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13.03.2026 Kolumne, Region UnterfreiamtFür Andreas Breunig war der Auftritt in der Oberen Mühle quasi eine Rückkehr. Mehrere Jahre hat er als Hausarzt in der Praxis im Zentrum in Villmergen gearbeitet. Heute ist er als Geriater mit Leib und Seele in einer Praxis in Lenzburg tätig. Und als Spezialist für ...
Für Andreas Breunig war der Auftritt in der Oberen Mühle quasi eine Rückkehr. Mehrere Jahre hat er als Hausarzt in der Praxis im Zentrum in Villmergen gearbeitet. Heute ist er als Geriater mit Leib und Seele in einer Praxis in Lenzburg tätig. Und als Spezialist für Altersmedizin weiss er natürlich genau, wie er seinen Vortrag an dieser Abendstunde beginnen muss. «Hört man mich gut? Auch ganz zuhinterst?», fragt er in die Runde. Er konnte beruhigt sein, dank Mikrofonen und Lautsprechern war er bestens zu hören. Und zwar überall. Sogar im angrenzenden Aufenthaltsraum, wohin einige wenige Zuhörer ausgewichen waren, da der Saal im Restaurant bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Tatsächlich war der Ansturm an diesem Abend enorm. Die Abendstunde stösst fast immer auf grosses Interesse. Aber diesmal war es ganz extrem. Die aufgereihten Stühle reichten überhaupt nicht. Immer wieder lief Manuel Burger, Leiter Technik in der Oberen Mühle, wieder los, um neue zu besorgen. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von Geschäftsleiter Walter Cassina und Vereinspräsident Mike Lauper. Doch immer, wenn man meinte, dass es jetzt reicht, stiessen neue Zuhörer und Zuhörerinnen dazu. Einige von ihnen meinten zwar, dass sie auch stehen könnten. Da der Anlass aber fast zwei Stunden dauerte, waren sie sicher froh, dass irgendwo im Altersheim doch noch Stühle gefunden wurden. Wenn die Abendstunde weiterhin so erfolgreich ist, muss die Obere Mühle wohl bald einmal ausbauen. Oder zumindest weitere Sitz-
des Abends war Demenz. Und davon sind bekanntlich ganz viele betroffen. Andreas Breunig versuchte, dies bildlich aufzuzeigen. In der Schweiz leben über 160 000 Menschen mit einer Demenzerkrankung. «Das entspricht der Bevölkerung der Stadt Basel», so der Referent. Und jedes Jahr kommen rund 35 000 neue Fälle dazu. Das wiederum entspricht der Grösse der Stadt Zug. «Damit will ich jetzt aber nicht sagen, dass alle Zuger dement werden», fügte der Spezialist schmunzelnd an. Und noch ein Vergleich: Wenn man all diese neuen Fälle in Autos platziert, ergäbe sich eine Kolonne bis nach Brüssel. «Ganz schön abgefahren», so das passende Fazit von Andreas Breunig.
Demenz ist kein neues Phänomen. Schon in den Schriften der alten Griechen wird der kognitive Zerfall im Alter beschrieben. «Demenz gab es schon immer. Dies im Gegensatz zur Demenz-Strategie des Bundes, die existiert erst seit 2016», stellte Breunig fest.
Demenzkranke im fortgeschrittenen Stadium brauchen meist einen geschützten Rahmen. Weil sie oft Mühe haben, sich zu orientieren, sind diese Wohngruppen jeweils geschlossene Abteilungen. Auch in der Oberen Mühle denkt man über eine solche nach. Bleibt zu hoffen, dass es dann niemandem so geht wie dem Zuhörer, der von seinen Erlebnissen erzählt. Bei einem Spitalbesuch wollte er einst eine Abkürzung nehmen und landete unfreiwillig in einer Demenzabteilung. «Ich habe alles versucht, aber ich bin einfach nicht mehr rausgekommen», berichtet er. Schliesslich hat ihn eine Mitarbeiterin wieder hinausgeführt. «Seither habe ich in diesem Spital immer den normalen Weg genommen.»
Chregi Hansen
