Der goldene Griff
30.01.2026 Muri, GewerbeScheuber folgt auf Staubli
Besitzerwechsel im «Wave» per 1. März
Ihn als neues Gesicht anzukünden, das wäre total vermessen. Seit 2010 gehört Joël Scheuber zum «Wave»-Team. Ob am Bierwagen bei den Public ...
Scheuber folgt auf Staubli
Besitzerwechsel im «Wave» per 1. März
Ihn als neues Gesicht anzukünden, das wäre total vermessen. Seit 2010 gehört Joël Scheuber zum «Wave»-Team. Ob am Bierwagen bei den Public Viewings zu Fussball-Grossanlässen oder hinter der Bar – Scheuber ist mit dem «Wave» ganz eng verbunden. Und diese Verbindung wird künftig noch enger. Per 1. März übernimmt er die Bar von Manuel Staubli. Gut drei Jahre lang führte er diese, will sich aber nun nur auf seinen Glace-Betrieb konzentrieren.--ake
Manuel Staubli verkauft das «Wave» dem langjährigen Mitarbeiter Joël Scheuber
Die Bar und das Gelati-Geschäft. «Beides ging nicht mehr, ohne dass ich beidem nicht gerecht wurde», sagt Manuel Staubli. Darum gibt er das «Wave» in Muri schweren Herzens weiter. Per 1. März übernimmt Joël Scheuber. Kein unbekanntes Gesicht, schliesslich arbeitet er seit gut 15 Jahren in der Murianer Bar.
Annemarie Keusch
«Natürlich. Es ist mir superleicht gefallen.» Manuel Staubli grinst. Die Ironie in seinen Worten kommt mehr als deutlich zum Vorschein. «Ich habe damals diesen Schritt nicht gemacht, um gut drei Jahre später dieses Kapitel für mich wieder abzuschliessen.» Per 1. Januar 2023 hat er damals das «Wave» von Hans-Peter Budmiger, einem der Mitgründer, gekauft. «Damals entschied ich mich nicht von heute auf morgen zu diesem Schritt und das tat ich auch nun nicht», sagt er. Es seien lehrreiche und spannende drei Jahre gewesen. Und trotzdem gibt er das «Wave» nun weiter.
Der Grund ist ein süsser: die Freiämter Gelateria, die er gleichzeitig zum «Wave» von seiner Mutter und dem Stiefvater übernommen hat. Logisch, dass er das Ziel verfolgte, im «Wave» eine Gelateria zu integrieren. Im ersten Sommer war das mit dem Wagen auf der Terrasse möglich. «Nachher wegen Einwendungen nicht mehr.» Staubli nennt das als einen der Misserfolge, die er zu verarbeiten hatte. Natürlich geben aber ganz viele schöne Erlebnisse und Begegnungen Gegengewicht. Die Public Viewings an Fussball-Grossanlässen, das Fondue-Stübli und ganz einfach der normale Alltag im «Wave». «Es hat Spass gemacht und macht es immer noch.»
Arbeitsbelastung wurde zu hoch
Dass er nun die Bar verkauft, liegt nicht daran. Auch nicht an ausbleibenden Gästen oder daran, dass die Zahlen nicht stimmen. «Das Jahresende war sehr gut, der Start ins neue Jahr solid. Wobei der Januar nie ganz einfach ist. Zum Glück kommt jetzt die Fasnacht», meint Manuel Staubli lachend. Nicht nur des «Wave» wegen, Staubli ist Präsident der Guggenmusik Stiefeliryter in Muri. Staubli verkauft auch nicht, weil sich das «Wave» nicht mehr mit dem Glace-Betrieb verbinden lässt. Der Grund liegt in Bremgarten oder besser gesagt in der dortigen Gelateria samt Café, die er vor zwei Jahren eröffnen konnte. «Tagsüber bin ich da, abends in Muri. Es war nie einfach, allem gerecht zu werden.» Nicht den Mitarbeitenden, nicht den Gästen, erst recht nicht dem eigenen Privatleben.
Kommt hinzu, dass sich Staubli bei der Freiämter Gelateria natürlich auch um Produktion und Vertrieb kümmert. «Es wurde einfach zu viel und ich habe mich entschieden, meine Kräfte zu bündeln und mich auf einen Zweig zu fokussieren.» Das ist die Freiämter Gelateria samt Laden in der Bremgarter Altstadt. Im März wird dieser wiedereröffnet. «Nicht mehr unter dem Namen ‹Wave›, denn dieser Name gehört hierhin, nach Muri», sagt Staubli.
Seit 2010 Teil des Teams
Erste Gedanken in diese Richtung machte sich Manuel Staubli ab Spätsommer. Eine gute Lösung für das «Wave» und für Muri zu finden, das sei ihm dabei immer wichtig gewesen. Dass er während des ganzen Prozesses auch mit Joël Scheuber sprach, lag dabei auf der Hand. Schliesslich gehört Scheuber mit wenigen Unterbrüchen seit 2010 zum «Wave»-Team. Und er wurde unter Staublis Leitung immer wichtiger, übernahm mehr Aufgaben, erhöhte das Pensum bis auf 80 Prozent. «Dass er nun die Bar übernimmt, ist für mich ein goldener Griff», sagt Staubli.
Offiziell erfolgt die Übergabe per 1. März. Schon jetzt sind die beiden in engem Austausch, auch was die vielen Aufgaben im Hintergrund betrifft. «Was es an der Front, hinter dem Bartresen, braucht, das weiss ich mittlerweile», sagt Scheuber, der in Muri lebt. 15 Jahre sind vergangen, seit er zum ersten Mal hier Bier ausschenkte. «Einen Fussball-Sommer lang», erinnert er sich. Weil er «Wave»-Gast war und weil ein Mitarbeiter in ihm einen guten Gastgeber sah, wurde er angefragt. Seither hat ihn das «Wave» nie mehr losgelassen. Ob parallel zur Handelsschule oder ergänzend zu anderen Aufgaben, ob mehr oder weniger Pensum – Scheuber blieb dem «Wave» treu.
Jetzt passt der Zeitpunkt
Und in ihm schlummerte schon immer der Traum, dereinst eine eigene Bar zu führen. «Wenn, dann diese hier», sagt Scheuber und blickt im «Wave» umher. Hier kennt er rund 90 Prozent der Gäste. An diesen Ort sind viele Erinnerungen geknüpft und hier sind Freundschaften entstanden. Jetzt passe der Zeitpunkt. Scheuber führte noch vor der Pandemie Gespräche mit Mitgründer Hans-Peter Budmiger. «Damals war es noch zu früh.» Viel verändern will er nicht. Das Team bleibt beisammen, die Lokalität sowieso. «Ich freue mich, neue Ideen umzusetzen, konkrete gibt es aber noch nicht.» Die Fussball-WM und die Gewerbeausstellung im Herbst in Muri – für beides plant er Grosses. Und erste Veranstaltungen sind fixiert. Am 27. März lanciert DJ Chris die Reihe «Notz-Stop Disco». «Discomusik von früher, kombiniert mit modernen Beats», sagt Joël Scheuber. Einer der Events, die künftig regelmässig stattfinden sollen. Weitere werden folgen.
Joël Scheuber blickt der Zukunft mit Zuversicht entgegen. Er weiss, dass sich die Branche wandelt. Dass gerade Junge gezielter und dafür weniger Bars besuchen. Dass der Alkoholkonsum rückläufig ist. «Wir haben das Sortiment die letzten Jahre angepasst, mehr auch auf alkoholfreie Drinks gesetzt und wir werden das auch in Zukunft so handhaben, dass wir uns den Gästen anpassen.» Sicher auch im nächsten Jahr einen grossen Stellenwert haben wird die Fasnacht. Schliesslich ist Scheuber wie auch Staubli Mitglied einer Guggenmusik. Zwar nicht der Stiefeliryter, sondern der Lindenberggeischter. Zudem spielt er Fussball bei den Senioren des FC Muri. An lokaler Verankerung wird es sicher nicht mangeln.


