophensituationen. Jean-Pierre Gallati sagt dazu: «Der Mensch ist ein fragiles Wesen, obwohl das vielen erst im Alter bewusst wird. Wenn wir auf uns alleine gestellt sind, ohne Kommunikation, wird es schwierig.»

Dass die Eröffnung der 299 Notfalltreffpunkte nicht zufällig in Dietwil stattfand, erläutert Gallati in seiner Ansprache. «Dietwil steht symbolisch für den Kanton Aaargau.» Dietwil liegt am Rande des Aargaus, in Sichtweite zu Zug und Luzern und auch der Aargau sei ein ausgeprägter Grenzkanton – nicht nur wegen der 70 Kilometer langen Grenze zu Deutschland, sondern auch wegen der vielen Nachbarkantone. «Und Dietwil liegt direkt an einem unserer grossen Flüsse, was sinnbildlich für den Aargau ist.»

Flugblatt in alle Haushalte

Die Notfalltreffpunkte sind also seit gestern Nachmittag lanciert und einsatzbereit. Nun gilt es laut Dieter Wicki, die Bevölkerung darüber zu informieren. Alle Haushalte werden per Flyer dahingehend instruiert, wo sich in ihrem Dorf der Notfalltreffpunkt befindet. «Und wir müssen sichergehen, dass die Notfalltreffpunkte funktionieren, auch in drei oder zehn Jahren.» Das findet auch Pius Wiss und trotzdem sagt er: «Ich hoffe, wir müssen sie nie in Betrieb nehmen.»

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