Die Ära nach der Deponie aufgleisen
10.04.2026 Dietwil, Region OberfreiamtSpannende Zeit für Dietwil
Ausblick mit Neu-Gemeindeammann Theo Kern
Noch sechs, sieben Jahre dürfte sie andauern, die Ablagerung von sauberem Aushub in Dietwil. Dann ist die Deponie Babilon voll. Damit endet auch der Geldsegen abrupt, den ...
Spannende Zeit für Dietwil
Ausblick mit Neu-Gemeindeammann Theo Kern
Noch sechs, sieben Jahre dürfte sie andauern, die Ablagerung von sauberem Aushub in Dietwil. Dann ist die Deponie Babilon voll. Damit endet auch der Geldsegen abrupt, den Ammann Theo Kern auf rund zehn Steuerprozent beziffert. Nicht die einzige Herausforderung für das südlichste Dorf im Freiamt: Auch die Abwasserreinigung soll neu geregelt werden. --tst
100 Tage im Amt: Standortbestimmung mit dem neuen Dietwiler Gemeindeammann Theo Kern
Zehn Steuerprozent – so viel bringt die laufende Deponie der Gemeinde Dietwil derzeit ein. Was tun, wenn dieser Batzen in sechs, sieben Jahren wegfällt? Damit muss sich der Gemeinderat befassen. Und mit dem Anschluss an eine grössere ARA.
Thomas Stöckli
«Ich kann immer noch lachen», sagt Theo Kern. Seit bald hundert Tagen ist er Gemeindeammann von Dietwil. Seinen Start ins neue Amt bezeichnet er als gelungen. «Als amtierender Gemeinderat habe ich in etwa gewusst, was auf mich zukommt.» Er freut sich aber auch an den neuen Aufgaben, die mit dem Amt als Ammann verbunden sind. Etwa, die beiden neuen Kollegen ins Gemeinderatsteam zu integrieren, ihnen das Ankommen und die Einarbeitung zu ermöglichen. An einer Retraite Anfang Juni wird die weitere Entwicklung des Teams und der ganzen Gemeinde das grosse Thema sein.
Hochwasserschutz in Arbeit
Die Zeit kann sich der Gemeinderat Dietwil nehmen: «Wir sind in ruhigen Gewässern, Notmassnahmen sind keine in Aussicht.» Die Zusammensetzung des Teams stimmt ihn optimistisch, dass dies so bleibt: «Wir sind bereit, am gleichen Strick zu ziehen – und erst noch in die gleiche Richtung.» Prioritär beschäftigt sich der Gemeinderat mit den laufenden Projekten, die bereits aufgegleist sind und nun in die Konkretisierungs- oder bereits Umsetzungsphase kommen.
Allem voran der Hochwasserschutz. Nach den Gewittern von 2024 ging es darum, die Abflusskapazitäten zu überprüfen. Aufgrund der Erkenntnisse gilt es dann, allfällige Objektschutz-Massnahmen zu treffen. «Wenn man Wasser von einer Geländekammer auf eine andere umleitet, ist grösste Vorsicht angebracht», betont er. Schliesslich könne das in einem komplexen System unerwünschte Folgen haben.
ARA-Anschluss prüfen
Eine Herausforderung wird die Generelle Entwässerungsplanung (GEP) 2.0 sein. Klar ist, dass sich daraus eine Massnahmenliste ableiten wird. Je nach Investitionsbedarf gelte es dann, die Gebühren anzupassen. «Die Anforderungen an die Abwasserreinigung werden steigen, dies wird nicht ohne Anpassung der Gebühren möglich sein», betont Kern. In diesem Zusammenhang wird ein Anschluss an eine ARA in der Region geprüft. Infrage komme die ARA Sama (mit Sins, Auw, Mühlau und Abtwil), so Kern. Einen Anschluss an die Grosskläranlage ARA Schönau des Gewässerschutzverbands der Region Zug (GVRZ), der nebst der Stadt Zug 17 weitere Gemeinden aus den Kantonen Zug, Zürich, Luzern und Schwyz angeschlossen sind, hat der Vorstand des GVRZ soeben abgelehnt.
Deponie mit Ablaufdatum
Weiter wird die Norderweiterung der Deponie Babilon den Gemeinderat beschäftigen. Hierzu läuft gerade die Teilrevision der Nutzungsplanung. «Für unsere Gemeinde ist die Deponie zentral», so Theo Kern, «auch bezüglich Steuerfuss.» Auf rund zehn Steuerprozentpunkte beziffert der Ammann die Einnahmen durch den Deponiebetrieb. Geplant ist nach dem Abschluss der ersten Etappe in ein, zwei Jahren eine nahtlose Fortsetzung mit Etappe zwei für weitere vier, fünf Jahre.
«Eine dritte Etappe wird es nicht geben», stellt Theo Kern klar. Will heissen: In sechs, sieben Jahren steht die Gemeinde vor einer grossen finanziellen Herausforderung. «Dann werden uns die Zusatzeinnahmen fehlen, die uns die Steuerfusssenkungen ermöglicht haben.» Zur Erinnerung: 1996 lag der Steuerfuss noch bei über 130, bis 2008 bei über 120 Prozent. Seit 2019 sind es gerade mal noch 104 Prozent.
Stand heute dürfte das so bleiben bis zum Abschluss der Deponietätigkeit. Danach wird eine Steuererhöhung unausweichlich sein, allenfalls abgefedert durch den einen oder anderen Leistungsverzicht. Wobei mindestens 80, eher 90 Prozent der bestehenden Ausgaben gegeben seien, relativiert Kern: «Sozialkosten, Schule, Alterspflege und Repol, das lässt sich nicht wegsparen.» Zudem dürfe es nicht das Ziel sein, nötige Investitionen auf Kosten der kommenden Generation aufzuschieben.
Allerlei Tief- und Hochbauten
Was die Verkehrswege betrifft, ist die Sanierung der Luzernerstrasse ein Thema. Der Lead liegt hier zwar beim Kanton, für den Innerortsbereich muss allerdings auch die Gemeinde in die Tasche greifen. Was die periodische Instandhaltung der Flurwege betrifft, wurde 2024 eine erste Etappe abgeschlossen. Die zweite und die dritte sollen dieses und nächstes Jahr folgen: «Wir hoffen, das 2027 abschliessen zu können», so der Gemeindeammann.
Auf Kurs sei auch der Rahmengestaltungsplan Dorfkern. Zwei Projekte seien hier bereits weitgehend realisiert, nämlich die drei neuen Häuser anstelle einer alten Scheune im Hinterdorf und der Erweiterungsbau anstelle eines einstöckigen Schopfs beim «Ochsen» an der Oberen Dorfstrasse. Am Pilatusblick ist ferner die Baubewilligung für den Umbau der «Villiger-Scheune» mit einem Mehrfamilienhaus-Neubau erteilt. Und auch die Musegg-Scheune soll zum Mehrfamilienhaus umgebaut und erweitert werden.
Es steht also eine spannende Zeit an, in der laufenden wie auch in der kommenden Legislatur. Theo Kern ist zuversichtlich, diese Herausforderung mit seinem Gemeinderatsteam stemmen zu können.


