Ökologische Vielfalt steigern
30.01.2026 Kelleramt, Baugewerbe, Natur, RottenschwilDas Baugesuch für die Revitalisierung des Girizkanals in Rottenschwil liegt öffentlich auf
1980 zur Entwässerung erbaut, soll der Girizkanal nun renaturiert und sein Wasser dem ökologisch wertvollen Feuchtgebiet zugeführt werden. Das entsprechende ...
Das Baugesuch für die Revitalisierung des Girizkanals in Rottenschwil liegt öffentlich auf
1980 zur Entwässerung erbaut, soll der Girizkanal nun renaturiert und sein Wasser dem ökologisch wertvollen Feuchtgebiet zugeführt werden. Das entsprechende Baugesuch des Kantons, verbunden mit einer Umlegung des Flurwegs, liegt derzeit öffentlich auf.
Thomas Stöckli
Im Herbst 2026 sollen am Girizkanal die Revitalisierungsarbeiten anfangen, verrät Christian Rechsteiner, Projektleiter der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer, auf Anfrage. 1980 zur Entwässerung des Vorlands erstellt, zieht der 370 Meter lange Kanal sich zwischen Rottenschwil und Werd teils schnurgerade dem Reussdamm entlang, am Rand eines Mosaiks an wertvollen Lebensräumen, zu dem er allerdings kaum beiträgt. Im Gegenteil, nimmt er doch das von der Reuss unterirdisch einsickernde Wasser auf und führt es entgegen der Laufrichtung des Flusses zum Werdkanal, von wo es in die Reuss zurückgepumpt und damit den lokalen Feuchtgebieten entzogen wird.
Das Wasser im Feuchtgebiet halten
Aktuell ist die Sohle des Girizkanals mit Betongittersteinen ausgestaltet. Im Gegensatz zu einem naturnahen Gewässer fehlen damit Kleinstrukturen und Versteckmöglichkeiten für Tiere. Zudem sei der Austausch mit dem natürlichen Untergrund sehr eingeschränkt, wird im Bauprojekt, das derzeit auf der Gemeindeverwaltung Rottenschwil öffentlich aufliegt, die Ausgangslage beschrieben.
Künftig soll der Wasserlauf sich dem abgeflachten Reussdamm entlang schlängeln dürfen. Die Gittersteine werden dazu entfernt und eine rund drei Meter breite Gewässersohle neu ausgebildet, wobei ein ein- bis anderthalb Meter breites «Niederwassergerinne» auch zu Trockenzeiten einen steten Fluss garantieren soll. Mit Bachverbauungen wie Totholzfaschinen und Kleinstämmen wird der Bachlauf strukturiert. So entstehen tiefere und flachere Abschnitte mit mehr oder weniger Strömung. Das wiederum erhöht die Vielfalt der Lebensräume und damit auch der Arten. Bestehende Drainageleitungen werden gekappt und verschlossen, um die Kleine Reuss und weitere wertvolle Feuchtgebiete zu sichern. Ihnen fliesst auch das Wasser aus dem Girizkanal künftig zu.
Platz schaffen und Störungen reduzieren
Für zusätzlichen Raum, den die ökologische Aufwertung in Anspruch nimmt, sorgt die Verlegung des bisherigen Flurwegs, weg von der Reuss an den anderen Rand der wertvollen Feucht-Lebensräume. Hier ist eine Beobachtungsstelle eingeplant, um der Bevölkerung zumindest optisch Zugang zum Naturjuwel direkt vor ihrer Haustür zu bieten. Der reussseitige Durchgang wird durch Aufkiesung der bestehenden Trampelpfade auf den Reussdamm gewährleistet. Von der Wegverlegung erhofft sich die Abteilung Landschaft und Gewässer nicht zuletzt auch eine Reduktion der Störungen auf der Naturschutzfläche.
Nachdem die Gemeindeversammlung dem durch den Gemeinderat errungenen Naturlehrpfad im Juni eine Abfuhr erteilt hat, bietet sich einzig am Nordende des Girizkanals Zugang zur revitalisierten Fläche. Grosse Steine am Gewässerrand sollen es hier künftig ermöglichen, das Leben im Wasser zu beobachten.
Bessere Voraussetzungen für Pionierarten
Als weitere Aufwertungsmassnahme ist im Gebiet Giriz eine zusätzliche Flutmulde als Amphibienlaichgewässer vorgesehen. Dazu wird eine rund 1000 Quadratmeter grosse, bereits heute leicht vernässte Senke weiter abgetieft und bei Bedarf mit Lehm abgedichtet.
Durch einen Ablass zur Kleinen Reuss soll die Feuchtigkeit reguliert werden können. Das hilft Pionierarten, welche darauf angewiesen sind, dass Gewässer hie und da austrocknen, damit ihre Fressfeinde nicht überhand nehmen. Nicht zuletzt wird so auch der Unterhalt dieser Gewässer erleichtert. Klar ist, dass die Lebensräume auch künftig gepflegt werden müssen, nur schon im Hinblick auf allfällige Neophyten oder einheimische Problempflanzen.
Im Bereich der neuen Flutmulde wird möglichst lange ein offenes, ruderales Umfeld angestrebt, mit kiesigem, nährstoffarmem Untergrund. Entsprechend sollen diese Flächen nicht angesät werden, sondern sich spontan begrünen. An den Uferböschungen des Girizkanals ist zur Stabilisierung eine schnelle Begrünung durch eine artenreiche einheimische Wiesenmischung vorgesehen.
Die öffentliche Auflage des Baugesuchs zur Revitalisierung des Girizkanals und zur damit verbundenen Flurwegumlegung dauert noch bis zum 23. Februar.



