All seine Ziele erreicht
24.04.2026 Muri, SpitexAbschied von seinem «Baby»
Salvatore Doki verlässt Spitex Muri Ende Monat
Es sind knapp neun Jahre. Eine Zeit, in der Salvatore Doki die Spitex Muri und Umgebung geprägt hat. Geriet der Betrieb vor seiner Anstellung eher ins Stocken, ...
Abschied von seinem «Baby»
Salvatore Doki verlässt Spitex Muri Ende Monat
Es sind knapp neun Jahre. Eine Zeit, in der Salvatore Doki die Spitex Muri und Umgebung geprägt hat. Geriet der Betrieb vor seiner Anstellung eher ins Stocken, steht er jetzt auf stabilen Beinen und ist erfolgreich. Als Held darstellen will sich Doki nicht. Stattdessen sagt er: «Damit es so gekommen ist, haben ganz viele Leute ihr Bestes gegeben.» Allen voran die Mitarbeiterinnen. «Ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, ist darum gleich in mehrerlei Hinsicht wichtig», ist er überzeugt.
Ende Monat nun ist Schluss, Salvatore Doki nimmt Abschied von Muri, von «seiner» Spitex, von «seinem Baby». Er blickt auf die intensiven knapp neun Jahre zurück. --ake
Salvatore Doki prägte die Spitex Muri und Umgebung – Ende Monat nimmt er Abschied
Über acht Jahre lang formte Salvatore Doki als Geschäftsführer die Spitex Muri und Umgebung. Nun steht sein Weggang kurz bevor. Doki blickt auf schöne, aber auch auf schwierige Zeiten zurück. Und er sagt: «Der Abschied fällt mir nicht leicht. Die Spitex Muri und Umgebung ist fast wie mein Baby.»
Annemarie Keusch
Zahlen lügen nie. Das weiss auch Salvatore Doki. Mehr Ertrag, weniger Gemeindebeiträge. Mehr verrechenbare Stunden, mehr Klientinnen und Klienten. Vergleicht man die aktuellen Zahlen der Spitex Muri und Umgebung mit jenen von 2017, steht die Organisation in jedem einzelnen Bereich besser da. «Ich will nicht sagen, dass das nur mein Verdienst ist. Da haben ganz viele Leute mitgewirkt», sagt Salvatore Doki. Und doch ist die positive Entwicklung der letzten Jahre ganz eng mit seinem Namen verbunden. Doki kam, als die Spitex Muri und Umgebung zu den teuersten im Kanton Aargau zählte. Die Vollkosten pro verrechnete Stunde waren in jeder anderen Spitexorganisation tiefer. Jetzt ist man auf der anderen Seite der Rangliste.
Salvatore Doki ist ausgebildeter Pflegefachmann, war Abteilungsleiter Pflege in der urologischen Klinik am Inselspital, dozierte an verschiedenen Hochschulen, hat sich über all die Jahre immer wieder weitergebildet. Stillstand ist für den bald 58-Jährigen keine Option. Genau diese Haltung hat er damals auch nach Muri gebracht.
Spitex war für ihn ganz neu
Doki lebt in Lyss. Als er zum ersten Mal nach Muri kam, führte ihn das Navigationsgerät. «Ich hatte keine Ahnung, wo Muri liegt. Und als sich der Weg nach der Autobahnausfahrt in Lenzburg immer länger hinzog, wurde ich zusehends skeptischer.» Mit dem Blick zurück kann Doki darüber lachen.
Mittlerweile kennt er die Strecke bestens. Diese Geschichte indes zeigt, dass es einem Zufall geschuldet war, dass der zweifache Familienvater nach Muri kam. «Ein einstiger Mitstudent rief mich an und sagte, dass ich mich hier bewerben soll.» Und er liess nicht locker, bis Salvatore Doki schliesslich nachgab. «Vorher hatte ich nicht nur keinen Bezug zur Region Freiamt, sondern auch zur Spitex nicht.» Es war die neue Herausforderung, die ihn reizte. Und die Vorahnung, dass hier nicht alle Möglichkeiten schon ausgeschöpft sind. Hinzu kam die Neugier. Und Demut.
Eine Betriebsanalyse stand am Anfang von Dokis Zeit bei der Spitex Muri und Umgebung. Im Herbst 2017 war das. «Es wurde schnell deutlich: Hier braucht es neue Strukturen.» Ineffiziente Abläufe sind nur ein Beispiel, das er in diesem Zusammenhang nennt. Die Strukturen zu verbessern, das war dabei das eine. «Das brauchte viel Einsatz. Während fast zwei Jahren habe ich kaum ein Wochenende nicht gearbeitet.» Aber Salvatore Doki reichte das nicht. Er wollte, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr mit dem Betrieb identifizieren, sich mehr entfalten. «Respekt voreinander und vor der Arbeit. Der Rest kommt von alleine, wenn das Team mitzieht.» Und der Vorstand natürlich auch. Ebenfalls gesteigert hat sich dadurch die Arbeitsqualität.
Auch schwierige Situationen gemeistert
Ein positiver Teufelskreis. Dank dem die Spitex bekannter wurde, die Erträge gesteigert werden konnten, auch die selbst erwirtschafteten. Der Stolz im Team wuchs. Das Miteinander ermöglichte es, auch Schwieriges zu meistern. Etwa als die Pflegeleitung kurzfristig kündigte. Oder die Corona-Pandemie. «Das alles schweisste uns noch mehr zusammen», sagt Doki nicht ohne Stolz. Die Fluktuation war riesig, als er kam. Mittlerweile weist die Spitex Muri und Umgebung auch hier einen tieferen Wert auf als der kantonale Durchschnitt. Wie man das erreicht? «Wertschätzung», beginnt Doki aufzuzählen. «Gute Arbeitsbedingungen, miteinander auf Augenhöhe sein und eine fast immer offene Bürotür.»
Und eben: offen sein für Entwicklungen. Denn auch davon gab es in den letzten Jahren viele. Die Professionalisierung ist eine. «Die Spitex ist längst viel mehr als das Klischee, alte Leute zu waschen.» Die psychiatrische Pflege ist nur ein Beispiel von vielen. Die spezialisierte Palliative Care ein weiteres. Fachleute sind immer mehr gefragt, in immer unterschiedlicheren Bereichen. «Darum sind Weiterbildungen derart wichtig.»
Nur ein Wunsch blieb unerfüllt: die Fusion
Angesprochen auf Entwicklungen und Meilensteine nennt Doki natürlich auch den neuen Hauptsitz, der im September 2019 eröffnet wurde. «Ideale Voraussetzungen.» Überhaupt, die Organisation sei gut aufgestellt. Personell, in Bezug auf die digitale Transformation, bei der Zusammenarbeit mit den Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinden. Der langjährige Geschäftsführer spricht vom Vertrauen, das herrscht. Und davon, dass er in Muri nun alle Ziele erreicht habe. «Der Betrieb ist stark und stabil, die Zahlen sind im Bereich der Vollkosten unter dem Durchschnitt, die Zahl der verrechenbaren Stunden ist auf über 20 000 angestiegen, das Betriebsklima ist wohlwollend. Meine Arbeit ist getan.» Wobei ein Wunsch unerfüllt blieb. «Dass die Spitex Muri und Umgebung mit der Spitex Oberfreiamt fusioniert.» Grösse bringe noch stärkere Strukturen mit sich. Gespräche diesbezüglich gabs, auch schon bevor Doki nach Muri kam. «Aber die Zeit war noch nicht reif dafür.»
Zwar wirkt er noch bis Ende Jahr im Verein mit, als Geschäftsführer verlässt Doki die Spitex Muri und Umgebung aber Ende April. Im Gesundheitszentrum Fricktal übernimmt er eine neue Aufgabe. «Leicht fällt mir das nicht. Die Spitex ist quasi mein Baby.» Noch bleiben ein paar wenige Tage. «So viel Alltag wie möglich», so Dokis Kommentar.


