Zuschlag für die Nummer 1
21.04.2026 Region UnterfreiamtÖffentliche Versteigerung einer Stockwerkeinheit in Dottikon – Sie gehörte dem verurteilten «Autokönig» Riccardo Santoro
Der Dottiker Riccardo Santoro und sein Unternehmen SAR Premium Cars sorgten für einen der grössten Fälle ...
Öffentliche Versteigerung einer Stockwerkeinheit in Dottikon – Sie gehörte dem verurteilten «Autokönig» Riccardo Santoro
Der Dottiker Riccardo Santoro und sein Unternehmen SAR Premium Cars sorgten für einen der grössten Fälle von Wirtschaftskriminalität im Kanton. Nun wurde eine seiner Wohnungen versteigert, weit unter dem geschätzten Wert. Die Anzahlung von 76 000 Franken erfolgte zudem in bar.
Stefan Sprenger
17 Leute – plus drei Personen vom regionalen Betreibungsamt Wohlen – sind am vergangenen Freitagmorgen um Punkt 10 Uhr im Steigerungslokal am Bankweg in Wohlen dabei. Fünf Parteien bieten mit, einige bleiben stumm. Das erste Gebot kommt von der UBS AG über 420 000 Franken. Damit wäre die Schuld dieses Gläubigers mindestens getilgt gewesen. Doch vier weitere Parteien setzten an und überboten sich im Sekundentakt.
Erstes Gebot: 420 000 Franken
Die Stockwerkeinheit (die aktuell durch Mieter bewohnt ist) befindet sich an der Bahnhofstrasse 62 in Dottikon. Eine 5½-Zimmer-Wohnung, die – rechtskräftig und betreibungsamtlich – auf 1 017 000 Franken geschätzt wurde. Sie gehörte Riccardo Santoro, dessen Firma – die SAR Premium Cars AG – vor über 10 Jahren Konkurs ging und für einen viel beachteten Fall von Wirtschaftskriminalität sorgte, der die ganze Schweiz bewegte. Santoro (er verstarb 2024) wurde verurteilt. Es gab zahlreiche Schadenersatzforderungen von Privatpersonen und Unternehmen. «In der Betreibung auf Pfandverwertung gelang die Liegenschaft öffentlich zur Versteigerung», wie es in der Veröffentlichung des Betreibungsamtes hiess.
Nicole Brunner, Leiterin des regionalen Betreibungsamtes Wohlen, führte kompetent durch den Steigerungsakt. Mittels Nummernkarte wurde jeweils «deutlich und klar» das Gebot abgegeben. Das schriftliche Startgebot der UBS AG: 420 000 Franken.
Bieter sind am Handy
Dann ging es in 5000er-Schritten nach oben. Zwischendurch wurde auch um 10 000 Franken erhöht. Ein Paar steigt bei knapp 500 000 Franken aus. Zwei Herren, die beide ihr Smartphone in der Hand halten (einer tippt, einer liest), überbieten sich munter weiter. Beide wirken gelassen und cool, angesichts der hohen Geldbeträge. Bei 580 000 Franken bietet noch ein weiterer Mann mit. Doch der Bieter mit der Nummer 1 bleibt gelassen, seine Schmerzgrenze scheint noch nicht erreicht zu sein. Er wartet jeweils lange, bis er sein nächstes Gebot abgibt. Einmal gar so lange, bis es heisst: «Zum Ersten, zum Zweiten.» Doch dann erhöht er erneut um 5000 Franken. Bis die Versteigerung bei 605 000 Franken endet. Die Nummer 1 hat die Wohnung erstanden. Die Anzahlung – die vollumfänglich an den Kaufpreis angerechnet wird – betrug 76 000 Franken.
76 000 Franken in bar
Während alle sich im Raum befindenden Personen kurz warten mussten, begab sich der Mann mit seinem Begleiter nach vorne, öffnete seine Tasche (mit Zahlencode) und legte die 76 000 Franken in bar (alles 1000er-Scheine) auf den Tisch. Früher gab es solche Bar-Anzahlungen oft, heute sind sie seltener geworden. Bis 100 000 Franken sind solche Bar-Anzahlungen aber möglich. Nach der Zählung sagen die Verantwortlichen vom Betreibungsamt: «Die Anzahlung ist korrekt, der Zuschlag definitiv.»
Er wollte sich nicht äussern
Der am höchsten bietende Mann mit der Nummer 1, der diese Wohnung weit unter dem geschätzten Wert ersteigerte, wollte sich nicht dazu äussern, wer er ist oder was er mit der Wohnung vorhat. Dies ist auch sein gutes Recht, genauso wie die Anzahlung in bar. So endet die relativ unspektakuläre Versteigerung einer Wohnung, die einst einem Mann gehörte, der für grosses Aufsehen sorgte.

