Wenn Gnus mit Schafen weiden
17.03.2026 Region Oberfreiamt, BoswilVieh und Wildtiere
Jakob Dolder im Einsatz in Kenia
Seit seiner Pensionierung verbringt der Boswiler Jakob Dolder in der kalten Jahreszeit immer wieder mehrere Wochen auf der Südhalbkugel. Nur Ferien sind es aber nicht, denn Dolder leistet ...
Vieh und Wildtiere
Jakob Dolder im Einsatz in Kenia
Seit seiner Pensionierung verbringt der Boswiler Jakob Dolder in der kalten Jahreszeit immer wieder mehrere Wochen auf der Südhalbkugel. Nur Ferien sind es aber nicht, denn Dolder leistet Einsätze zugunsten von Natur und Tierwelt. Zuletzt war er nun in Kenia. In einem Pilotprojekt sollen Wildtiere und Vieh zusammen weiden – etwa Gnus und Schafe. --ake
Der Boswiler Jakob Dolder erzählt von seinem Einsatz in der Conservancy Pardamat in Kenia
Es ist ein Pilotprojekt. Eine Idee, die bisher nirgends umgesetzt wurde. Dass ausserhalb des Greater-Maasai-Nationalparks in Kenia Wild- mit Nutztieren weiden. So entstehen Korridore, die den genetischen Austausch im Nationalpark fördern. Jakob Dolder hat das Projekt vier Wochen lang besucht und beim Zählen der Wildtiere mitgearbeitet.
Annemarie Keusch
Die Herausforderungen ähneln sich. Auch wenn die Länder, die Kulturen ganz andere sind. «Das Miteinander von Vieh und Wildtieren ist auch in der Schweiz kein einfaches Thema», sagt auch Jakob Dolder. Zum Beispiel mit dem Wolf. Und auch in Kenia bewegt es die Gemüter. Rund um den Maasai-Mara-Nationalpark, wo die Maasai leben und ihre Viehzucht betreiben. Waren sie einst als Nomaden mit ihren Herden grossflächig unterwegs, sind sie mittlerweile sesshaft geworden. Ihre Rinder, Ziegen oder Schafe sind eingezäunt. Auch zum Schutz vor beispielsweise Hyänen. «Wie die Schweizer Schäfer ihre Tiere auch einzäunen, um sie vor Wolfsangriffen zu schützen», sagt Dolder.
Diese Zäune bringen aber Probleme mit sich. Die Korridore werden immer enger, verschwinden ganz. Heisst, es gibt keinen Austausch mehr zwischen den Tieren, die im und ausserhalb des Nationalparks leben. «Das kann gravierende Folgen haben.» Inzucht beispielsweise. Oder das aufwendige Einfliegen von neuen Tieren, damit der genetische Austausch wieder erfolgt. Dass es auch einfacher geht, zeigt ein Pilotprojekt der Conservancy Pardamat. «Eingeschränkte Schutzgebiete», beschreibt Dolder den Begriff Conservancy. Hier leben die Viehzüchter, hier leben aber auch Wildtiere – Zebras, Gnus, Gazellen. «Immer mehr», weiss Jakob Dolder zu berichten.
Raubtiere keine grosse Gefahr
Das Pilotprojekt läuft seit rund zehn Jahren und entschädigt die Einheimischen, wenn sie die Zäune rund um ihre Weiden entfernen. Entschädigungen gibt es auch, wenn nachgewiesen werden kann, dass eine Hyäne ein Tier riss. «Natürlich braucht das viel Überzeugungsarbeit», erzählt Jakob Dolder. Weil der Anblick von weidenden Herden, bestehend aus Gazellen, Rindern und Zebras, doch ein spezieller ist. «Obwohl sie sich gegenseitig nicht schaden und alles Grasfresser sind.» Genau darin könnte aber eine der Herausforderungen entstehen. Hat es genug Nahrung für alle Tiere? «Da spielen die klimatischen Veränderungen dem Prozess für einmal in die Karten», erzählt Jakob Dolder. In Äquator-Nähe regnet es öfter, das Gras wächst üppiger. Keine Gefahr sieht Dolder hingegen darin, dass das Miteinander mehr Risse durch Raubtiere mit sich bringt. «Raubtiere meiden menschliche Siedlungen und die Herden sind immer von Hirten bewacht.» Das bringt auch mit sich, dass die Wildtiere mehr und mehr auf die grosse Wanderung verzichten. «Sie sind schlau und nehmen dieses Risiko nicht auf sich, wenn es ihnen in den Conservancys bei den Menschen gut geht.»
Schule ist Teil des Projekts
Finanzielle Anreize, um die Gepflogenheiten zu verändern – neu ist dieser Ansatz nicht. Doch er scheint zu funktionieren. Mehr und mehr soll das Bewusstsein für die gesamte Natur und nicht nur für das eigene Vieh aufgebaut werden. Das Thema auch in die anderen total 120 Conservancys zu bringen, ist das nächste Ziel. In Pardamat erfolgt der Aufbau akribisch. Seit 2022 gehört eine Schule zum Projekt. Rund um Tourismus werden die Kinder ausgebildet – Koch, Service, Tourguide und so weiter. «Sie beziehen sie mit ein, klären auf und informieren. Dieses Wissen geht dann in die Familien. Ein enorm wichtiger Aspekt», weiss auch Jakob Dolder. «Auch das ist wie bei uns. Verhaltensmuster zu verändern, das braucht Zeit, oft über mehrere Generationen.»
Bewegende Begegnungen – mit Mensch und Tier
Sieben Wochen weilte er nun total in Kenia, davon vier Wochen in Pardamat. Über die kalten Wintermonate in der Wärme bei Natur- und Tierschutzprojekten mitzuwirken, das macht Dolder seit mehreren Jahren. Wildtiere zu zählen, das war seine Aufgabe in Kenia. «Das sind Daten, aus denen dann Statistiken entstehen», erzählt er. Der Boswiler erzählt von bewegenden Begegnungen. Vor allem mit den Kindern und Jugendlichen in der Schule. «Wenn eine junge Frau erzählt, dass sie elfjährig zum ersten Mal Mutter wurde, dann geht das schon unter die Haut.» Aber auch Begegnungen in der Tierwelt beeindruckten. Etwa jene mit einer Gruppe von 14 männlichen Elefanten. «Eine Seltenheit. Männliche Elefanten sind normalerweise Einzelgänger.» Auch eine Folge des menschlichen Einflusses. Weil die Korridore in und aus dem Nationalpark weniger wurden, fanden die Elefanten diese schlicht nicht. «Für so viele hat es im Park schlicht zu wenig Platz.»
Dolder will diese Aussagen nicht als Vorwürfe verstanden haben. «Es ist das Gleiche wie bei uns», sagt er. Auch in der Schweiz hat der Mensch die Kulturlandschaft stark mitgeprägt. Auch im Freiamt sind Vernetzungsmassnahmen in der Natur aktueller denn je.
Kontakt zu Herby Wiederkehr
Natucate. So heisst der Anbieter, wo Jakob Dolder einst die Ranger-Ausbildung absolvierte. Und über diese Plattform bucht er regelmässig seine Einsätze zugunsten von Tieren und Natur überall auf der Welt. Bald ist auch das Projekt des Wohlers Herbert Wiederkehr in Uganda dort aufgeschaltet und Freiwillige zahlen, um vor Ort helfen zu können. Zehn Jahre lang lebte und arbeitete Herbert Wiederkehr als Entwicklungshelfer in Uganda. Dank dem Verein «Friends of Teco» ist er mit der Gegend immer noch eng verbunden. «Wir kamen dank den Zeitungsberichten in den Freiämter Regionalzeitungen in Kontakt», erzählt Jakob Dolder. Er vermittelte die Kontakte zu Natucate, die Aufschaltung erfolgt bis Ende Monat. «Eine tolle Sache, vor allem auch um die Zukunft von Herbert Wiederkehrs tollem Projekt in Uganda zu sichern.» --ake



