Es erwischt die Richtige
11.02.2025 Region Unterfreiamt, SarmenstorfVerleihung «Goldigi Söiblootere» an Priska Meier
Als gebürtige Luzernerin hat sie die Fasnacht im Blut. Ob allein, zu zweit oder in der Gruppe, Priska Meier ist in der fünften Jahreszeit in ihrem Element. Jetzt verdoppelt das ehemalige Mitglied ...
Verleihung «Goldigi Söiblootere» an Priska Meier
Als gebürtige Luzernerin hat sie die Fasnacht im Blut. Ob allein, zu zweit oder in der Gruppe, Priska Meier ist in der fünften Jahreszeit in ihrem Element. Jetzt verdoppelt das ehemalige Mitglied der Heuröpfel-Gugge den Frauenanteil unter den «Söiblootere».
Chregi Hansen
Um die Wahl wird immer ein grosses Geheimnis gemacht. Die Verleihung selbst erfolgt dann in Form eines Überfallkommandos. Das ist bei der neunten «Söiblootere» nicht anders. Umso grösser der Schock bei Priska Meier, als sie nach dem Klingeln die Tür öffnet. Und sich einer grossen Gruppe Kappen tragender Fasnächtler gegenübersieht.
Dabei hatte dieser Abend für die jetzt Gekürte so ruhig begonnen. Noch zwei Tage zuvor hatte sie sich beim Spaziergang mit dem zuvor einzigen weiblichen «Söiblootere»-Mitglied Sandra Joho erkundigt, ob denn schon ein neuer Preisträger gekürt worden sei. Ja, man habe einen Kandidaten, aber noch fehle ein Datum für die Übergabe, schwindelte diese. Am Abend selbst empfängt sie mit ihrem Mann Freunde zum Jassen. Nichts ahnend, dass diese alle eingeweiht waren in den stattfindenden Überfall. Im ersten Moment will sie die Tür am liebsten gleich wieder schliessen. Dass die Auszeichnung dieses Jahr an sie geht, ist Schock und Ehre zugleich.
Von Säuen aus Zürich
Schliesslich lässt sie die gesamte «Söiblootere»-Academy doch eintreten. Im Wohnzimmer der Familie werden die Jasskarten weggeräumt und der Apéro bereitgestellt. Und schon bald treffen weitere Gäste ein, welche mit Priska Meier anstossen wollen. Diese kann ihr Glück noch überhaupt nicht fassen. «Ich freue mich so, an der kommenden Fasnacht mit euch allen zu feiern», betont sie. Und sie werde den Stab mit den aufgeblasenen «Söiblootere» mit Stolz tragen. Auch wenn diese in diesem Jahr aus dem Kanton Zürich stammen – der Metzger hatte keine aus der Region im Angebot. Vielleicht stinken sie etwas mehr, wird gewitzelt.
Dass die Gekürte eine überzeugte Fasnächtlerin ist, wird bereits beim Betreten der Wohnung deutlich. Denn im Eingangsbereich befindet sich eine Garderobe mit Dutzenden von Kostümen. Während ihr Mann André, immerhin einst Zunftmeister der Heuröpfel, inzwischen etwas fasnachtsmüde geworden ist, läuft Priska Meier Jahr für Jahr zu Hochform auf. Egal ob als Einzelmaske, mit der Clique der oberen Feldegg oder mit den Fröschewinklern, sie lässt kaum eine Gelegenheit zum Feiern aus. Sie liebt es, sich zu verkleiden, ist hyperaktiv und manchmal auch etwas schusselig unterwegs und darum auch gerne das Ziel von Schnitzelbank-Sprüchen. Sie sei einfach «en liebe Chaib» und immer aufgestellt, bringt es Balz Saxer in seiner Laudatio auf den Punkt.
Der 10. Fasnachtskalender
Es habe wieder mal die Richtige getroffen, findet Hans Melliger, der zusammen mit Balz Saxer die Redaktion des Sarmenstorfer Fasnachtskalenders bildet. Dieser kann ein Jubiläum feiern. Bereits zum zehnten Mal erscheint das 72 Seiten starke Magazin, welches auf die vergangene Fasnacht zurück- und auf die anstehenden Anlässe vorausschaut. «Die Fasnacht hatte schon immer einen grossen Stellenwert im Dorf. Aber früher schaute jeder nur für sich. Unser Ziel war es, etwas Gemeinsames zu schaffen und die Aktivitäten der verschiedenen Akteure zu bündeln», erklärt Initiant Balz Saxer. Damit soll der Zusammenhalt unter den Fasnächtlern noch mehr gefördert werden. Das gleiche Ziel verfolgt auch die Verleihung der «Goldige Söiblootere», welche auf Initiative des Fasnachtskalenders entstanden ist.
Grosse Freude hat an diesem Abend auch Sandra Joho. Endlich ist sie nicht mehr die einzige Frau unter den Preisträgern. Tipps erhält Priska Meier auch von ihrem Vorgänger Pius Wey, der die Auszeichnung 2024 erhalten hat. Er erzählt von einem wunderbaren Jahr. «Es ist schon komisch, wenn man auf der Strasse plötzlich erkannt wird und junge Frauen ein Foto mit mir wollen. Leider wollte ihr Freund auch aufs Bild», schmunzelt er. Priska Meier solle die kommende Zeit einfach geniessen. Und das will diese auch tun.
Am Schmudo mit dem Ammann feiern
Vorerst aber wirkt sie noch immer etwas fassungslos und überwältigt. Und während sich das Wohnzimmer immer mehr füllt und alle mit der neusten «Söiblootere» anstossen wollen, schüttelt sie noch immer den Kopf. Doch dann ergreift auch noch Gemeindeammann Meinrad Baur das Wort. Und erzählt die Anekdote, wie er mit der Gekürten den Hochzeitstanz geübt hat. «Ich muss sagen: Sie tanzt besser allein», so der Ammann. Er jedenfalls freut sich auf viele tolle Begegnungen an der Fasnacht. «Geniesst diese Zeit», so sein Ratschlag. Dies umso mehr, als Mäni Baur am Schmutzigen Donnerstag seinen 60. Geburtstag feiern kann. Dann wird nicht nur Priska Meier, sondern wohl die gesamte «Söiblootere»- Academy zum Gratulieren vorbeikommen. Und wer weiss: Vielleicht wird dabei schon nach einem neuen Preisträger Ausschau gehalten. Zwölf sollen es dereinst werden, verrät Balz Saxer. «Danach werden wir uns wohl etwas Neues überlegen», verrät er.