Stets für das Dorf
09.12.2022 Region Oberfreiamt, WaltenschwilHans-Rudolf Müller verlässt den Gemeinderat
Mit Freude an der Sache war Hans-Rudolf Müller im Gemeinderat tätig. Obwohl er nun zurücktritt, bleibt er weiterhin für das Dorf aktiv.
«Das Dorf richtig kennenlernen, hinter die ...
Hans-Rudolf Müller verlässt den Gemeinderat
Mit Freude an der Sache war Hans-Rudolf Müller im Gemeinderat tätig. Obwohl er nun zurücktritt, bleibt er weiterhin für das Dorf aktiv.
«Das Dorf richtig kennenlernen, hinter die Fassade blicken» – schon immer haben Hans-Rudolf Müller diese Aspekte der Gemeindepolitik gereizt. Deshalb wollte er im Jahr 2010, als er überraschend für den Gemeinderat angefragt wurde, auch nicht «Nein» sagen. Seither sind elf Jahre vergangen. Und Müller kann auf einiges, an dem er für das Dorf mitgewirkt hat, zurückblicken. Trotz Rücktritt wird er aktiv im Dorf bleiben, so für den Natur- und Umweltschutz. --red
Ein richtiger Fan geworden
Nach elf Jahren im Waltenschwiler Gemeinderat hört Hans-Rudolf Müller Ende Jahr auf
Dass er damals angefragt wurde, überraschte Hans-Rudolf Müller. Aus der Motivation, herauszufinden, wie das Dorf eigentlich funktioniert, wurde eine elfjährige Tätigkeit. Das FeuerWerk und die Erweiterung des Kindergartens nennt Müller als Höhepunkte. Jetzt hört er auf, weil das Amt immer schwerer mit dem Beruf vereinbar ist.
Annemarie Keusch
Hans-Rudolf Müller wäre der richtige Mann für in jede Findungskommission. Seine Worte strotzen vor Überzeugung. «Nein», sagt er wie aus der Pistole geschossen. Bereut habe er es nie, vielleicht aus etwas naiver Neugierde Ja gesagt und für den Gemeinderat kandidiert zu haben. «Überhaupt nie.» Klar, es sei eine Verantwortung, die man zu tragen habe. Er sei ein Stück weit im Fokus gestanden. «Dafür braucht es in manchen Momenten einen breiten Rücken», gibt er zu. Vor allem aber hatte Hans-Rudolf Müller Freude am Amt. Diese strahlt er aus, diese fasst er in Worte. «Es ist eine tolle Chance, etwas bewirken zu können. Ich kann das allen nur empfehlen, die bereit sind, Zeit in ein solches Amt zu investieren.» Die Gemeinde kennenlernen, sehen, wie sie funktioniert, was es alles braucht – «wäre ich nie im Gemeinderat gewesen, wüsste ich ganz vieles nicht».
Neu war Hans-Rudolf Müller nicht im Dorf, als er 2010 für den Gemeinderat angefragt wurde. Schon fast 20 Jahre lebte er damals im Dorf. «Wir kamen nach Waltenschwil, weil wir hier ein passendes Haus mieten konnten und später das Glück hatten, ein Stück Land zu kaufen und unseren Traum vom Eigenheim zu ermöglichen», erzählt er. Mit «wir» meint er seine Frau Corinne und seine mittlerweile erwachsenen zwei Kinder. «Und doch habe ich Waltenschwil kaum gekannt», sagt er. Frühmorgens zur Arbeit, spätabends retour. Dass darum ausgerechnet er angefragt wurde, als es nach dem Rücktritt von Josef Füglistaler eine Vakanz im Gemeinderat gab, das habe ihn überrascht.
An jeder Sitzung gelacht
Und trotzdem sagte Müller zu. Geahnt, was auf ihn zukommt, das hat er. Sein Schwiegervater Ernst Häner war einst Gemeindeammann in Wohlen. Was ihn motivierte? «Das Dorf richtig kennenlernen, hinter die Fassade blicken.» Aufs Einarbeiten habe er sich richtiggehend gefreut. Aber zuerst musste er eine Kampfwahl überstehen. «Das war toll. Es ist doch schön, wenn die Bevölkerung eine Auswahl hat.» Umso mehr freut es Müller, dass auch die Ersatzwahl für seinen Sitz eine Kampfwahl war. «Das zeigt, dass die Leute bereit sind, sich für das Dorf einzusetzen, das ist viel wert», ist er überzeugt. Enttäuscht ist Müller aber darüber, dass die Stimmbeteiligung bei knapp 28 Prozent lag. «Das ist ein schwaches Zeichen von der Waltenschwiler Bevölkerung.»
Schöne, aber auch enttäuschende Momente hat Müller während der elf Jahre im Gemeinderat viele erlebt. «Die positiven sind in deutlicher Überzahl», sagt er. «Was mich immer wieder genervt hat, ist, wenn hinter dem Rücken anderer geredet wird.» Im Gemeinderat sei das nie vorgekommen. «Gegen die Diskussionskultur im Gemeinderat liesse sich in all den elf Jahren nichts Negatives sagen. Wir haben teilweise hart diskutiert, aber immer fair. Und an jeder Sitzung haben wir mindestens einmal gelacht. Ich kann mich nur wiederholen, es war einfach eine tolle Zeit.»
Besondere Momente
Eine Zeit, in der er viel gelernt habe und «in der ich hoffentlich auch für Waltenschwil Gutes machen konnte». Die Liste mit Projekten, die er mitrealisiert hat, zeigt dies deutlich. Das erste Grossprojekt sei die Revision der Bau- und Nutzungsordnung. «An der ersten Sitzung habe ich nicht verstanden, worum es genau geht.» Heute kann Hans-Rudolf Müller darüber lachen. Mittlerweile ist er quasi ein Experte. «Aber ich kenne das Baugesetz nicht auswendig, auch wenn das in manchen Gesprächen scheinbar vorausgesetzt ist.» Das «FeuerWerk» ist das Projekt, das ihn als Gemeinderat am längsten beschäftigt hat – von 2014 bis 2018. «Die Eröffnung war ein ganz besonderer Moment.» Gleiches sagt er über den Ausbau des Kindergartens, als die Kinder die Eröffnung mitgestalteten und er seine Rede in Märchenform hielt. «Das habe ich noch in lebhafter Erinnerung.» Dass er die Sanierung und Erweiterung des Gemeindehauses auf einen guten Weg gebracht hat, freut ihn ebenso. Und Müller denkt weiter. «Hoffentlich kommt es auch mit der Gesamtplanung Bannegg gut.» Dieses Projekt wird sein Nachfolger in Angriff nehmen. «Ich habe mir vorgenommen, ganz loszulassen, aber das Interesse geht natürlich nicht weg. Die Termine für die Gemeindeversammlungen nächsten Jahres sind bereits eingetragen.»
Doppelbelastung nahm zu
Diesen Weg wird die Gemeinde ohne Hans-Rudolf Müller als Gemeinderat in Angriff nehmen. Im Frühling hat er entschieden, per Ende Jahr zurückzutreten. «Bis vor zwei Jahren waren Beruf und Gemeinderatstätigkeit gut vereinbar. Aber der berufliche Druck nahm zu. Das belastete mich zusehends.» Leicht sei ihm der Entscheid nicht gefallen. Zu gerne war er elf Jahre lang Gemeinderat. Zu sehr hat ihm diese Tätigkeit gefallen. Aber der 59-Jährige freut sich darauf, mehr Zeit für die Familie, Haus und Garten und den Hund zu haben. «Und ich freue mich darauf, nach Feierabend nicht mehr Mails beantworten oder Unterlagen studieren zu müssen.»
Waltenschwil sei seine Heimat geworden, sagt Hans-Rudolf Müller. Hier bleibt er wohnen. «Ich wüsste nicht, weshalb wir weg von hier sollten. Hier haben wir uns ab dem ersten Tag heimisch gefühlt. Hier gefällt es uns.» Und hier sind seine Frau Corinne und er auch aktiv im Naturund Umweltschutz, etwa im Kampf gegen Neophyten, oder sie sammeln Abfall aus der Bünz. «Unseren Beitrag leisten wir weiterhin, wenn auch nicht mehr im Gemeinderat.»


