Die Knappheit ist chronisch
03.07.2026 Merenschwand, Region OberfreiamtDie Suche nach dem Wasser
Herausforderung in Merenschwand
Zukünftig fehlen täglich rund 1200 Kubikmeter Trinkwasser. Das ist in Merenschwand Tatsache – unabhängig von der aktuellen Trocken- und Hitzeperiode. Die ...
Die Suche nach dem Wasser
Herausforderung in Merenschwand
Zukünftig fehlen täglich rund 1200 Kubikmeter Trinkwasser. Das ist in Merenschwand Tatsache – unabhängig von der aktuellen Trocken- und Hitzeperiode. Die Ortsbürgergemeinde, die in Merenschwand für das Wassernetz verantwortlich ist, plant darum, ein neues Grundwasserpumpwerk zu bauen. Aber die Suche nach einem Standort ist nicht einfach. --ake
Merenschwand braucht ein zusätzliches Grundwasserpumpwerk – wo, ist noch nicht klar
Ganz viele Gemeinden rufen und riefen zum Wassersparen auf. Speziell angespannt ist die Situation indes in Merenschwand. Die Ortsbürger sagten kürzlich Ja zu 250 000 Franken für die Sondierbohrungen im Zusammenhang mit einem allfälligen neuen Grundwasserpumpwerk. Gemeinderat Christoph Notter erklärt die Lage.
Annemarie Keusch
Dass die Brunnenmeister wohl auch schon ruhiger geschlafen haben, ist angesichts der grossen und anhaltenden Hitze wenig überraschend. Dennoch, die Situation ist in Merenschwand noch prekärer. «Uns fehlen langfristig und nachhaltig betrachtet 1200 Kubikmeter Trinkwasser. Pro Tag», sagt Gemeinderat Christoph Notter. Schon ganz zu Beginn einer Hitzeperiode zum Sparen von Wasser aufzurufen, ist in Merenschwand Realität geworden. Der Grundwasserspiegel sinkt, die Quellen förderten auch schon mehr Wasser. «Wir sind am Limit», sagt Notter. Er spricht von einer chronischen Knappheit. Davon, dass die Reservoirs nachts zeitweise fast nicht mehr gefüllt werden können.
Neu ist die Problematik in Merenschwand nicht. «Man hat ihr vielleicht in früheren Zeiten weniger Aufmerksamkeit geschenkt», mutmasst der zuständige Gemeinderat. Was aber nicht heisst, dass in der Vergangenheit nichts unternommen wurde. Seit eineinhalb Jahren ist die Merenschwander Wasserversorgung mit jener von Muri (via Birri und Unterrüti) verbunden und im Notfall könnte Wasser gepumpt werden. Zudem arbeitet Merenschwand in Bezug auf Wasser schon länger mit Muri zusammen, bezieht via Benzenschwil auch von dort Wasser. «Das kann aber langfristig nicht die finale Lösung sein. Wasser wird knapper, auch in Muri und in anderen Wasserversorgungsgenossenschaften.»
Übergelagerter Amphibienschutz
Weil eben vielerorts der Grundwasserspiegel sinkt, die Reserven weniger werden. Dem gegenüber steigen die Anforderungen an Trinkwasser. Seit geraumer Zeit ist das Thema in der Wasserkommission in Merenschwand entsprechend omnipräsent. Ein neues Grundwasserpumpwerk – das ist die mögliche Lösung zur Versorgungssicherheit und Qualitätsverbesserung, die nun verfolgt wird. Die Ortsbürger sagten an der «Gmeind» mit einer knappen Mehrheit Ja zu den 250 000 Franken für entsprechende Sondierbohrungen. In Merenschwand kümmert sich keine Genossenschaft um das Wassernetz, sondern die Ortsbürger. «Seit jeher», sagt Christoph Notter. Warum? Das weiss er auch nicht. «Es ist einfach so und daran wird sich in naher Zukunft auch nichts ändern.»
Ändern muss sich hingegen etwas, damit die Bevölkerung künftig nicht schon nach wenigen heissen Tagen zum Wassersparen aufgerufen werden muss. «Grundsätzlich wäre es wünschenswert, wenn diese Thematik mehr im Bewusstsein der Menschen wäre und sie ganz automatisch darauf achten, möglichst wenig Wasser zu verbrauchen», sagt Christoph Notter. «Wir müssen uns alle selbst an der Nase nehmen.» Aber eben, es fehlen in Zukunft täglich rund 1200 Kubikmeter Wasser. «Wir brauchen ein neues Grundwasserpumpwerk», ist Notter entsprechend überzeugt. Die Kommission hat entsprechend beim Kanton angefragt – mit verschiedenen Standorten als Möglichkeiten. Zwei im Oberen Schachen, an der Reuss in Richtung Mühlau. In der Grundwasserschutzzone, einem Gebiet, das also genau für solche Projekte vorgesehen ist. «Wir erhielten im Januar die Nachricht, dass dies aber nicht möglich ist.» Der Grund: ein Amphibienschutzgebiet von nationaler Bedeutung ist übergelagert. «Ohne dass wir etwas davon wussten. So ist die Grundwasserschutzzone völlig nutzlos.» Das Verständnis in Merenschwand fehlt entsprechend. Das wurde auch an der Ortsbürger- «Gmeind» deutlich. Der Gemeinderat wurde beauftragt, beim Regierungsrat nochmals vorstellig zu werden. «Das machen wir natürlich, auch wenn wir die Chancen als klein einordnen», sagt Christoph Notter. Den Unmut der Bevölkerung könne er verstehen. «Es ist eine Frage der Priorisierung. Meiner Meinung nach sollte das Trinkwasser für Mensch und Tier höher gewichtet werden.»
Rotlaub ist favorisierter Standort
Aber die Merenschwander mussten auf die Suche nach neuen Standorten. «Der Leidensdruck ist da. Wir können nicht abwarten, bis ein allfälliger Streit mit dem Kanton entschieden ist. Wir müssen jetzt handeln.» Mit Hilfe von Experten wurden sechs mögliche Standorte für eine Grundwasserfassung evaluiert und priorisiert. Rotlaub und Grossmoos sind dabei die Favoriten. «Aber das lässt sich noch nicht sagen.
Niemand kann in den Boden schauen», sagt Christoph Notter. Sondierungsbohrungen werden hier mehr Klarheit bringen. Der zuständige Gemeinderat hofft, dass sich das Gebiet Rotlaub eignet. «Weil es zu weiten Teilen bereits der Ortsbürgergemeinde gehört.» Und weil es strategisch besser liege. «Das nützt aber nichts, wenn es zu wenig ergiebig ist.» 1500 Liter pro Minute sind im Testversuch gefragt, natürlich muss auch die Qualität des Wassers stimmen.
Wie viel das neue Grundwasserpumpwerk dann kosten wird, da wagt Christoph Notter noch keine Prognose. «Es ist auch keine Frage der Kosten, sondern es geht darum, ob wir genug Wasser haben oder nicht.» Notfalls müsse eben der Wasserpreis, der aktuell rund einen Franken pro Kubikmeter beträgt, erhöht werden. Notter weiss aber, dass es weitere Knacknüsse geben könnte. Entsprechend wichtig ist ihm der Dialog mit den Landwirten, deren Grundstücke betroffen wären. «Wir werden uns alle Mühe geben, sie schadlos zu halten. Mit Landabtausch oder Entschädigungen.» Sollte dereinst ein neues Grundwasserpumpwerk in Betrieb genommen werden, rechnet man mit einer Lebensdauer von 50 bis 75 Jahren. Künftig könnte auch ein zusätzliches Reservoir notwendig sein. Dazu sagt Christoph Notter: «Zuerst müssen wir wissen, wo das Wasser herkommt, bevor wir überhaupt nur an ein Reservoir denken.»


