Wo Tradition auf Innovation trifft
24.04.2026 Muri, TraditionenGeballte Kraft für die Region
Am Anlass von «Freiamt.Mittendrin» trafen sich Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft
Am Netzwerk-Treff in der Pflegi Muri ging es darum, die regionale Identität zu stärken. Bis 2027 ...
Geballte Kraft für die Region
Am Anlass von «Freiamt.Mittendrin» trafen sich Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft
Am Netzwerk-Treff in der Pflegi Muri ging es darum, die regionale Identität zu stärken. Bis 2027 soll eine eigenständige Wirtschafts- und Standortförderung etabliert sein.
Thomas Stöckli
Um das Oberfreiamt bestmöglich voranzubringen, braucht es ein Miteinander. Ein Miteinander der Gemeinden, von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Dieses Miteinander wurde am Netzwerkanlass von «Freiamt.Mittendrin» einmal mehr intensiv gefördert. Rund 70 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger fanden sich dazu in der Pflegi Muri ein. Nach einem spannenden Blick hinter die Kulissen der ebenso traditionsreichen wie innovativen Pflegeinstitution ergab sich beim Apéro Gelegenheit, sich über alles auszutauschen, was den Bezirk Muri derzeit bewegt. Und dazu gehört sicher auch «Freiamt.Mittendrin»: «Es ist eindrücklich, wie sich die Marke entwickelt hat», hatte Andreas Gnädinger, Präsident der Repla-Wirtschaftskommission, in seiner Begrüssung festgehalten. «Das schafft Identität», fügte er an.
Ursprünglich initiierte der Regionalplanungsverband (Repla) «Freiamt. Mittendrin» als Impulsprogramm. Inzwischen hat sich konkretisiert, wohin der Weg im gemeinsamen Nutzen von Gemeinden und Gewerbe führen soll. Die Funktion der «Drehscheibe» zum Nutzen der Region und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner soll ausgebaut und institutionalisiert werden. «Das Ziel muss eine gemeinsame Geschäftsstelle zur Wirtschafts- und Standortförderung sein», formuliert es Gnädinger. Ein Kernthema dabei: die Koordination von überkommunalen Interessen. Damit diese eigenständige Wirtschafts- und Standortförderung wie geplant 2027 ihren Betrieb aufnehmen kann, braucht es das Bekenntnis der Gemeinden sowie der Partner aus dem Gewerbe und der Kultur. So könnte man sich bei «Freiamt.Mittendrin» auch vorstellen, als «Dachmarke» für etablierte Angebote wie Erlebnis Freiamt, Murikultur und das Künstlerhaus zu fungieren, diese quasi als «Klammer» zusammenzuhalten. Von «Synergien nutzen» spricht Gnädinger in diesem Zusammenhang, «zum grösstmöglichen Nutzen von allen». Und davon, «die Region mit geballter Kraft weiterzuentwickeln».
Die Pflegimuri empfing zum Netzwerkanlass von «Freiamt.Mittendrin.»
Als Goldpartnerin trägt die Pflegimuri die regionalen Ziele der Standortförderung mit. Am Netzwerkanlass durfte sie sich, ihre Angebote und ihre Werte den Entscheidungsträgern aus dem Bezirk präsentieren.
Thomas Stöckli
Ihren historischen Rückblick startet Margit Schneider, Direktorin der Pflegimuri, mit der Gründung des ehemaligen Benediktinerklosters vor bald 1000 Jahren. Kurz darauf referiert sie bereits über die Vorreiterrolle, die ihr Haus aktuell einnimmt. «Meine 24 Stunden» heisst die Philosophie, nach welcher den Bewohnerinnen und Bewohnern zugestanden wird, ihren persönlichen Alltag weitgehend mitzugestalten und mitzubestimmen. Die Pflegi soll sich nach einem Zuhause anfühlen. Dazu gehört der Verzicht auf Arbeitskleidung: Die Mitarbeitenden sind «in Zivil» im Einsatz.
Einblick hinter die Kulissen
In vier Gruppen werden die Besucherinnen und Besucher durch die Räume geführt, in welche Gäste sonst keinen Einblick erhalten. Dazu gehört die eigene Wäscherei. Sie sei viel zu gross dimensioniert, sagt Bruno Strebel, Leiter Infrastruktur und Betrieb der Pflegimuri. Angedacht war, hier auch für verschiedene andere Institutionen zu waschen. Das Interesse bei möglichen Kooperationspartnern hielt sich allerdings in Grenzen. Unter anderen fürs Roth-Haus und den FC Muri wird hier gewaschen. Aber: «Auch Private dürfen ihre Wäsche bringen, abgerechnet wird nach Kilogramm-Preis», so Strebel. Bisher reiche das allerdings nicht für einen effizienten Betrieb.
Weiter geht die Führung zur Holzschnitzelheizung der AEW. Sie liefert nicht nur für den eigenen Betrieb die Heizenergie, sondern via Fernwärmenetz auch für einen Teil von Muri-Wey. Eindrücklich ist für die Besucherinnen und Besucher auch der Gang durch die alten und engen «Katakomben», den ursprünglich einzigen unterirdischen Verbindungsgang zwischen «Löwen» und Haupthaus.
Eingefasst wird der Gang «hinter die Kulissen» durch Einblicke in die öffentlich zugänglichen Aussenbereiche: oben der Höflipark, wo sich in den Sommermonaten das gesellschaftliche Leben der Pflegi abspielt, unten der riesige Pflegipark, in den auch zwei Demenzgärten integriert sind, durch den sich die Bewohnerinnen und Bewohner in sicherem Rahmen frei bewegen können.
Nachhaltigkeit im Organigramm
Bei ihrem Amtsantritt vor dreieinhalb Jahren hat Margit Schneider den Fachkräftemangel und die Digitalisierung als grosse Herausforderungen der Zukunft erkannt. Seither wurden der Bereich Personal und Bildung aufgewertet – unter anderem mit Einsitz in der Geschäftsleitung – die zuvor ausgelagerte Informatik ins Haus geholt und nun per Anfang Jahr auch einen eigenen Bereich für Nachhaltigkeit ins Organigramm aufgenommen. Im Wissen, dass dies bei Arbeitnehmerinnen und -nehmern vermehrt eine Rolle spielt.
Auf dem Areal wird dies durch diverse Biodiversitätsflächen sichtbar. Eine kommt derzeit am Nordklosterrain dazu. «Nächste Woche wird hier bepflanzt», sagt Bruno Strebel. Thomas Weber, der in der Institution für Marketing und Kommunikation verantwortlich ist, wird noch etwas konkreter: Entstehen soll eine Wildblumenwiese, ergänzt durch Wildrosen, Sträucher und Bäume. Diese Umweltmassnahmen sind Teil dieser Nachhaltigkeitsstrategie. Nebst der Natur umfasst diese allerdings auch den Umgang mit Ressourcen, die ökonomische Verantwortung und die ebenfalls bereits erwähnte Sebstbestimmung der Menschen.
Steigende Nachfrage
Mit 420 Mitarbeitenden – 275 Vollzeitstellen, wie Margit Schneider auf Nachfrage präzisiert – erwirtschaftet die Pflegi einen Umsatz von 32 Millionen Franken. Dies bei 226 Betten und einer Auslastung von fast 96 Prozent. «Überkapazitäten sind heute kein Thema mehr», sagt die Direktorin. Und das werden sie in absehbarer Zeit auch nicht mehr werden. «Die Herausforderung wird vielmehr sein, die benötigten Plätze zu schaffen.» Gemäss aktuellen Prognosen dürfte sich die Anzahl der Über-90-Jährigen bis 2050 verdreifachen. Schon bis 2035 beziffert sie den personellen Zusatzbedarf in Pflegeheimen auf 72 Prozent.
Reichlich Gesprächsstoff also für den anschliessenden Apéro. Darum sollte es am Anlass ja gehen: den Austausch und das Knüpfen von Netzwerken auf Bezirksebene.



