Der grosse Friedrich Dürrenmatt in Bremgarten? Ja, tatsächlich, und das schon zum dritten Mal. Schon 1970 und 1989 wurden im Kellertheater Stücke von ihm gespielt. Damals wäre seine physische Anwesenheit noch möglich gewesen, da lebte er noch. Nun, beim dritten Mal ...
Der grosse Friedrich Dürrenmatt in Bremgarten? Ja, tatsächlich, und das schon zum dritten Mal. Schon 1970 und 1989 wurden im Kellertheater Stücke von ihm gespielt. Damals wäre seine physische Anwesenheit noch möglich gewesen, da lebte er noch. Nun, beim dritten Mal Dürrenmatt in Bremgarten, diesmal mit den «Physikern», weilt er schon 36 Jahre in anderen Sphären. Und doch ist er uns so nahe und so aktuell wie damals, als er «Die Physiker» schrieb.
Vielleicht denken Sie jetzt, Dürrenmatt lese man in der Schule. Ich lese ihn jetzt wieder, mit grossem Vergnügen und ebenso grossem Respekt. Es ist unglaublich, welchen Kosmos er geschaffen hat, und dies trotz seinem schweren Diabetes und zeitweiligen Misserfolgen. Er gab nicht auf, fand neue Felder und wurde international geschätzt. Seine Bücher und Theaterstücke sind in unzählige Sprachen übersetzt, und seine berühmtesten Theatertitel werden noch immer in Weltstädten gespielt. Seine vielen Bilder aber stellte er kaum aus und verkaufte sie auch nicht. Er arbeitete immer parallel, er zeichnete, malte und er schrieb. Dies war am riesigen hölzernen Tisch in seinem Ideenlabor möglich.
Diesen Tisch habe ich kürzlich gesehen, im Centre Dürrenmatt in Neuchâtel. Da hat Mario Botta ein Museum um das alte Wohnhaus von Dürrenmatt gebaut. Die Sicht auf den Neuenburgersee, quasi auf die ganze Welt, ist beeindruckend. Und man erfährt so vieles über diesen grossen Künstler. Irgendwo habe ich gelesen, dass er ein neues Projekt nicht mit einem Problem begonnen habe, sondern mit einem Bild. Intuition und Nachdenken zeichnen Dürrenmatt aus.
In Neuchâtel hat Dürrenmatt seine «Physiker» geschrieben und über Fragen nachgedacht, die uns bis heute beschäftigen: Darf alles technisch Mögliche angewendet werden? Und was, wenn es in falsche Hände kommt? Muss da jemand Verantwortung übernehmen? – Das tönt nach schwerer Kost und gar nicht lustig. Erstaunlicherweise ist es aber komisch und grotesk. Anders als mit einer Komödie ist menschlichen Abgründen auch gar nicht beizukommen, das meinte auch Dürrenmatt. Ich war bei einer Probe dabei, die Zeit verging im Flug – ich freue mich auf die Vorstellungen.