Asylbau darf projektiert werden
05.06.2026 Aristau, Region OberfreiamtStark argumentiert
Gemeinde Aristau nimmt alle Geschäfte an
An der Gemeindeversammlung in der Mehrzweckhalle wurden die verschiedenen Kreditanträge von den Stimmbürgern angenommen. Darunter der Verpflichtungskredit zum Bau der ...
Stark argumentiert
Gemeinde Aristau nimmt alle Geschäfte an
An der Gemeindeversammlung in der Mehrzweckhalle wurden die verschiedenen Kreditanträge von den Stimmbürgern angenommen. Darunter der Verpflichtungskredit zum Bau der Asylunterkunft in der Höhe von 85 000 Franken. Der Gemeinderat hat sich neben der Planung auch mit der Nutzung der neuen Liegenschaft und den Extremszenarien befasst. Die gute Vorbereitung von Ressortleiter Fabian Trüb zahlte sich in der regen Diskussion aus. Auf die Fragen, was passiert, wenn noch mehr Flüchtlinge kommen oder diese ausbleiben, erhielten die Fragesteller Antworten. --red.
Die Gemeindeversammlung Aristau heisst alle traktandierten Geschäfte gut
Drei Kreditanträge über insgesamt fast 400 000 Franken kamen in Aristau zur Abstimmung. Diskutiert wurde insbesondere über den angedachten Neubau einer Asylunterkunft.
Thomas Stöckli
Was tun, wenn wir keine Asylanten mehr haben? Oder was, wenn noch mehr kommen? Das sind zwei von diversen verschiedenen Fragen, die zum Projektierungskredit für eine neue Asylunterkunft aus dem Saal gestellt wurden. Dass der Antrag des Gemeinderats schliesslich mit 54 Ja- zu 4 Nein-Stimmen bei zehn Enthaltungen deutlich angenommen wurde, dürfte auch daran liegen, dass der Gemeinderat seine Hausaufgaben gemacht hat und bezüglich Dimensionierung für beide Extremszenarien Antworten präsentieren konnte.
Ein Massivbau ist angedacht
Dass plötzlich keine Asylsuchenden mehr kommen sollten, hält Gemeinderat Fabian Trüb für unrealistisch. «Sinkende Zahlen sind möglich», sagt er, «aber dann sind es vielleicht drei weniger.» Sollte die Nachfrage komplett wegbrechen, wäre eine Umnutzung Thema. Als mögliche Alternative nennt Vince Antenna, Präsident der Finanzkommission, eine Alters-WG. Deutlich wahrscheinlicher dürfte allerdings das Szenario sein, dass ein neuer Krisenherd zusätzliche Flüchtlinge bringen könnte. Für den Fall werde die Option einer Aufstockung in die Planung einbezogen. Wir erinnern uns: Seit 2020 stieg die Aufnahmepflicht für Aristau von vorher 6 auf mittlerweile 21 Personen.
Nicht in Zweifel gezogen wurde an der «Gmeind» der Handlungsbedarf. Der bestehende Container ist 30 Jahre alt und gemäss Fabian Trüb «in objektiv miserablem Zustand». Alle anderen Objekte, welche aktuell für die Einquartierung von Flüchtlingen zur Verfügung stehen, darf die Gemeinde nur temporär nutzen. «Der Gemeinderat will eine langfristige Lösung», so Trüb.
Das Projekt sieht einen Massivbau für 16 Personen vor. Mit den neun «sicheren» Plätzen an der Schulstrasse 2 entsteht so eine vernünftige «Marge» auf die aktuelle Aufnahmepflicht von 21 Personen. Der Massivbau punktet nicht nur durch seine Langlebigkeit, sondern ist im Vergleich zu Containerund Holzbau-Lösungen gar etwas günstiger. Die Kalkulation der Bark Architekten AG rechnet jedenfalls mit Kosten von 1,35 Millionen Franken, verglichen mit je 1,42 Millionen für die anderen beiden Varianten. Und dass die Kosten für die Aristauer der wichtigste Faktor sind, hat schon die Informationsveranstaltung im März ganz klar aufgezeigt.
Diverse Inputs aus der Halle
Vorerst hat die «Gmeind» erst den Kredit für die Projektierung genehmigt. Der Baukredit soll in einer weiteren Vorlage folgen. Dieses zweistufige Vorgehen habe den Vorteil, dass die Kostentransparenz erhöht und somit das finanzielle Risiko reduziert werden könne, führte Fabian Trüb aus. Je nach Fahrplan könne im Sommer 2027 oder Anfang 2028 mit dem Bau begonnen werden. Bezugsbereit wäre das neue Gebäude dann im Juni oder im Oktober 2028. Und in der Zwischenzeit? Da hoffe man, die Aufnahmequote mit provisorischen Unterbringungen erfüllen zu können. «Ich kann aber nicht versprechen, dass wir nicht vorübergehend Ersatzabgaben zahlen müssen», so Trüb. 90 Franken verrechnet der Kanton pro Kopf und Tag.
Würde Aristau komplett auf Asylunterkünfte verzichten, wären das 1890 Franken pro Tag oder 690 000 Franken im Jahr.
Angesichts des «sehr schlechten Zustands» der Unterbringung an der Schulstrasse schlug eine Votantin vor, gleich etwas mehr Plätze zu bauen. Ein anderer Votant warnte derweil von einer Ballung an einem Ort: Das schaffe nur zusätzliches Konfliktpotenzial. Und auch nachhaltige Energie war ein Thema. Eine Wärmepumpe sei in der Kostenkalkulation bereits berücksichtigt, so Gemeinderat Corsin Stöckli, aber keine Photovoltaikanlage.
Nach 82 Minuten schloss Frau Gemeindeammann Isabelle Hediger die Versammlung und lud die Einwohner zum Apéro ein, dank dem Einsatz des Feuerwehrvereins samt Bratwurst vom Grill. «Das gab letztes Jahr ein gutes Feedback, darum machen wir es erneut.»
Die Beschlüsse
An der Einwohnergemeindeversammlung Aristau haben von 1060 Stimmberechtigten deren 68 teilgenommen. Sie hiessen das Protokoll, den Rechenschaftsbericht, die Jahresrechnung, den 140 000-Franken-Kredit für die Sanierung des Abwasserpumpwerks Gizlen sowie das überarbeitete Gebührenreglement zur BNO mit deutlichem bis einstimmigem Mehr gut. Der Verpflichtungskredit über 170 000 Franken für Planerarbeiten bezüglich Sanierung/Erweiterung/Neubau der Turnhalle wurde mit 50 zu 9 Stimmen angenommen, bei neun Enthaltungen, der Verpflichtungskredit über 85 000 Franken für die Projektierung einer neuen Asylunterkunft mit 54 zu 4 Stimmen, bei zehn Enthaltungen.
An der vorgängig durchgeführten «Gmeind» der Ortsbürger haben 24 von 149 Stimmberechtigten alle traktandierten Abstimmungsgeschäfte gutgeheissen, nämlich das Protokoll, den Rechenschaftsbericht und die Jahresrechnung.
Turnhalle und Muristrasse
Zwei weitere Projekte werden konkretisiert
Wie weiter mit der Turnhalle? Diese sei zu klein und energetisch schlecht, zeigte Gemeinderat Corsin Stöckli den Handlungsbedarf auf. Bevor an der Winter-«Gmeind» 2027 über die nächsten Schritte entschieden werden könne, müssen die Varianten Sanierung, Erweiterung und Ersatzneubau geprüft und bewertet sowie eine Grobkostenschätzung erstellt werden. Dem entsprechenden Kreditantrag über 170 000 Franken hat die Versammlung mit 50 zu 9 Stimmen entsprochen. «Dem Gemeinderat ist es ein Anliegen, umfangreich über die Projektentwicklung zu informieren», versprach Stöckli. So sei auf der Gemeinde-Website eine «Projektbox» mit regelmässig aktualisierten Infos vorgesehen. Der Gemeinderat erachte den Zeitpunkt, das nun anzugehen, als richtig, beantwortete Stöckli eine entsprechende Frage aus der Halle. Für Fragen zu Kosten und Finanzierbarkeit sei es allerdings noch zu früh.
Strassensanierung geplant
Bereits an der kommenden Winter- «Gmeind» soll ein Kreditantrag für die Sanierung der Muristrasse K357 vorgelegt werden, verkündete Gemeinderat Werner Müller unter dem Traktandum «Verschiedenes». Die Landanstösser seien kürzlich orientiert worden, für die breite Bevölkerung folge voraussichtlich im Oktober eine Informationsveranstaltung. --tst


