Wie gewonnen, so zerronnen
27.02.2026 Sport, Eishockey3. Liga, Play-offs: HC Fischbach-Göslikon – HC Münchenbuchsee 6:7 n. V. (1:3, 3:2, 2:1, 0:1)
Die Gastgeber rennen lange einem Rückstand nach. Drehen das Spiel in den Schlussminuten. Kassieren aber 7 Sekunden vor Schluss den Ausgleich und kurz vor Ende ...
3. Liga, Play-offs: HC Fischbach-Göslikon – HC Münchenbuchsee 6:7 n. V. (1:3, 3:2, 2:1, 0:1)
Die Gastgeber rennen lange einem Rückstand nach. Drehen das Spiel in den Schlussminuten. Kassieren aber 7 Sekunden vor Schluss den Ausgleich und kurz vor Ende der Verlängerung den K.-o.-Schlag. Dramatischer kann man kaum aus den Play-offs ausscheiden.
Chregi Hansen
Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt liegen nur wenige Minuten. Der Play-off-Viertelfinal zwischen Fi-Gö und Münchenbuchsee-Moosseedorf vor 130 Zuschauern im Schüwo-Park Wohlen war Drama pur. Drei Minuten vor Ende der Partie nimmt Fi-Gö den Torhüter aus dem Spiel, bringt einen weiteren Feldspieler – und erzwingt Boris Neher mit einem Schuss von hinter dem Tor via Rücken des Goalies den Ausgleich. 5:5. Und 34 Sekunden vor Schluss stochert Carlos Zuberbühler nach einem Gerangel vor dem Tor den Puck über die Linie – Führung. 6:5.
Spektakel in der Verlängerung
Das Momentum scheint in dieser Phase zu kippen. Das ganze Spiel über liefen die Gastgeber einem Rückstand nach – nun, nur Sekunden vor dem Ende, liegen sie tatsächlich in Führung. Der Jubel bei Spielern und Zuschauern ist riesig. Doch noch ist nicht Schluss. Jetzt nimmt auch der Gegner den Torwart vom Feld. Es kommt zum Hitchcock-Final. Fi-Gö bringt den Puck nicht aus dem eigenen Drittel, und sieben Sekunden vor der Schlusssirene kann Münchenbuchsee mit einem satten Schuss ausgleichen. Es ist das erste Gegentor für Goalie Ramon Hüsser, der Mitte des zweiten Drittels seinen Kollegen Fabian Klaas ersetzt und bis dahin alle Schüsse pariert hat.
Zeit, um die Wunden zu lecken, bleibt keine. Nach dem 5:5 im Spiel vom Samstag und dem 6:6 in der aktuellen Partie muss die Verlängerung darüber entscheiden, welches der beiden Teams den Halbfinal erreicht. In dieser sind jeweils nur drei Feldspieler auf dem Eis – ein Spektakel für das Publikum, ein Stress für die Akteure. In hoher Geschwindigkeit geht es hin und her mit Chancen auf beiden Seiten. Es gibt kaum Unterbrüche, gewechselt wird «fliegend». Und genau ein solcher Wechsel zu einem unglücklichen Zeitpunkt wird den Gastgebern zum Verhängnis. Für einen kurzen Moment sind sie in Unterzahl, dann kann Lou Schmutz allein auf Goalie Hüsser zulaufen – und seinen zweiten Treffer des Abends erzielen. 6:7. Schluss, Aus, Ende. Jubelnde Gäste, enttäuschte Freiämter. So nahe dran waren sie am Sieg. Und nun ist die Meisterschaft vorbei.
Fi-Gö muss böse untendurch
Dass diese Play-off-Partie so dramatisch endet, war angesichts des Spielverlaufs nicht zu erwarten. Fi-Gö musste zu Beginn böse untendurch, stand im ersten Drittel unter Dauerdruck und konnte sich kaum Chancen erarbeiten. Die Gäste aus dem Kanton Bern spielten schnell, aggressiv und mit einer gewissen Härte, was den Gastgebern Mühe bereitete. Vor allem Fi-Gös Defensive wirkte oft überfordert, leistete sich viele Fehler – das Fehlen von Captain Kevin Barz, sonst der ruhende Pol der Abwehr, machte sich deutlich bemerkbar. Immer wieder ging der Puck unglücklich verloren. Symbolisch dafür die Aktion, die zum 3:0 für Münsingen führte. Fabian Zimmermann kam als hinterster Mann ins Straucheln und stürzte, verlor den Puck und ermöglichte so dem Gegner ein einfaches Tor.
Schlägerei als Weckruf
Doch das Team von Michel Simmen zeigte Moral. Erst gelang den Neher-Brüdern das erste Tor für die Freiämter, dann ging der Spielertrainer selber in einen In-Fight mit einem Gegner. Nach der Schlägerei mussten beide Spieler für mehrere Minuten auf die Strafbank, aber das Gerangel war ein Weckruf. Ab da konnte Fi-Gö die Partie ausgeglichener gestalten. Zwar lag man Mitte des zweiten Drittels noch mit 2:5 im Rückstand, doch dank den schön herausgespielten Toren durch Patrick Bula und Carlos Zuberbühler schaffte man wieder den Anschluss. Zwang den nervös werdenden Gegner gar zu einem Time-out.
Mit 4:5 ging es dann ins letzte Drittel. In diesem drückten die Gastgeber mit Vehemenz auf den Ausgleich, doch die Abschlüsse waren vorerst zu wenig platziert. Münchenbuchsee hingegen konzentrierte sich aufs Verteidigen, blieb aber mit schnellen Kontern stets gefährlich. Längst war das Publikum erwacht und feuerte Fi-Gö lautstark an. Tatsächlich gelangen der Ausgleich und die Führung – die man dann nicht über die Zeit brachte. Damit endete die Meisterschaft für das Team aus dem Reusstal früher als erhofft. Das Kapitel Titelverteidigung ist beendet.
Heute Cupspiel
Viel Zeit, um die Wunden zu lecken, bleibt Fi-Gö nicht. Schon heute Freitagabend (20.15 Uhr, Schüwo-Park) steht der Halbfinal des KBEHV-Cups an. Gegner ist wiederum Münchenbuchsee-Moosseedorf – die beiden Teams treffen also zum dritten Mal in sechs Tagen aufeinander. Der Sieger bestreitet dann am 15. März in Huttwil den Final. Der HC Fischbach-Göslikon hat es in der eigenen Hand, die Saison zu verlängern. Und Revanche zu nehmen für die Niederlage vom Dienstag. --ch

