Mitgestalten in Altersfragen
27.01.2026 Region Oberfreiamt, WaltenschwilAltersleitbild für Waltenschwil
Der Gemeinderat Waltenschwil hat zum Workshop eingeladen. Ziel war es, Bedürfnisse, Erwartungen sowie Ideen abzuholen und in ein breit abgestütztes Altersleitbild einfliessen zu lassen. Die Mitwirkungsbereitschaft hat die ...
Altersleitbild für Waltenschwil
Der Gemeinderat Waltenschwil hat zum Workshop eingeladen. Ziel war es, Bedürfnisse, Erwartungen sowie Ideen abzuholen und in ein breit abgestütztes Altersleitbild einfliessen zu lassen. Die Mitwirkungsbereitschaft hat die Erwartungen weit übertroffen. --tst
Die Einladung zum Workshop «Altern in Waltenschwil» stiess auf grosses Interesse – Ziel ist ein Leitbild
Die Dorfbevölkerung soll ihre Bedürfnisse, Erwartungen und Ideen einbringen können. Dass dies für ein Altersleitbild, das gelebt wird, wesentlich ist, hat der Gemeinderat Waltenschwil erkannt und zum Workshop eingeladen.
Thomas Stöckli
Von einem «wichtigen Morgen» spricht Gemeinderat Jörg Ackermann und von «spannenden Resultaten». Erhofft habe man sich die Teilnahme von 50 Einwohnerinnen und Einwohnern. Gekommen sind schliesslich mehr als doppelt so viele, nämlich 107. «Ich finde es super, wie gearbeitet und diskutiert wurde», zieht Ackermann nach einem intensiven Halbtags-Workshop in der Bannegg-Halle Bilanz.
Ideen aus Niederwil und Arni
Jörg Ackermann war es auch, der den Anstoss zur Erarbeitung eines Altersleitbilds gegeben hat. Die Inspiration habe er aus Niederwil, verrät er. Dort sei er eingeladen gewesen, als die Gemeinde ihr Altersleitbild vorstellte. Am 23. November 2023 sei das gewesen, erinnert er sich: «Ich kam begeistert retour und haben das im Gemeinderat erzählt.» Die Begeisterung sprang offenbar über. So hat der Gemeinderat Waltenschwil vor einem Jahr eine Arbeitsgruppe gebildet, um in Zusammenarbeit mit der Pro Senectute das bestehende Angebot zu analysieren und den nun durchgeführten Workshop vorzubereiten. «Niederwil hat mit seinem Seniorenrat eine super Lösung», findet Ackermann. Eine Lösung, die allerdings sehr viel Freiwilligenarbeit erfordert. Deshalb sei auch «nur» eine Kommission ein gangbarer Weg. «Wichtig ist, dass nicht nur ein Papiertiger entsteht, sondern etwas Lebendiges», betont er. Nebst Niederwil wurde auch Arni angefragt, die bisher gemachten Erfahrungen zu teilen.
Vom Anklang des Workshops erfreut zeigt sich auch Roland Guntern, Fachverantwortlicher Gemeinwesenarbeit bei der Pro Senectute Aargau. «Für eine Gemeinde dieser Grösse ist das ein sehr guter Wert», stellt er die 107 Teilnehmenden in Relation zu seinen bisherigen Erfahrungen. An acht verschiedenen Tischen diskutieren die interessierten Waltenschwilerinnen und Waltenschwiler, was in der Gemeinde bereits gut läuft, wo der Schuh drückt und wie sie sich gerne für die Allgemeinheit einbringen würden.
Realistisch und konstruktiv
Positiv überrascht zeigen sich die Organisatoren über die vernünftigen Ideen, die eingebracht werden. «Ich hatte Respekt davor, welche Wünsche kommen würden», gibt Gemeindeammann Simon Zubler unumwunden zu. Die Befürchtungen haben sich schnell zerschlagen: «Ich bin beeindruckt von der konstruktiven Diskussionskultur», hält er fest. Da habe er auch schon anderes erlebt, sagt Roland Guntern, Fachverantwortlicher Gemeinwesenarbeit bei der Pro Senectute Aargau. Auf Nachfrage nennt er ein Autonomes Alterszentrum als Beispiel für Forderungen aus anderen Gemeinden, oder einen Ausrufer, der nach mittelalterlichem Vorbild durch die Quartiere zieht und Informationen verbreitet.
«Wir sind grundsätzlich offen für Ideen», stellt Guntern klar. Entgegengenommen werde alles, bei der Umsetzung müsse man sich ans Machbare halten und die Anliegen priorisieren.
Zugang zum Bestehenden
Die Resultate fallen in den einzelnen Gruppen erstaunlich ähnlich aus. Geschätzt wird die Infrastruktur, vom Gesundheitsangebot über die Einkaufsmöglichkeiten bis zur Verkehrsanbindung. Weiter punktet Waltenschwil mit Naherholungswert, dazu gehören die gepflegte Umgebung, das Fusswegnetz und die Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum. Anklang findet auch das Angebot von Vereinen, Gruppierungen und Institutionen, mehrfach genannt werden etwa der Bünzpark. Zudem finde man auf der Gemeindeverwaltung ein offenes Ohr. «Ich staune, wie viel wir eigentlich haben», fasst der Gesprächsleiter aus einer der acht Arbeitsgruppen zusammen, «aber vieles wissen die Leute gar nicht», hängt er an.
Damit sind wir schon beim Verbesserungspotenzial. Der Zugang zu Informationen ist in fast allen Gruppen ein Thema. Gefordert wird eine Koordinations- oder Anlaufstelle für Altersfragen, eine Austausch-Plattform für Nachbarschaftshilfe, aber auch Freizeitaktivitäten wie Spiele, Tanz und Ausflüge. Weiter mangle es an bezahlbarem Wohnraum ebenso wie an niederschwelligen Treffpunkten und Begegnungsstätten. Angesprochen werden ferner die nächtliche Beleuchtung und der Winterdienst. So könne es nicht sein, dass man mit dem Rollator auf die Strasse ausweichen müsse, weil das Trottoir nicht geräumt werde. Eine Gruppe wünscht sich zudem eine ansprechendere Gestaltung des Kreisels gegen Wohlen. Und auch Teilzeitstellen für jene, die übers Pensionsalter hinaus arbeiten wollen, sind Thema in der Rückmeldungsrunde. Ferner schlug eine Gruppe einen generationenübergreifenden Ansatz vor, statt allein aufs Alter zu fokussieren.
Engagieren erwünscht
Roland Guntern fasst die geäusserten Anliegen auf drei wesentliche Punkte zusammen: Information und Koordination, Treffpunkt und Nachbarschaftshilfe. Aus den Rückmeldungen werde die Arbeitsgruppe nun in den nächsten zwei, drei Monaten ein Leitbild erarbeiten, mit ersten Massnahmenvorschlägen an den Gemeinderat. Das Resultat dürfte dann voraussichtlich im Sommer oder Herbst der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Damit aus dem Leitbild ein Mehrwert entstehen kann, ist persönliches Engagement gefragt. Diese Freiwilligenarbeit braucht Wertschätzung – in irgendeiner Form. Als Alternative zu Geld wird etwa über ein Punktesystem diskutiert, womit Angebot und Nachfrage ausgeglichen werden können. Aus den Diskussionen im Saal zeigt sich, dass viele grundsätzlich bereit sind, etwas beizutragen, als Begleitung auf Spaziergängen etwa, oder als Coach in einem Bereich, in dem sie sich fit fühlen.


