Wo wirklich jeder Rappen zählt
21.04.2026 Bremgarten, WohltätigkeitDas «Reusstal Zentrum» in Nigeria nimmt Form an – der neu gegründete Verein hält derweil in Bremgarten seine erste GV
Stein für Stein wächst im nigerianischen Dorf Akanu ein Gebäude – finanziert mit Geldern aus Bremgarten. ...
Das «Reusstal Zentrum» in Nigeria nimmt Form an – der neu gegründete Verein hält derweil in Bremgarten seine erste GV
Stein für Stein wächst im nigerianischen Dorf Akanu ein Gebäude – finanziert mit Geldern aus Bremgarten. Pater Uche Iheke ist zufrieden, wie es läuft. Doch bis zur Vollendung seiner Vision fehlt noch einiges.
Marco Huwyler
Zu Jahresbeginn war er wieder selbst dort. Der Bremgarter Pfarrer Uche Iheke. Im nigerianischen Dorf Akanu, wo er einst seine Kindheit verbracht hatte. «Es ist immer besser, wenn man ab und zu selbst vor Ort ist», lächelt er. Nicht, dass er den Menschen in Akanu nicht vertrauen würde – «aber es gibt einem einen ganz anderen Bezug zum Ganzen, wenn man das Projekt besucht. Zudem ist es auch für die Arbeiter ein Signal dafür, dass es uns persönlich wichtig ist, was sie hier tun.»
Erschüttert aktiv geworden
Und wichtig, das ist es für Pater Uche allemal. Sein «Reusstal Zentrum» im afrikanischen Heimatdorf. Einst hatte er es gemeinsam mit Weggefährtin Lisbet Lang als privates Hilfsprojekt initiiert. Weil er nach einer Rückkehr zu seinen Wurzeln erschüttert gewesen war, wie bettelarm und elend die Menschen dort leben und unter welchen Zuständen insbesondere die Kinder aufwachsen müssen – etwas, das seine eigene kindliche Erinnerung vergessen oder verdrängt hatte.
Mithilfe seines Ersparten und Spenden aus der ganzen Region Bremgarten, wo er heute lebt und wirkt, hatte Uche in der Folge gemeinsam mit seiner Bremgarter Gefährtin Lang vor gut drei Jahren als ersten Schritt eine Wasseraufbereitungsanlage für das Dorf initiiert, finanziert und aufgebaut. Diese wird seither rege genutzt und hat dafür gesorgt, dass Hunderte Menschen Zugang zu sauberem Wasser erhalten und weniger krank werden. Doch das Wasserprojekt war nur der erste Schritt.
Ein Gebäude für ganz vieles
Vor einem Jahr haben Uche und Lang ihr Projekt institutionalisiert. Gemeinsam mit Freunden und Mitstreitern haben sie einen Verein gegründet. Und parallel dazu das nächste Projekt des «Reusstal Zentrums» vorangetrieben – wie der Pfarrer sein Engagement in Nigeria aus Dankbarkeit gegenüber den Spendern aus seinem Schaffensort nennt.
In den nächsten Jahren will das Hilfsprojekt von Pater Uche in Akanu ein Mehrzweckgebäude erstellen, das von den Menschen vor Ort auf vielerlei Art genutzt werden kann. Primär vor allem als Schule. Aber auch als Versammlungsort. Für Veranstaltungen aller Art, die ein Gebäude benötigen.
Denn an Bauten, die wasserdicht und stabil sind, mangelt es ansonsten in Akanu. Ganz zu schweigen von einem grossen und mehrstöckigen Haus.
Mit Muskelkraft Bleibendes schaffen
Ein ebensolches ist nun in Entstehung. Gebaut von den Einheimischen selbst. Sogar das Baumaterial stellen sie grösstenteils selber her. Wie die Backsteine, welche gleich vor Ort gegossen werden. Konzipiert wurde das Gebäude von einem Freund Uches, dem Architekten Charles Nnanna – ein gebürtiger Nigerianer mit Büro in Hamburg. Zusammen mit dem Bremgarter Pfarrer hat er die jüngste intensive Bauphase vor Ort begleitet. Und was dabei schon entstanden ist, kann sich durchaus sehen lassen.
Das Kellergeschoss ist mittlerweile fertiggestellt und erweitert. Die Deckenplatte des Erdgeschosses ist betoniert. Runde und viereckige Tragsäulen wurden mit einfachsten Mitteln erstellt, aufgerichtet, armiert und ausgegossen. Fensterstürze wurden geschalt und betoniert. Die Aussenwände wurden inzwischen auf fünf Meter Höhe hochgezogen – bis zur Unterkante der Decke des ersten Obergeschosses. «Es gibt hier keinen Kran, keinen Zementmischer, kaum Schubkarren gar», erzählt Uche lächelnd. Alles werde von Hand ausgeführt – mit einfachsten Mitteln, Muskelkraft und dem unbedingten Willen, etwas Bleibendes zu schaffen.
Noch viel vor
Dabei wird das dafür nötige Geld aus Bremgarten direkt und ohne Umwege investiert. «Wir verbauen hier sofort jeden Betrag, den wir einnehmen», beteuert Uche. Entsprechend gilt für das «Reusstal Zentrum» tatsächlich, was als Slogan im Staatsfernsehen jährlich Spenden-Millionen generiert – jeder Rappen zählt in Akanu. Noch rund 20 000 Franken sind gemäss Uche nötig, um das Mehrzweckgebäude fertigzustellen, das dereinst vier Stöcke beinhalten soll. Wobei es bei dem einen Bauwerk nicht bleiben soll. Uche schwebt dereinst ein tatsächliches Dorfzentrum mit mehreren Gebäuden vor. Das Land dafür hat der Pfarrer bereits erworben und aus eigener Tasche finanziert.
Backoffice in Bremgarten
Doch das ist Zukunftsmusik. «Das Mehrzweckgebäude fertigzustellen, ist erst mal herausfordernd genug», sagt Uche. Während als Gerüstmaterial Bambus zum Einsatz kommt, sind für die Obergeschosse auch tonnenweise Armierungseisen und Zement nötig – genauso wie Kabelrohre für die Elektroinstallation sowie Wasser-, Abwasserrohre und Sanitärmaterial. Wie weit und wie schnell der Bau voranschreitet, hängt direkt vom Spendeneingang ab. Das Ganze wird von der Schweiz aus orchestriert. In Bremgarten und Hermetschwil hat der Verein mittlerweile ein funktionierendes Backoffice aufgebaut. Und wer sich von alledem und dem Fortschritt in Nigeria aus erster Hand ein Bild machen will, ist herzlich dazu eingeladen.
Diesen Freitag findet in Bremgarten die erste ordentliche Generalversammlung des Vereins «Reusstal Zentrum Akanu Schweiz» statt. Offen nicht nur für Mitglieder, sondern für jeden, der sich dafür interessiert. Im Anschluss gibt es einen Apéro.
Öffentliche GV des Vereins «Reusstal Zentrum Akanu Schweiz» am Freitag, 24. April, ab 20 Uhr in der Synesiusstube Bremgarten. Wer sich für das Projekt oder eine Vereinsmitgliedschaft interessiert, kann sich auch an info@reusstal-akanu.ch wenden. Bankverbindung für Spenden: UBS CH95 0025 8258 1283 9101 M.


