«Gastgeber, nicht Manager»
06.03.2026 Muri, Tourismus, GewerbeEndlich Kontinuität in Sicht
Beat Gerber ist neuer Direktor des Drei-Häuser-Hotels Caspar
Von Muri bei Bern nach Muri im Freiamt. Beat Gerber ist seit Mitte Februar Gastgeber im «Caspar».
«Ich bin kein ...
Endlich Kontinuität in Sicht
Beat Gerber ist neuer Direktor des Drei-Häuser-Hotels Caspar
Von Muri bei Bern nach Muri im Freiamt. Beat Gerber ist seit Mitte Februar Gastgeber im «Caspar».
«Ich bin kein ‹Jobhopper›, der von einer Stelle zur nächsten hüpft. Mir geht es vielmehr darum, mit Menschen gemeinsam etwas aufzubauen und als Team zu wachsen. Davon profitieren auch unsere Gäste.» Worte, nach denen man sich in Muri gesehnt hat. Denn von Kontinuität konnte man bisher im Zusammenhang mit dem «Caspar» wahrlich nicht sprechen. «Das kann ich nun aber bieten», sagt Beat Gerber. Was er sich für das Drei-Häuser-Hotel wünscht: «Stabilität.» Er weiss, dass es diese für einen erfolgreichen Weg braucht. «Sowohl wirtschaftlich als auch in der Positionierung.» Und Gerber wünscht sich, dass der Betrieb ein Begegnungsort wird. «Für die lokale Bevölkerung von Muri ebenso wie für externe Gäste. Es soll ein Ort sein, an den man gerne zurückkommt.» Gerber spricht über seine ersten Wochen als Direktor und erzählt, was ihm dabei wichtig ist. «Ich bin kein Manager, ich bin Gastgeber», hält er fest. Ein spannendes Detail: Gerber ist in Muri bei Bern aufgewachsen. Nun will er in Muri im Freiamt durchstarten. --red
Beat Gerber setzt im «Caspar» auf Teamgeist, Stabilität und regionale Verankerung
Von Muri BE nach Muri AG: Der gebürtige Berner Beat Gerber übernimmt neu die Direktion des Drei-Häuser-Hotels. «Das ‹Caspar› hat mich von Anfang an begeistert», sagt er, «architektonisch, historisch und konzeptionell.» Nun freut er sich auf seine Rolle als Gastgeber.
Beat Gerber, Sie sind seit Mitte Februar Gastgeber im «Caspar». Haben sich Ihre Erwartungen bisher erfüllt?
Beat Gerber: Absolut. Ich war schon während des Bewerbungsprozesses mehrmals hier und wusste, worauf ich mich einlasse.
Was hat Sie am Drei-Häuser-Hotel denn gereizt?
Das «Caspar» hat mich von Anfang an beeindruckt – architektonisch, historisch und konzeptionell. Vor allem die Tiefe des Konzepts und die Verbundenheit mit der Geschichte haben mich sofort angesprochen. Und diese Tiefe zeigt sich überall – im Logo, in den Farben, in der Architektur. Das Gebäude wirkt modern, trägt aber gleichzeitig die Geschichte in sich. Diese Harmonie hat mir auf Anhieb gefallen.
Wie wichtig ist Ihnen als Hoteldirektor die Architektur?
Sehr wichtig. Aber es geht um das grosse Ganze. Das Erlebnis, das Interieur, der Auftritt nach aussen – das gesamte Erscheinungsbild. Alles wirkt hier stimmig und durchdacht. Und ich bewundere auch den Mut, in einer ländlichen Umgebung wie dem Freiamt ein solches Projekt umzusetzen. Das zeigt Verbundenheit mit der Region und viel Leidenschaft. Denn immer mehr traditionelle Gasthöfe verschwinden, weil die finanziellen Mittel fehlen, um sich zeitgemäss aufzustellen. Umso schöner, dass hier investiert wurde.
Das «Caspar» ist ein Werk von Stararchitektin Tilla Theus, die eben mit dem renommierten Prix Meret Oppenheim ausgezeichnet wurde. Wie wichtig ist ein grosser Name für ein Hotel?
Wir alle sind stolz auf die Architektur von Tilla Theus und freuen uns mit ihr über diese Auszeichnung. Und ein grosser Name hat durchaus eine Wirkung: Er gibt uns eine überregionale Ausstrahlung trotz starker regionaler Verankerung. Ich persönlich bin aber kein Hotelmanager im klassischen Sinn, dessen Ziel es ist, in einem «grossen Haus» zu arbeiten. Ich bin Gastgeber mit unternehmerischer Verantwortung. Führung beginnt für mich beim Menschen – und endet bei wirtschaftlicher Stabilität.
Sie sind in Muri bei Bern aufgewachsen und jetzt in Muri im Freiamt gelandet – ist das Schicksal?
Das könnte man meinen, aber es ist wohl eher ein lustiger Zufall.
Erzählen Sie uns ein bisschen von Ihrem Weg von Muri nach Muri?
Ich bin in Muri bei Bern aufgewachsen, aber weit weg vom Gastgewerbe. Dafür hatten wir Pferde, die unsere Freizeit prägten. Nach einer Ausbildung im Detailhandel bin ich über einen Nebenjob im Service in die Gastronomie gerutscht. Die Stimmung, der Kontakt mit den Gästen, das Miteinander haben mir gefallen. Es war persönlicher als im Verkauf. Trotz anfänglicher Sorgen meiner Familie habe ich mich bewusst für die Gastronomie entschieden. Ich habe später die Hotelfachschule besucht und verschiedene Stationen durchlaufen – bis hin zur Direktion.
Dabei mussten Sie durchaus auch mal einen Rückschlag hinnehmen.
Ganz ohne verläuft vermutlich keine Karriere. Aber richtig: Wir mussten das Hotel Stücki in Basel schliessen. Corona hat uns gewissermassen das Genick gebrochen: Geschäftsreisen, Messen, Kulturveranstaltungen – alles, wovon wir lebten, brach weg. Kurz zuvor hatten wir noch investiert und ausgebaut. Das hat das Konstrukt ins Wanken gebracht.
Was war dabei das Schwierigste für Sie?
Der Abschied vom Team, das wir über viele Jahre aufgebaut hatten. Das Team ist das Herz des Betriebs. Je besser der Zusammenhalt, desto klarer die Ausstrahlung nach aussen. Meine Aufgabe als Führungsperson ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich Mitarbeitende wohlfühlen, gehört werden und sich einbringen können. Nur so entsteht Qualität für die Gäste.
Im «Caspar» stehen Sie jetzt ganz am Anfang. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auch hier: auf die Zusammenarbeit mit dem bestehenden Team, denn wir wollen etwas bewegen. Aber natürlich auch auf den Kontakt mit den Gästen. Ich freue mich darauf, mich als Gastgeber vorzustellen.
Was macht denn einen guten Gastgeber aus?
Präsenz, Empathie und Ansprechbarkeit. Gäste, aber auch Mitarbeitende sollen sich wahrgenommen fühlen. Wenn es Schwierigkeiten gibt, musst du dir Zeit nehmen und Verständnis zeigen. Oft lassen sich Probleme dadurch schon lösen.
Und wovor haben Sie am meisten Respekt?
(Überlegt.) Vor der legitimen Erwartung, Stabilität und wirtschaftliche Nachhaltigkeit zu schaffen. Das geht nur gemeinsam mit dem Team und mit langfristigem Engagement.
Ein Direktionswechsel bedeutet auch immer frischen Wind im Unternehmen. Kommt nun die Zeit der Veränderung im «Caspar»?
Es wäre falsch, hier einzufahren und alles auf den Kopf zu stellen. Das ist auch gar nicht nötig. Das «Caspar» hat ein sehr gutes Fundament. Darauf möchte ich aufbauen. In gewissen Bereichen – etwa im Seminar- und Veranstaltungsbereich – sehe ich Entwicklungspotenzial. Unsere Infrastruktur ist hervorragend – nun gilt es, das Haus systematischer zu positionieren und gezielt Firmen im Raum Aargau, Zug, Zürich und Luzern anzusprechen.
Kommen denn tatsächlich Gäste von weiter her nach Muri?
Ja. Die Region hat landschaftlich viel zu bieten und ist gut erreichbar von den städtischen Zentren. Firmen suchen nach Corona wieder neutrale Orte für Seminare und Workshops. Dafür bietet dieser Ort ideale Voraussetzungen. --pd
Persönlich
Mit 25 Jahren Managementerfahrung in Hotellerie und Gastronomie ist Beat Gerber, 58, ein «alter Hase» als Gastgeber. Zuletzt führte er das Vier-Sterne-Haus Park-Hotel am Rhein in Rheinfelden mit über 100 Mitarbeitenden. In seiner Freizeit liebt er es, sich zu bewegen – vorzugsweise mit seinem achtjährigen Golden Retriever Chiara – «eine perfekte Hotelhündin», wie Beat Gerber betont: «ausgesprochen menschen- und gastfreundlich».


