Ihr Ziel: Familien stärken
30.01.2026 Muri, JugendRegula Schlup folgt auf Käthi Strub als Stellenleiterin der Jugend-, Ehe- und Familienberatung
Gut elf Jahre lang arbeitete Käthi Strub bei der Jugend-, Ehe- und Familienberatung (JEFB) im Bezirk Muri, sechs davon als deren Leiterin. Mit ihrer Pensionierung ...
Regula Schlup folgt auf Käthi Strub als Stellenleiterin der Jugend-, Ehe- und Familienberatung
Gut elf Jahre lang arbeitete Käthi Strub bei der Jugend-, Ehe- und Familienberatung (JEFB) im Bezirk Muri, sechs davon als deren Leiterin. Mit ihrer Pensionierung übernimmt Regula Schlup diese Tätigkeit. Die Themen, die Familien beschäftigen, sind eigentlich immer in etwa die gleichen. Was zunimmt, sei hingegen die Komplexität.
Annemarie Keusch
Die Erziehung der Kinder. Das ist und bleibt das Kernthema bei der Jugend-, Ehe- und Familienberatung. «Natürlich gehören ganz viele Aspekte dazu und diese variieren auch, aber im Grund sind die Themen ähnlich geblieben», sagt Käthi Strub. 2014 hat sie die Arbeit bei der JEFB im Bezirk Muri aufgenommen. «Just mit der Einführung des Kindes- und Erwachsenenschutzrechtes», erzählt sie. Ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisierung des Kindesschutzes. Auch auf der Beratungsstelle in Muri bringen die Mitarbeitenden gefüllte berufliche Rucksäcke mit, um möglichst helfen zu können. Strub arbeitete bereits in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der Schulsozialarbeit, in der Familienplatzierung, erhielt Einblicke in die Sozialhilfe. «Nur» Soziale Arbeit, das reiche längst nicht mehr. «Zu Recht.»
Auch die neue Stellenleiterin Regula Schlup bringt viel Erfahrung mit, auch im Bereich des Kindesschutzes und von Pflegefamilien. «Die JEFB ist diesen vorgelagert, versucht präventiv zu wirken. Das gefällt mir», sagt Schlup, die seit drei Jahren Strubs Stellvertreterin in Muri ist. Die verschiedenen beruflichen Hintergründe und Ausbildungen in dieser Tätigkeit zu vereinen, das sei spannend. Denn die Jugend-, Ehe- und Familienberatung umfasst nicht nur die Anfragen, die freiwillig eingehen. Im Auftrag der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde führt das Team beispielsweise auch Sozialabklärungen und Beistandschaften im Kindesschutz. «Wichtig ist dabei, dass wir stets versuchen, auf Augenhöhe mit den Betroffenen zu arbeiten – ob sie nun freiwillig mit uns in Kontakt sind oder nicht», sagt Käthi Strub. Sie weiss: «Die Eltern wollen eigentlich immer nur das Beste für ihre Kinder.»
Zahlen steigen
Per Ende Januar verlässt Strub die JEFB im Bezirk Muri. Sie wird pensioniert und ihre Stellvertreterin Regula Schlup übernimmt die Leitung. Angesprochen auf Entwicklungen, berichtet Käthi Strub, dass die JEFB bei ihrem Stellenantritt 2014 vier Mitarbeitende im Beratungsbereich zählte. «Heute sind es sieben.» Nicht nur die Anzahl der Konsultationen sei gewachsen, sondern vor allem deren Komplexität. «Es sind immer mehr Fachstellen involviert», stellt sie fest. Das sei grundsätzlich keine schlechte Entwicklung. Die Zusammenarbeit funktioniere in den verschiedenen Konstellationen besten – mit der Schulsozialarbeit, mit den psychiatrischen Diensten im Aargau, mit den Gemeinden im Bezirk Muri, mit dem schulpsychologischen Dienst, mit der Suchtberatung.
Warum das Bedürfnis nach Beratung und Begleitung zunehme, ist für die beiden Fachfrauen schwierig zu sagen. «Gerade nach der Pandemie sind die Zahlen angestiegen», sagt Käthi Strub.
Die Bandbreite sei gross, von Fragen zur Erziehung über Generationenkonflikte bis zu einer drohenden Fremdplatzierung. Die JEFB führt entsprechende Statistiken, welche Themen am meisten beschäftigen, analysiert sie aber nicht, um nach Gründen von Veränderungen zu suchen. «Das ist nicht unsere Aufgabe. Unsere Aufgabe ist es, für Herausforderungen Lösungen zu suchen und die Familien zu stärken», ergänzt Regula Schlup. Die Finanzen sind dabei eine Herausforderung, mit der viele Familien kämpfen. «Dies wirkt sich auf ganz verschiedene Bereiche des Alltag aus», weiss Käthi Strub. Hinzu kommen Themen rund um die psychische Gesundheit. «Das sind gesellschaftliche Entwicklungen, die auch vor der JEFB und vor dem Bezirk Muri nicht haltmachen.»
Auf Handlungsfelder fokussieren
Dass darunter auch Situationen sind, die menschlich sehr belasten können, liegt auf der Hand. «Mit den Jahren lernt man, damit umzugehen», sagt Regula Schlup. Sich berühren lassen, das gehöre dazu. «Aber wir behalten die möglichen Handlungsfelder im Fokus.» Käthi Strub ergänzt, dass eine Aussensicht gerade in solchen Situationen sehr wichtig sei. «Dadurch werden Möglichkeiten sichtbar und Wege, die die Menschen in ihrer Not oder Krise oft gar nicht sehen.»
20 Prozent Fallführung, 60 Prozent Leitung – so ist das Pensum der Stellenleitung in etwa aufgeteilt. Die Personalführung ist nebst der Weiterentwicklung des Familienzentrums und der Umsetzung der Leistungsverträge eine der wichtigen Aufgaben. «Zu unserem Team zu schauen», formuliert es Regula Schlup. Denn das Team der JEFB Bezirk Muri sei bestens aufgestellt. Das ist auch der Grund, weshalb Käthi Strub der Abschied nicht nur leicht fällt. «Auch wenn ich mich auf meine Pensionierung freue.» Eine weitere zentrale Aufgabe der Stellenleitung ist es, als Bindeglied zu fungieren. Zu Gemeinden, zu Fachstellen, zum Vorstand, zur Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. Da passt Käthi Strubs Leitsatz am besten: «Kindesschutz geht nicht alleine.» Es sei ein stetiges Zusammenspiel – natürlich auch mit den betroffenen Familien. «Schliesslich geht es darum, mit ihnen die besten Lösungen zu erarbeiten.»
Von den Gemeinden finanziert
Die JEFB ist wie die Mütter- und Väterberatung und die Tagesfamilienvermittlung Teil des Vereins Familienberatung Bezirk Muri. Getragen wird dieser Verein von den Gemeinden, die unabhängig konkreter Fallzahlen einen Beitrag pro Einwohner zahlen. Diese Zahl ist in den letzten Jahren immer wieder gestiegen. «Dessen sind wir uns bewusst und wir versuchen, haushälterisch mit den Ressourcen umzugehen – aber immer möglichst zum Wohl der Betroffenen», sagt Käthi Strub.
Daran wird sich auch mit der neuen Stellenleiterin nichts ändern. «Überhaupt, wir gehen den eingeschlagenen Weg weiter. Der Auftrag hat sich mit dieser personellen Veränderung schliesslich nicht gewandelt.»
Mehr Informationen unter: www.familienberatung-muri.ch.

