«Drei für den Stadtrat»
29.08.2025 Bremgarten, Wahlen, PolitikStadtratswahl: Interessantes Podium in Hermetschwil-Staffeln mit den drei Neukandidierenden
Die drei neuen Kandidaten debattierten am Mittwochabend im Gemeindesaal des jüngsten Bremgarter Stadtteils. Claudio Müller, Peter Werder und Sandro Schmid schlugen sich ...
Stadtratswahl: Interessantes Podium in Hermetschwil-Staffeln mit den drei Neukandidierenden
Die drei neuen Kandidaten debattierten am Mittwochabend im Gemeindesaal des jüngsten Bremgarter Stadtteils. Claudio Müller, Peter Werder und Sandro Schmid schlugen sich dabei mehr als ordentlich – offenbarten aber vor allem Gemeinsamkeiten. Die Kritik zielte auf andere.
Marco Huwyler
Sandro Schmid wurde an diesem Abend in der Mitte platziert. Das dürfte ihm ganz gut zupassgekommen sein. Denn der GLP-Politiker hatte sich im Vorfeld darauf eingestellt, neben einem SVPler und einem FDPler das eine oder andere Mal in die linke Ecke gedrängt zu werden. «Darauf habe ich mich vorbereitet», sagte er mit einem Augenzwinkern. «Inmitten von zwei Schützen muss man sich gut zu verteidigen wissen.» – Ein Hinweis darauf, dass sowohl Claudio Müller als auch Peter Werder Schiessen als Hobby angeben. Einen zaghaften Versuch Werders gab es tatsächlich, als es um die Sozialleistungen ging. Doch dieser wurde von Schmid souverän pariert. Wobei er an diesem Abend im Gemeindesaal Hermetschwil-Staffelns ohnehin kaum je den Eindruck erweckte, besonders links zu sein. «Früher wählte ich die FDP», gab er gar zu Protokoll. «Du hast jederzeit Platz bei uns», die schmunzelnde Antwort Werders.
Kaum Polemik
Es ist ein Beispiel, das die Stimmung des Abends ziemlich gut illustriert. Man tat sich nicht gross weh unter den drei Neuen. Das Fett weg bekamen andere – der bisherige Stadtrat und dessen vermeintlich fehlende Weitsicht, ausufernde Verwaltungsausgaben, der Citymanager und die Badi Isenlauf zum Beispiel. Wobei die Diskussion nie unsachlich wurde. Vielmehr wurde konstruktiv und inhaltlich darüber diskutiert, wo «das Dach rinnt» (ein Wortbild, das des Öfteren herbeigezogen wurde), wie man dieses wieder flickt, was korrigiert werden muss und wohin das Bremgarten der Zukunft steuern soll. Immer wieder offenbarten die Kandidierenden dabei auch Persönliches und zeigten sich von ihrer humorvollen Seite – was im Rund der gegen 70 interessierten Gäste im Gemeindesaal gut ankam.
Einen Plan haben
Grossen Raum in der Debatte nahm erwartungsgemäss die Diskussion über die städtischen Finanzen ein. Kein Wunder angesichts eines steigenden Defizits trotz Steuererhöhungen und Investitionsstau. Auf der Einnahmenseite sieht das Trio wenig Handlungsspielraum – auch wenn man sich logischerweise einig ist, dass man attraktiv sein muss für gute Steuerzahler. Im Fokus sieht man aber die Ausgaben. «Wir müssen auch auf die Kosten im Kleinen achten», betonte hier Müller. «Wer den Rappen nicht ehrt, ist den Franken nicht wert.» Unisono möchte man unter den drei Neuen deshalb insbesondere die gebundenen Ausgaben auf ihre Unabdingbarkeit prüfen. «Denn diese werden auch oft als Ausrede gebraucht», wie Werder befindet. Hier könne es auch helfen, Synergien zu nutzen und wann immer möglich zu prüfen. Gerade auch im Hinblick auf Zusammenarbeit und Kostenteilung mit den umliegenden Gemeinden. «Interkommunale Zusammenarbeit ist in vielen Bereichen gefragt», sagte Schmid. Bezüglich anstehender Investitionen wünscht er sich eine verbindlichere Zukunftsplanung als bisher – «mit einer datumsgebundenen Zeitleiste, wo wir Projekte klar nach Priorität ordnen». So würden Doppelspurigkeiten und unnötige Ausgaben verhindert. «Wie etwa beim Casino, wo wir eine halbe Million ausgegeben haben dafür, um jetzt zu wissen, dass theoretisch Handlungsbedarf herrschte, wir aber nicht handeln können.» Das wäre mit Weitsicht vorhersehbar gewesen, findet er. «Man hätte nicht eine halbe Million für nichts ausgeben müssen.»
Verwaltung im Fokus – Diskussionen um Citymanager
Die beiden umsichtigen Podiumsleiter des Forums Hermetschwil-Staffeln wollten von den Kandidierenden in der Folge wissen, wo sie denn konkret Sparpotenzial ausmachen. Werder rückte darob die Verwaltung in den Fokus. «Man muss klar sehen, dass die Ausgaben hier in den vergangenen Jahren überproportional zur Bevölkerung gewachsen sind. Und das darf nicht sein», fand er deutliche Worte. «Wir müssen die laufenden Kosten dort senken.»
Anschliessend rückte der Citymanager ins Visier der Neuen, dessen Leistungsausweis alle drei hinterfragten. «Unabhängig von der Person Ralph Nikolaiskis», wie mehrfach betont wurde. Wobei Müller Schmid daran erinnerte, wer von Anfang an skeptisch gewesen sei – und wer nicht. «Wir von der SVP waren der Schaffung dieser Stelle gegenüber immer kritisch, ganz im Gegensatz zur GLP.» Die Notwendigkeit einer solchen Position sei heute mehr denn je fraglich. «Jetzt, wo der Stadtammann faktisch auch ein Profi wird, führt das noch öfter zu Doppelspurigkeiten.» Schmid konterte, der Citymanager habe durchaus seine Berechtigung. «Doch man muss ihm künftig Spielraum zur Verfügung stellen und klare Zielvorgaben machen, an denen man ihn dann auch wirklich misst.» Auch Peter Werder sieht das ähnlich und verordnet in dieser Causa vor allem ein Führungsversagen. «Der Citymanager muss härter angepackt werden. Man hätte Vergleichsmodelle aus anderen Gemeinden, die man adaptieren könnte.» Auch er moniert die Messbarkeit. «Beispielsweise steckt er momentan viel Arbeit in die Palettenmesse. Hier müsste man klar analysieren – was bringt uns das? Ist es den Aufwand wert?» Und auch Müller konnte den beiden letztlich beipflichten und konstatierte für sich abschliessend: «Der Citymanager muss einen messbaren Mehrnutzen schaffen – und sonst muss er wieder weg.»
Ist die Badi die Kosten wert?
Von Schmid in der Folge in den Fokus gerückt wurde die Badeanlage Isenlauf. «Die im Vorjahr ein Minus von rund 900 000 Franken generierte.» Alleine dies entspreche rund vier Steuerprozenten. «Dessen müssen wir uns einfach bewusst sein – und uns hinterfragen, wollen wir uns das wirklich in diesem Ausmass leisten?» Werder pflichtete ihm bei und ergänzte, dass dies für jeden Steuerzahler einem Betrag von 150 bis 200 Franken gleichkäme. Und auch Müller befand: «Eine Badi zu haben, ist zwar wunderschön, aber krass defizitär für Bremgarten.» Wolle man dies beibehalten, fände er es angebracht, wenn man den Eintrittsgap zwischen Bremgartern und Auswärtigen deutlich grösser machen würde, damit auch wirklich jene profitieren, die dafür bezahlen. Und/oder, dass man umliegende Gemeinden stärker in die (Zahlungs-)Pflicht nähme. «Wir müssen ganz allgemein Gemeinden, die von Bremgarten profitieren, noch weit mehr in die finanzielle Verantwortung nehmen.»
Für eigene Interessen einstehen
Das gelte auch für andere Projekte. «Beispielsweise wird Zufikon stark vom neu gestalteten Bibenlos-Verkehrsknoten profitieren. Genauso wie von der geplanten ÖV-Drehscheibe», sagte Müller. Es sei deshalb angebracht, solche Gemeinden von Anfang an in die Projekte zu involvieren – inklusive Kostenbeteiligung. Auch Werder würde es sich wünschen, dass die Stadt gegen aussen ihre Interessen noch vehementer vertritt. Das gelte gegenüber anderen Gemeinden genauso wie gegenüber dem Kanton. «Wir brauchen eine starke Stadt, die eine klare Richtung vorgibt. Nicht ein dauerndes, unregelmässiges Flimmern auf ganz vielen Projektfeldern.» Das gelte insbesondere auch für die ÖV-Drehscheibe. Für Sandro Schmid im Übrigen ein weiteres Beispiel für ein städtisches Stückwerk. «Ich bin grundsätzlich für dieses Projekt», sagt er. «Aber wir schaffen hier gerade Nägel mit Köpfen, ohne dass wir einen Plan für den Obertorplatz haben, der eigentlich ein zentraler Bestandteil des grossen Ganzen wäre.»
Visionen der Zukunft
Schliesslich skizzierten die drei Stadtratskandidaten ihre Visionen für das Bremgarten der Zukunft mit möglichst viel Lebensqualität. «Mein heiles Bremgarten hat eine florierende Altstadt als Herzstück. Wir leben in sich gegenseitig bereichernder Koexistenz zu unseren Nachbarn», sinnierte Schmid. Müller erhofft sich «eine fröhliche, harmonische Gemeinde, wo von den Schulen über die Mobilität und Infrastruktur bis zu den Alterswohnungen vieles in die richtigen Bahnen gelenkt wird.» Während Werder betont: «Die Lebensqualität einer Gemeinde hängt letztlich an den Menschen, die in ihr wirken. Die Gemeinde sollte sich in erster Linie gegenüber ihren Bürgern zurücknehmen und sich auf andere Aufgaben konzentrieren.» Der FDP-Kandidat, der zugleich für das Amt des Vizeammanns antritt, verlieh zudem an dieser Stelle seinem grossen Bedauern darüber Ausdruck, dass die Bisherigen am Podium nicht vertreten sind. «Gerade über Visionen und den Weg zu ihrer Verwirklichung hätte ich sehr gerne mit ihnen gesprochen.» Ein Votum, dem die anderen beiden im Übrigen beipflichten.
Ein weiterer Punkt unter vielem, in dem sich die drei Neukandidaten grosso modo einig waren. Das ist insofern durchaus beachtlich, als ja gemeinhin von einem Wettstreit unter jenen drei um zwei frei werdende Plätze im Stadtrat ausgegangen wird. Kompetent und in der Lage, den Herausforderungen eines schwierigen Stadtratsamts gerecht zu werden, sind sie alle drei – das zeigte nicht erst dieser Abend, wobei er selbiges nochmals unterstrich.
Wohlgesinntes Publikum
So wird am Ende vieles von Sympathien und persönlichen Präferenzen abhängen. Ob ein «widerstandsfähiger, ruhiger Bär, mit Mut zur Veränderung» (Sandro Schmid), «ein Kandidat mit Herzblut und handwerklichem Hintergrund – ideal für die wohl frei werdenden Ressorts im Hoch- und Tiefbau» (Claudio Müller) oder jemand, «der berufliche Führungsstärke mit viel politischer Erfahrung kombiniert» (Peter Werder). Wählbar für die breite Bevölkerung geben sich alle. Das sah am Ende jedenfalls das Gros der Gekommenen am Podium in Hermetschwil-Staffeln so, wie sich auch am anschliessenden Apéro zeigte. Stellvertretend dafür eine Besucherin im kleinen Rund: «Die haben mich alle überzeugt. Für mich sind es drei für den Stadtrat.» Es wäre indes eine ziemlich grosse Überraschung, wenn sie zu dritt den Sprung schaffen würden. Aber wer weiss denn schon, was die Zukunft bringt.
Die Absage der Bisherigen
Auch die drei bisherigen, wieder antretenden Stadtratsmitglieder Daniel Sommerhalder, Claudia Bamert und Stephan Troxler wären an das Wahlpodium eingeladen gewesen. Auf eine Teilnahme haben sie indes «nach sorgfältiger Besprechung» bewusst verzichtet. «Die neuen Kandidaten sollten an diesem Podium die volle Aufmerksamkeit erhalten, um sich vorzustellen und ihre Anliegen zu präsentieren», begründen die Bisherigen in einer gemeinsamen Stellungnahme auf Anfrage dieser Zeitung.
Als amtierende Ratsmitglieder seien sie selber der Bevölkerung ohnehin seit Jahren bekannt, regelmässig an Veranstaltungen präsent und jederzeit persönlich ansprechbar. «Wir möchten vermeiden, dass die Diskussion durch unsere Teilnahme zu stark auf bereits bekannte Themen gelenkt wird. Stattdessen soll die Bühne ganz denjenigen gehören, die sich neu zur Wahl stellen», argumentieren die Bisherigen ihren Verzicht. Man begrüsse jedoch die Organisation des Podiums durch das Forum Hermetschwil ausdrücklich, denn es zeige, dass in Bremgarten ein grosses Interesse an den bevorstehenden Wahlen bestehe. «Wir danken den Organisierenden herzlich und begrüssen es sehr, dass mit dem Podium ein Rahmen geschaffen wurde, in dem die neuen Kandidierenden ihre Positionen darlegen konnten.»
Der Verzicht der Bisherigen sei indes keinesfalls eine Absage an den Dialog: «Wir schätzen den Austausch mit der Bevölkerung sehr und stehen jederzeit für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Gerade dieser persönliche Kontakt ist aus unserer Sicht der ehrlichste Weg, um Vertrauen aufzubauen», möchten Sommerhalder, Bamert und Troxler betonen. --huy