Kind steht im Vordergrund
17.11.2023 Muri, SchuleSchule Muri setzt weiterhin auf Bewährtes und behält Einschulungsklasse bei
An der Schule Muri wird beim Übertritt vom Kindergarten in die Schule dem Entwicklungsstand des Kindes grosse Bedeutung zugemessen. Mit der Wahl zwischen Regel- oder ...
Schule Muri setzt weiterhin auf Bewährtes und behält Einschulungsklasse bei
An der Schule Muri wird beim Übertritt vom Kindergarten in die Schule dem Entwicklungsstand des Kindes grosse Bedeutung zugemessen. Mit der Wahl zwischen Regel- oder Einschulungsklasse wird dieser Tatsache Rechnung getragen.
«Die Entwicklungsstände der Kinder können beim Übertritt vom Kindergarten in die Primarschule einen Unterschied von bis zu einem Jahr ausmachen.» Diese Aussage vom Zürcher Kinderarzt Remo Largo war die Kernbotschaft der alljährlichen Infoveranstaltung für Eltern der zukünftigen, jüngsten Schülerinnen und Schüler im Dachtheater in Muri. Erstmals anlässlich dieses Anlasses wurde den Eltern aufgezeigt, welche Entwicklung ein Kind zwischen vier und acht Jahren durchlebt und wie unterschiedlich diese verlaufen kann.
«Die Kinder stehen bei Schuleintritt an unterschiedlichen Stellen in ihrer Entwicklung. Für Kinder, die noch mehr Zeit brauchen, um gewisse Entwicklungsschritte zu machen, ist die Einschulungsklasse eine passende Alternative», zeigte die schulische Heilpädagogin Andrea Küng auf. Demgegenüber herrscht das allgemeine Bedürfnis der Eltern, ihr Kind der Norm entsprechend heranwachsen zu sehen. Aus Unwissen könne oft nicht verstanden werden, dass ein Kind noch nicht reif ist für den Schritt in die erste Klasse. Das «noch nicht» ist im neuen aargauischen Lehrplan bei der Eingangsstufe ein grosses Thema, dem bei der Förderung der Kinder überall Rechnung getragen werden muss.
Unterschiedliche Entwicklung ist normal
In den ersten zwei Jahren der Schullaufbahn macht ein Kind nicht nur eine enorme Entwicklung durch. Seine Entwicklung unterscheidet sich in diesen zwei Kindergartenjahren auch in vielen Bereichen deutlich von derjenigen seiner Gspänli. Diese Entwicklung wird gesteuert durch evolutionäre Grundlagen und stark beeinflusst durch das soziale Umfeld sowie durch spezifische Veranlagungen. Diese Faktoren sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Also entwickelt sich jedes Kind auf seine eigene Weise im eigenen Tempo. Das sei richtig so. Hole man ein Kind seinem Entwicklungsstand entsprechend ab, könne es zeigen, was es kann, es erhalte Bestätigung, sei motiviert und die Erziehenden können darauf auf bauen. «Wird ein Kind überfordert und sein Entwicklungsstand einfach übergangen, kann dies zu grossen Frustrationsgefühlen führen.»
Erfolgsgefühl statt Frust
Die Schullaufbahn eines Kindes beträgt elf Jahre. «Dieser Lebensabschnitt sollte eine gute, spannende Zeit sein.» Gelingt der Start und ist ein Kind genug stark für die vielen Herausforderungen, sei das eine vielversprechende Voraussetzung für eine erfolgreiche Schulzeit. Um diesen guten Start mehr Kindern zu gewährleisten, behält die Schule Muri die Einschulungsklasse bei, obwohl die Anzahl der Einschulungsklassen im Aargau seit 2015 von 86 auf 61 gesunken ist. Und obwohl Muri eine integrative Schule ist. Hiermit bietet sich für noch unreife Schülerinnen und Schüler eine zusätzliche Chance, Erfolgsgefühle erleben zu dürfen und Motivation aufbauen zu können, anstatt schon in der Unterstufe Frustration zu erleben.
Mit der Einschulungsklasse bietet die Schule Muri Kindern die Möglichkeit, den Stoff des ersten Schuljahres während zwei Jahren zu erlernen. Sie ist gedacht für Kinder mit einer verzögerten Entwicklung. Diese Klasse zählt normalerweise weniger Schülerinnen und Schüler als eine Regelklasse. An einem Thema wird länger, vielfältiger und verspielter gearbeitet. «Es war wie ein Geschenk, unsere Tochter in die EK einschulen zu können», lautete die Rückmeldung einer Mutter. «Sie konnte ihre Verspieltheit genügend ausleben und ist heute gefestigt unterwegs.»
Angebot der Schule
«Viele Kinder sind nach zwei Jahren intensiver Kindergartenzeit von ihrer Entwicklung her einfach noch nicht reif für die Regelklasse», berichtete Andrea Küng von ihren Erfahrungen als Heilpädagogin. «Da ist es ein Segen, ihnen diese Alternative bieten zu können.» Dank den Ausführungen der Unterstufenlehrperson Martina Spielhofer wurde schnell klar, wie viel im ersten Schuljahr gefordert wird. Demgegenüber erzählt Theresina Weibel, Lehrperson an der Einschulungsklasse, wie entspannter der Alltag mit ihren Schülerinnen und Schüler aussieht. Dass neben der Schule die Eltern den wesentlichen Beitrag zu einer guten Entwicklung ihrer Kinder leisten, ist offensichtlich. Als Unterstützung hierfür boten sich an diesem Informationsanlass die Bibliothek Muri und die Ludothek an. Mit geringem Aufwand und minimaler finanzieller Belastung kommen die Kinder in den Genuss von spielerischer Förderung.
Obwohl es aktuell sehr schwierig ist, Lehrpersonen zu finden, setzt die Schule Muri alles daran, das Angebot der Einschulungsklasse ihren Schülerinnen und Schülern weiterhin bieten zu können und will so den unterschiedlichen Entwicklungsständen ihrer Schutzbefohlenen gerecht werden. --zg