Tatsächlich eine Richtungswahl
29.08.2025 Wohlen, Wahlen, PolitikDas Gemeindeammann-Duell: Herausforderer Roland Vogt (SVP) gegen Amtsinhaber Arsène Perroud (SP)
Die schlechten finanziellen Aussichten, das schnelle Wachstum, die Schulraumproblematik. Genug Stoff für das Gemeindeammann-Duell. Arsène Perroud und Roland ...
Das Gemeindeammann-Duell: Herausforderer Roland Vogt (SVP) gegen Amtsinhaber Arsène Perroud (SP)
Die schlechten finanziellen Aussichten, das schnelle Wachstum, die Schulraumproblematik. Genug Stoff für das Gemeindeammann-Duell. Arsène Perroud und Roland Vogt begegneten sich auf Augenhöhe.
Daniel Marti
«Die Bevölkerung ist mit vielem nicht mehr einverstanden. Es braucht eine Trendwende.» Klar und in zwei Sätzen formulierte Roland Vogt, warum er Anspruch erhebt auf den Job des Gemeindeammanns. «Viele Menschen sind mit dem aktuellen Kurs nicht mehr einverstanden. Es geht zu schnell, die Kosten sind zu hoch, und Wohlen kann sich nicht alles leisten.» Das alles will der SVP-Kandidat in den nächsten vier Jahren ändern. Das sei ja ein Angriff, folgerte Moderator Peter Hochuli. Legitim natürlich. Politik pur. Dem Teil der Unzufriedenen in der Bevölkerung wolle er eine Wahlchance geben, so Vogt weiter.
Der SVP-Grossrat Vogt will also den SP-Grossrat Perroud vom Gemeindeammannthron stürzen. Dabei machte Arsène Perroud geltend, dass er über einen grossen Leistungsausweis verfüge und dass er grosse und wichtige Themen angepackt habe. Er stehe auch weiter ein mit einem grossen Engagement für die Gemeinde.
Auch Roland Vogt machte geltend, dass er dem Job des Gemeindeammanns gewachsen sein wird. Seit zehn Jahren im Gemeinderat betreute er drei Ressorts (Finanzen, Sicherheit sowie aktuell Gesellschaft, Soziales und Bildung). «Da konnte ich mir einen grossen und vielfältigen Einblick verschaffen.»
Nur ausgeben, was man hat
Recht rasch war das spannende Duell bei Wohlens schiefer Finanzlage angelangt. Natürlich sei der tiefe Steuerertrag ein Problem, so Perroud. Die laufende Rechnung gerate immer wieder unter Druck, sagte er weiter. Die Ausgaben der Pflegefinanzierung und der Sozialhilfe steigen laufend. «Dies ist dem Bevölkerungswachstum geschuldet.» Zudem kommt der «riesige Druck der Investitionen auf die Erfolgsrechnung hinzu. Aber eine Gemeinde hat nun mal ihre Aufgaben zu erfüllen.»
So gesehen könne man laut Perroud stolz sein, dass mit dem Budget meistens eine Punktlandung gelingt. «Aber auch eine Gemeinde kann nur so viel Geld ausgeben, wie sie hat», räumte Vogt ein. Die hohe Steuerfussstrategie sei einfach die falsche Politik, «denn so kommen die guten Steuerzahler sicher nicht nach Wohlen. Oder sie verlassen Wohlen.» Da gebe es aber keine Belege, dass gute Steuerzahler wegziehen, reklamierte Perroud. «Und die Grossprojekte basieren ja immer auf Mehrheitsentscheidungen.»
Trotzdem müsse der Gemeinderat künftig pragmatisch vorgehen, «und der Gemeinderat darf auch mal Nein sagen», so Roland Vogt. Jedes noch so herausfordernde Projekt müsse schliesslich auch bezahlt werden. «Wir befinden uns nun mal in einem Zyklus mit viel Werterhalt und sogenannten Zwangsaufgaben», konterte Amtsinhaber Perroud. Wer den Werterhalt aufschieben wolle, der bekomme dies wie mit einem Bumerang zurück. Und das Volk habe zu den Grossprojekten an der Urne immer Ja gesagt, doppelte er nach. Er zählte Badi, Eishalle, Bushof, Sporthalle Hofmatten, Schulzentrum Halde auf.
«Das findet niemand lässig»
Und letztlich haben grosse Gemeinden wie Bremgarten und Wohlen mit den Zentrumslasten den Spagat zu machen, folgerte der Moderator. «Wir sind gerne Zentrumsgemeinde», betonte Vogt. Das Hauptproblem sei aber das schnelle Wachstum – schweizweit und in Wohlen. «Dieses Wachstum findet niemand lässig», pflichtete Perroud bei, «aber wir kommen nich drumherum.» Er wolle mit seinem Team Wohlen darauf vorbereiten, dass es auch in 30 Jahren genügend Platz habe.
Genügend Platz brauchen auch die über 2400 Schülerinnen und Schüler – logisch, dass das Schulraumproblem bei diesem Duell angesprochen wurde. «Dieses Problem haben alle Gemeinden», so Vogt, «und es gibt immer verschiedene Lösungen.» Lösungen, die vielleicht in Wohlen zu wenig diskutiert wurden. Die Lernlandschaften an der Bezirksschule brauchen laut Vogt (zu) viel Platz, «was die Sache teuer macht.
Oder am Mittwochnachmittag steht jede Schulanlage leer.» Oder dass man im Schulzentrum Bünzmatt eine Einfach-Turnhalle plante, sei einfach nur falsch. Man könne mit den Schülern auch mal auf die Eisbahn, in die Badi, ins Sportzentrum, an den Vita-Parcours.
Neuer Schulraum: Synergien nutzen, Konsens finden
«Wir werden den eingeschlagenen Weg weitergehen», sagte Perroud. Fast schon ein wenig trotzig. Zur Erinnerung: Die Schulraumprojekte wurden im letzten Herbst mit rund 62 Prozent Nein wuchtig abgelehnt. Die Vorlage habe Fehler aufgewiesen, gab Perroud dann doch noch zu. «Der Umfang, das hohe Tempo, und wir wollten alles miteinander verschachteln.» Nun werden gegen Ende Jahr neue Resultate präsentiert. «Wir sind auf einem guten Weg. Wir werden mit den bestehenden Anlagen Synergien entwickeln und den Konsens finden», so Perroud. Man solle dabei das Volk nicht vergessen, warnte Vogt. «Das Volk entscheidet», und das habe bei der letzten Referendumsabstimmung zu Recht «dem Gemeinderat einen Denkzettel erteilt». Stillstand sei keine Option, griff Perroud seinen Wahlslogan auf. Wohnraum, Digitalisierung, Verkehr, Raumplanung «sind wichtige Aufgaben, die zu lösen sind».
Der nötige neue Schulraum nahm in der Fragerunde einen grossen Platz ein. Im vergangenen Januar hat die SVP etliche Fragen samt Konzept dem Gemeinderat eingereicht. Bis heute herrscht Funkstille. «Nichts gehört», kritisierte Einwohnerrat Manfred Breitschmid. Weil sich eben die SVP aus der Mitwirkungsgruppe verabschiedet habe, lautete die Begründung, Antworten gebe es dann mit der neuen Schulraumplang, erklärte Perroud. Dass es hier keinen Brückenschlag zwischen Gemeinderat und SVP gegeben hat, ist wohl der Ursprung des nicht gelösten Schulraumproblems – oder ebenfalls von vielen anderen Problemen.