«Jetzt oder nie»
08.07.2025 Bremgarten, WahlenStadtrat-Gesamterneuerungswahlen: Sandro Schmid (GLP) gibt seine Kandidatur bekannt
Der Co-Präsident der Bremgarter Grünliberalen wagt einen dritten Anlauf. Mit Überzeugung, Leidenschaft und klaren Ideen möchte er am 28. September in die Regierung ...
Stadtrat-Gesamterneuerungswahlen: Sandro Schmid (GLP) gibt seine Kandidatur bekannt
Der Co-Präsident der Bremgarter Grünliberalen wagt einen dritten Anlauf. Mit Überzeugung, Leidenschaft und klaren Ideen möchte er am 28. September in die Regierung einziehen.
Marco Huwyler
Ende September 2021 war Sandro Schmid im Tal der Tränen. Nur gerade 176 Stimmen fehlten ihm, der als Alternative zu den Bisherigen angetreten war, zur Überraschung und zum Einzug in den Bremgarter Stadtrat. Das absolute Mehr hatte Schmid erreicht, er schied aber als Überzähliger aus. «Es tat verdammt weh», sagt er noch heute. «Aber es zeigte mir auch, dass meine Ideen durchaus gefragt sind und dass man mein Engagement schätzt.»
Verantwortung statt Opposition
Nun, eine Legislatur später, sitzt Schmid wieder hier und gibt seine erneute Kandidatur bekannt. Nach vier Jahren hartnäckiger Oppositionspolitik, während deren er sich immer wieder als Kritiker hervortat, den Stadtrat hinterfragte und bei zahlreichen Gelegenheiten seine eigenen Ideen zur Zukunftsgestaltung Bremgartens einbrachte. «Ich habe jetzt lange genug den unangenehmen Stänkeri gegeben», lächelt er. «Ich möchte jetzt Verantwortung übernehmen und zeigen, dass ich zum Wohle meiner Heimatstadt gestalten kann.» Insbesondere die Altstadt ist Schmid, der lange dort lebte, bevor es ihn unlängst in die Unterstadt zog, seit vielen Jahren ein besonderes Anliegen. «Ich habe als Heranwachsender die Zeiten erlebt, als Bremgarten noch viel mehr blühte und pulsierte. Und ich möchte mich dafür einsetzen, dass das wieder so wird.» Auch als Oppositionspolitiker hat Schmid das stets versucht. So ist etwa die jüngst aufgegleiste Überarbeitung des Gassenreglements, welche die Fesseln für das Wirten in der Altstadt lockern soll, auf seine hartnäckige Initiative zurückzuführen. Schmid hätte viele weitere Ideen, die er in die Regierung einbringen würde, wie er sagt. «Wir leisten uns einen engagierten Citymanager – das ist ja schön und gut. Aber dieser braucht auch klare Vorgaben und ausreichende Mittel, um konkrete Massnahmen anzugehen. Genauso wie definierte Ziele, an denen man ihn messen kann», sagt Schmid etwa.
Hinschauen – auch bei gebundenen Ausgaben
Neben einer lebendigen Altstadt ist auch der schiefe Finanzhaushalt ein Thema, dem sich Schmid gerne als Stadtrat widmen würde. «Auch hier müssen wir konkreter werden. Anstehende Investitionen auflisten, priorisieren und dann auch wirklich danach vorgehen.» Schmid schwebt ein «sauberer Investitionsplan mit verbindlichen Daten und Zielen» vor, mit dem man die finanzielle Belastung im Städtli steuert. «Darüber hinaus müssen die steigenden Ausgaben gründlich überprüft werden – insbesondere auch die gebundenen», sagt er. Das könne und müsse auch mal unangenehm sein. «Etwa bei den Personalausgaben oder bei der Badeanlage.» Fordern will er bestimmte Einsparungen nicht. «Aber wir müssen hinschauen und darüber diskutieren.»
Beruflich reduzieren
Würde Schmid gewählt, wäre sein Einzug auch eine Premiere. Noch nie sass ein Grünliberaler in der Bremgarter Regierung. Der 38-Jährige ist indes überzeugt, dass die Partei und seine Person gut in den Zeitgeist des heutigen Bremgarten und das künftige Gremium passen würden. «Ich habe zu den Bisherigen ein gutes Verhältnis», sagt er. «Man weiss mittlerweile, dass ich eine klare Meinung habe, aber auch konsensfähig bin. Ich bin nicht stur und lasse mich auch mal überzeugen, wenn gute Argumente vorgebracht werden.» Schmid hat sich seine Kandidatur gut überlegt. «Es war kein Selbstläufer. Gerade, da ich beruflich auch gefordert bin.» Der Grünliberale arbeitet nach Engagements als Berufsmilitär und bei der Stadt Frauenfeld seit diesem Jahr als «Leiter Operations» bei einem bekannten privaten Sicherheitsunternehmen. «Ich habe die Kandidatur mit meinem Arbeitgeber abgesprochen. Im Falle einer Wahl würde ich das Pensum reduzieren.»
Druck für sich selbst
Als «intakt» beurteilt Schmid seine Wahlchancen. «Gegen die drei Bisherigen wird es sehr schwer, zumal sie geeint auftreten und den Bisherigen-Bonus haben», sagt der GLP-Kandidat. «Doch bei den frei werdenden Sitzen muss ich mich gegenüber den Mitbewerbern nicht verstecken.» Überhaupt will er nicht zu sehr auf die Nebenbuhler schauen und wer sich noch zu ihnen gesellen könnte. «Ich trete unabhängig davon an. Mir war es von Anfang an egal, wer sonst noch Ambitionen hegt.» Nach den Ersatz- und Gesamterneuerungswahlen von 2021 ist es Schmids dritte Kandidatur für den Stadtrat. Er glaubt, dass seine Chancen diesmal so gut sind wie noch nie. «Ich mache mir deswegen auch durchaus Druck», sagt er.
Zumal es «one last time» sei, dass er seinen politischen Traum zu verwirklichen versuche. «Jetzt oder nie», kündigt Schmid an. Auf einen vierten Anlauf würde er wohl verzichten. «Ich ziehe mich unabhängig vom Wahlausgang in absehbarer Zeit auch vom GLP-Präsidium zurück. In Zukunft soll sich ein anderer für uns exponieren und dem Stadtrat auf die Finger schauen.» Idealerweise bald auch einem Stadtrat Sandro Schmid. «Dem würde ich mich noch so gerne stellen», lacht der 38-Jährige. Klar scheint, – ob aus Freude oder Trauer – am 28. September dürfte bei ihm wiederum kaum ein Auge trocken bleiben. Denn bedeuten würde Schmid das Stadtratsamt so viel wie wohl nur wenigen sonst in Bremgarten.
Die Ausgangslage
Zu den Gesamterneuerungswahlen des Bremgarter Stadtrats am 28. September treten die langjährigen Mitglieder Raymond Tellenbach (FDP, Stadtammann) und Doris Stöckli (parteilos, Vizeammann) nicht mehr an. Damit entstehen zwei Vakanzen. Vom derzeitigen Gremium kandidieren Stephan Troxler (parteilos), Claudia Bamert (Läbigs Bremgarte) und Daniel Sommerhalder (SP) erneut.
Sandro Schmid (GLP) ist der dritte Neue, der seine Kandidatur bekannt gibt. Claudio Müller (SVP) und Peter Werder (FDP) stehen als Kandidaten schon länger fest. Für das frei werdende Amt als Stadtammann kandidiert bislang einzig Stephan Troxler (siehe «BBA» vom Freitag). Daniel Sommerhalder und Peter Werder möchten Vizeammann werden. --huy