BRIEF AUS THAILAND
19.06.2026 KolumneRolf Maurer, Chiang Mai.
Die Touristen bleiben aus
Nun ist also der Winter bereits Vergangenheit, der Übergang in den Sommer dauerte nur einige Tage. In diesen sind die Tagestemperaturen von ca. 25 auf gegen 40 Grad ...
Rolf Maurer, Chiang Mai.
Die Touristen bleiben aus
Nun ist also der Winter bereits Vergangenheit, der Übergang in den Sommer dauerte nur einige Tage. In diesen sind die Tagestemperaturen von ca. 25 auf gegen 40 Grad gestiegen. Seit dem 15. Mai ist nun auch offiziell Regenzeit.
Thailand hat seit einiger Zeit stark mit internen Problemen zu kämpfen. Nachdem der letzte Premierminister entlassen wurde, hat das Gericht einen neuen Interimspräsidenten bestimmt. Seine Vorgaben: das Parlament innert vier Monaten auflösen und Neuwahlen durchführen. Soweit, so gut. Die Neuwahlen hat der Premier gewonnen, allerdings mit minimalem Vorsprung und zu wenig, um eine Mehrheitsregierung bilden zu können. Das bedeutet, es müssen Koalitionspartner gefunden werden. Und das ist kein einfaches Unternehmen in einem Land, in dem alle Parteien untereinander mehr als zerstritten sind.
Aber es sind auch andere Probleme, welche das Land massiv belasten. Die Wirtschaft erholt sich kaum. Hauptgrund ist die anhaltende, hohe Inflation. In Thailand werden berufliche Beförderungen nicht nach Leistung, sondern nach (Dienst-)Alter und vor allem nach «Vitamin B» vergeben. Die Berufsausbildung junger Leute ist ein Fiasko. Eine Lehre gibt es nicht. Die Universitäten haben keinen guten Ruf. Dann ist Korruption nach wie vor alltäglich. Das gleiche gilt für Prostitution, die in Thailand eigentlich verboten ist. Auch die Religion, in Thailand heilig, ist in die Schlagzeilen geraten mit unerlaubten Glücksspielen, Alkohol und anderen Partys mit Mönchen in den Tempeln …
Die Lebenshaltungskosten steigen kontinuierlich an. Benzin ist in den letzten Wochen um über 30 Prozent teurer geworden. Auch die Regeln, wer nun eine visafreie Einreise für 30, 60 oder 90 Tage erhält, wurden immer wieder abgeändert. Das ganze Theater um eine Einreisegebühr für alle ankommenden Besucher (auch für Thais) dauert nun seit 2020 und ist bis heute nicht gelöst.
Und damit zum Hauptproblem in Thailand: Es kommen immer weniger Touristen. So hatte zum Beispiel Chiang Mai vor Covid eine Hotelauslastung von über 95 Prozent. Heute liegt der Jahresdurchschnitt (laut «Chiang Mai Hotels») bei etwas über 30 Prozent. Zwischen April 2025 und April 2026 gab es ein Auslastungs-Minus von 7 Prozent. Statt der 40 bis 50 Millionen internationalen Besucher, wie von der TAT (Tourist Association Thailand) geschätzt, sind gerade mal gute 30 Millionen gekommen. Thailand braucht unbedingt (und am liebsten sofort) zahlungskräftige Touristen. Aber die kommen nicht. Es ist davon auszugehen, dass die weltweite negative Presse über Thailand dafür (mit)verantwortlich ist. Auch haben die Nachbarstaaten in Bezug auf Tourismus sehr stark aufgerüstet, und aus den Fehlern der Thais schnell gelernt und die richtigen Konsequenzen gezogen. Sie werben mit Hochdruck um Touristen mit einer einfachen Einreise, erheben keinerlei Steuern und haben weitere Vergünstigungen und scheinbar gute Erfolge damit. Dies zeigt auch die Tatsache, dass viele ausländische Thai-Daueraufenthalter (meist Rentner) bereits in Nachbarstaaten umgezogen sind.
Rolf Maurer ist in Sarmenstorf aufgewachsen und lebt in Chiang Mai, Thailand. Er erzählt von seinem Leben und hält seine Gedanken als Auslandschweizer fest.

