Viel Naturerlebnis auf wenig Raum
27.02.2026 Muri, Baugewerbe, NaturDas Baugesuch für den Natur-Lernort im Maiholzwald liegt öffentlich auf
Der einstige Klosterwald gehört längst dem Kanton. Zum Klosterjubiläum soll nun die lokale Bevölkerung wieder etwas davon haben. Geplant ist ein Naturerlebnispfad als ...
Das Baugesuch für den Natur-Lernort im Maiholzwald liegt öffentlich auf
Der einstige Klosterwald gehört längst dem Kanton. Zum Klosterjubiläum soll nun die lokale Bevölkerung wieder etwas davon haben. Geplant ist ein Naturerlebnispfad als Naherholungsgebiet und Lernort.
Thomas Stöckli
Das Wegnetz im Wald steht grundsätzlich allen offen. Dem Nebeneinander von Mensch und Natur dient es allerdings, für Entflechtung zu sorgen. Im Maiholzwald stehen im Bereich um den Forstwerkhof und den Rebberg die Bedürfnisse der Erholungssuchenden im Fokus, während gegen Merenschwand hin der Fokus auf Wildtieren und Natur liegt. Der Naturerlebnispfad, den die Einwohnergemeinde plant – auch als bleibende Erinnerung ans 1000-Jahr-Jubiläum des Klosters Muri –, soll dazu beitragen, die Freizeitnutzung auf den gewünschten Waldteil zu konzentrieren.
Natur und Wald als Lernort
Herzstück des geplanten Lernorts Wald und Natur ist ein 300 Meter langer Holzsteg, der schlaufenförmig durch den ehemaligen Pflanzgarten verläuft.
Ein rund fünf mal fünf Meter grosser Platz, im ruhigen, südöstlichen Bereich des Stegs gelegen, ermöglicht Gruppenbesprechungen, aber auch Aktivitäten wie Yoga oder bewusstes Eintauchen in die Waldatmosphäre. In einem rund 20 Meter langen Zwischenbereich des Holzstegs ist ein Barfussweg vorgesehen, der ein taktiles Erlebnis ermöglicht, mit verschiedenen Materialien wie Steinen und Sand, Tannzapfen und Moos, Holzschnitzeln und Sägemehl.
Eine erklärte Zielgruppe für den Naturerlebnispfad sind nebst der ganzen Bevölkerung insbesondere Schulklassen. Ihnen kommt zugute, dass hinter der Waldhütte bereits ein Unterstand besteht. Er soll als Windschutz einseitig mit einer Holzfassade geschlossen werden. So ein Unterstand sei für den wetterunabhängigen Betrieb eines Lernorts Wald und Natur zwingend notwendig, betont Linus Staubli. Feuerstellen und ein Holzbrunnen runden das Gesamtpaket Naturerlebnis ab.
Vielfalt an Lebensräumen
«Wir wollen auf kleinem Raum viel Natur vermitteln können», erklärt Förster Linus Staubli von WaldFokus, der hinter dem Konzept steht. Dazu sollen entlang des Holzstegs die 50 wichtigsten Baum- und Straucharten vermittelt werden – zum Rätseln mit verdeckter Auflösung. Eine Ruderalfläche an der sonnigen Rückwand des Forstwerkhofs erschliesst derweil die Welt der Wildbienen und Reptilien. Weiter komplettieren Totholz, Asthaufen und ein Biotop die Vielfalt an Lebensräumen.
Geplant ist auch, die verschiedenen Funktionen aufzuzeigen, die ein Wald wahrnehmen kann. Nebst der Holzproduktion, dem Schutz vor Lawinen und Erdrutschen und der ökologischen Vielfalt gehört dazu eben auch die Naherholung. Informationen über Imkerei und Jagd runden das Angebot des Lernorts ab. Ziel sei es, «ein gut erreichbares, attraktives und naturnahes Gebiet zu schaffen, das Waldbesuchende gezielt anzieht», so Staubli. Im Umkehrschluss bedeutet das, die übrigen Waldflächen wirksam vom hohen Erholungsdruck zu entlasten.
Breit abgestütztes Konzept
Rund 10 bis 15 Jahre soll die Anlage gemäss Bedarfsnachweis in Betrieb sein. Die grosse Herausforderung sei gewesen, mit allen Beteiligten einen Konsens zu finden, blickt Linus Staubli auf die Planungsarbeit zurück, die vor fast zwei Jahren ihren Anfang genommen hat. Involviert waren nebst der Einwohnergemeinde als Bauherrin sowie dem Kanton und der Ortsbürgergemeinde als Eigentümer auch Forst und Jagd.
Das Ergebnis ist ein breit abgestütztes Konzept. Das zeigt sich auch in der Regelung des Unterhalts: Die wöchentliche Littering-Kontrolle liegt in der Verantwortung des Werkdiensts Muri, die restlichen Pflegemassnahmen teilen sich der Forstbetrieb und die Abteilung Wald gemäss Pflegeverträgen.
Der Naturerlebnispfad ist nur eines von drei Projekten, mit denen der Maiholzwald im Sinne der Bevölkerung aufgewertet werden soll. Vorgesehen sind ferner ein Skulpturenweg, dessen Plan aktuell ebenfalls öffentlich aufliegt
– hier hat die Ortsbürgergemeinde den Lead –, und eine naturnahe Möglichkeit für Aschebestattungen in einem klar definierten Gebiet im Wald. Klar ist: Persönliche Erinnerungsstücke werden hier nicht erlaubt sein. Als einziges Objekt ist ein Gedenkstein geplant.


