Wenn das Geld im Alter knapp wird
20.09.2024 Wirtschaft, Region Wohlen, Region Bremgarten, Region Unterfreiamt, Region OberfreiamtDie Inflation spüren auch die Senioren aus der Region
Durch die Teuerung verändert sich insbesondere auch die Situation von älteren Menschen. Senioren, die eh schon mit dem Geld haushalten mussten, haben nun Probleme. Pro Senectute hilft in solchen ...
Die Inflation spüren auch die Senioren aus der Region
Durch die Teuerung verändert sich insbesondere auch die Situation von älteren Menschen. Senioren, die eh schon mit dem Geld haushalten mussten, haben nun Probleme. Pro Senectute hilft in solchen Fällen. Mit Beratung – und wenns sein muss auch finanziell.
Das Geld wird knapper bei vielen Seniorinnen und Senioren der Region. Das bestätigt Thomas Winterberger, Teamleiter und Sozialarbeiter von Pro Senectute: «Seit 2023 ist die Steigerung der Lebenshaltungskosten bei uns als Fachorganisation für Seniorinnen durch vermehrte Kontaktnahme für Beratung und Anfrage nach finanzieller Unterstützung deutlich angestiegen.» Parallel zur Teuerung also. Unter anderem haben sich gemäss Winterberger in den letzten zwei Jahren vermehrt Leute gemeldet, die ihren Anspruch auf Ergänzungsleistungen prüfen lassen oder sich zu ihrem Budget beraten lassen wollten.
Auch gesundheitliche Auswirkungen
Und die Thematik zeigt auch Auswirkungen weit über das Finanzielle hinaus. Denn: Bei vielen älteren Menschen, die ein knappes Budget haben, löst die allgemeine Kostensteigerung Stress aus. Da dies oft ein anhaltendes Problem ist, wird dadurch wohl auch die Gesundheit beeinträchtigt. «Mein Eindruck aus dem Beratungsalltag ist, dass ein erhöhter Gesprächsbedarf und auch auffälliges Verhalten in jüngster Zeit häufiger vorkommen als noch vor ein paar Jahren», sagt Winterberger. Er spürt auch in seinem Arbeitsalltag, dass das «offene Ohr» von Pro Senectute vermehrt gefragt zu sein scheint. Das bringt die Mitarbeitenden an ihre Belastungsgrenzen. «Der zeitliche Rahmen, den wir für die Beratungen haben, droht durch den hohen Gesprächsbedarf vieler Leute und die zunehmende Anzahl der Hilfesuchenden gesprengt zu werden, was die Wartezeiten für Beratungstermine phasenweise auf mehrere Wochen ansteigen lässt», sagt Winterberger.
Knapp Nicht-EL-Bezüger stark betroffen
Was der Sozialarbeiter betonen möchte: Es sind nicht nur die älteren Menschen, die Ergänzungsleistungen beziehen, stark von der Teuerung betroffen. Oftmals trifft es jene, die nicht zum Zug kommen am härtesten. «Personen, welche knapp keine Ergänzungsleistungen zugut haben, stehen aufgrund der Gesetzgebung finanziell effektiv noch schlechter da als Ergänzungsleistungs-Bezüger», sagt Winterberger.
Heiz- und Nebenkosten als Problem
Konkret im Alltag sind unter anderem vor allem die Heiz- und Nebenkostenabrechnungen für viele Personen zum grossen bis unlösbaren Problem geworden. Hat jemand kein Vermögen mehr – etwa hochaltrige Personen, die jahrelang von ihren Ersparnissen gezehrt haben –, bleibt im Budget oft kaum oder kein Spielraum für unvorhergesehene Ausgaben von mehreren Hundert Franken.
Die Pro Senectute kann unter gewissen Voraussetzungen in solchen Fällen Finanzhilfe leisten. Bezieht jemand Ergänzungsleistungen (EL) oder lebt an der EL-Grenze, wobei das Vermögen weitgehend aufgebraucht ist, können die Sozialarbeitenden Finanzhilfegesuche einreichen. Die Pro Senectute merkt, dass immer öfter um eine solche finanzielle Unterstützung ersucht wird. «Abgesehen von der Verunsicherung und den durch die Teuerung ausgelösten Ängsten, die wir öfter wahrnehmen, erhalten wir seit 2023 viel mehr Anfragen nach finanzieller Unterstützung», sagt Winterberger. Und auch die Bitten um Unterstützung bei der Anschaffung von Alltagsgeräten für Senioren nehmen zu, da diese nicht vollständig von AHV/EL übernommen werden. «Die Anfragen nach Finanzhilfe für die Anschaffung von Brillen, Hörgeräten, Rollatoren und Notfallsystemen steigen merklich», sagt Winterberger. Das alles schlägt sich auch in den Zahlen der Pro Senectute nieder. «Unsere Ausgaben für die Individuelle Finanzhilfe (IF) sind seit 2023 sehr stark gestiegen. Wie auch die Fallzahlen.»
Direkte und indirekte Hilfe
Doch nicht nur mit direkter Finanzhilfe kann Pro Senectute der Geldnot Linderung verschaffen. Immer mehr Menschen nutzen das Angebot einer Kultur-Legi der Caritas. EL-Beziehende können eine solche beantragen. Bei Pro Senectute Aargau kann man mit einer gültigen Kultur-Legi Bildungskurse oder Sportgruppen-Angebote bis zu einem Gegenwert von 2000 Franken pro Jahr kostenlos besuchen. «Die Nachfrage nach kostenloser Teilnahme an solchen soziokulturellen Veranstaltungen ist in den letzten Jahren markant gestiegen», sagt Winterberger.
Neben der konkreten finanziellen Hilfe versucht die Pro Senectute auch Strategien aufzuzeigen, wie finanzielle Engpässe künftig möglichst vermieden werden können. Dies geschieht etwa durch kostenlose Sozialberatung, in der man sich zur finanziellen Situation beraten lassen kann.
Darüber hinaus steht ein Ergänzungsleistungs-Rechner auf der Website zur Prüfung eines Anspruchs zur Verfügung. Und ein Steuererklärungssowie ein Treuhanddienst, der für solidarische Tarife nach Höhe des Einkommens in Anspruch genommen werden kann. «Und nicht zuletzt ist auch die soziale Teilhabe weiterhin wichtig. Auch wenn das Geld knapp wird», sagt Winterberger. Hier biete die Pro Senectute zahlreich Angebote: Mittagstische in den Gemeinden, Sportgruppen, Spiel- und Jass-Nachmittage, Disco 60+ – und viele mehr. --huy