Ein Leben für die Musik
24.02.2026 Musik, Region Unterfreiamt, DottikonHansruedi Probst, ein musikalisches Urgestein, wird pensioniert
Hansruedi Probst hat an diversen Musikschulen der Region seine Spuren hinterlassen. Nun beendet er seine Tätigkeit als Instrumentallehrer. Die von ihm gegründeten Brass Hoppers und ihre Ableger ...
Hansruedi Probst, ein musikalisches Urgestein, wird pensioniert
Hansruedi Probst hat an diversen Musikschulen der Region seine Spuren hinterlassen. Nun beendet er seine Tätigkeit als Instrumentallehrer. Die von ihm gegründeten Brass Hoppers und ihre Ableger sollen weiterhin das Publikum begeistern.
Chregi Hansen
«Die jetzige Crazy-Generation ist die vielleicht beste, die ich je hatte», sagt Hansruedi Probst im Gespräch am Freitag. Zwei Tage später folgt der Beweis dafür. Eröffnen seine Crazy Hoppers die GV des Seniorenvereins Villmergen. Und sorgen mit ihrem Auftritt für riesige Begeisterung. Vor allem die erstmals vorgetragene Rock-Hymne «Bohemian Rhapsody» reisst die Senioren und Seniorinnen wortwörtlich von den Sitzen.
Hansruedi Probst hält sich das ganze Konzert über im Hintergrund auf. Überlässt die Bühne und den Applaus den Nachwuchsmusikanten. Diese spielen auswendig und ohne Dirigenten. «Das ist anspruchsvoll», ist sich der Musiklehrer bewusst, «aber ich will sie nicht nur fördern, sondern auch fordern.» Wer bei den Crazy Hoppers mittun will, muss nicht nur talentiert sein, sondern die Bereitschaft haben, etwas zu leisten. Auch abseits der Bühne. Die Mitglieder müssen auch beim Aufstellen und Abräumen mit anpacken. «Ich mache den Fahrer, denn sie haben ja noch keinen Führerausweis. Aber sonst sollen sie möglichst alles selber erledigen», schmunzelt Probst.
Im kleinen Rahmen angefangen
Die Crazy Hoppers geniessen einen hervorragenden Ruf. Die 16-köpfige Band in 5. Generation spielt jährlich durchschnittlich etwa 30-mal im Inund Ausland. Angefangen hat alles vor über 25 Jahren. 1999 übernahm Probst, bereits länger Lehrer an der Musikschule Dottikon, die Leitung der damaligen Schulband. Und begann schon bald, diese aus- und umzubauen. 2001 gründete er die Brass Hoppers, eine Blasmusikformation mit über 40 Schülern und Schülerinnen der Oberstufe. Später folgten die Mini Hoppers für die Jüngeren, «die Krabbelgruppe», wie sie der Leiter scherzhaft nennt. Und die Crazy Hoppers für die Talentiertesten und diejenigen, die auch nach der obligatorischen Schulzeit weiter musizieren wollten. Dazu kommt eine Formation für Erwachsene, früher bekannt als Crash Hoppers, neu nennt sie sich Bünztal Musikanten. Vier Formationen also, fast 100 Mitglieder, alle unter einer Leitung. Und regelmässig vereint in einem grossen Jahreskonzert, dem «Hoppers in Concert».
Viele machen später musikalisch Karriere
Der Aufwand, den Hansruedi Probst dafür betreibt, ist riesig. Zwar hat er für die Ensemble-Leitung ein Pensum an der Musikschule, aber das deckt den Aufwand nicht. «Wir sind einfach eine grandiose Familie, wofür ich gerne Zeit zur Verfügung stelle», sagt er. Zugute kam ihm dabei, dass er an mehreren Musikschulen tätig war. Neben Dottikon, wo er seine erste Stelle antrat und nun nach 40 Jahren in Pension geht, waren dies die Musikschulen Seetal, Boswil, Kelleramt und zeitweise auch Ottenbach. Und aus all diesen Regionen konnte er Kinder und Jugendliche für seine Ensembles gewinnen. Gerne hätte er auch mit der Musikschule Wohlen zusammengearbeitet, schliesslich wohnt er schon etliche Jahre in Wohlen. Aus verschiedenen Gründen habe dies aber nicht geklappt.
Die Hoppers begeistern seit Jahren viele Kinder und Jugendliche. «Die grösste Herausforderung war immer, die Kinder und ihre Eltern zu überzeugen, es auszuprobieren. Wer einmal dabei war, der blieb dann meistens», sagt er heute. Und so manche seiner früheren Schüler machten später selber musikalische Karriere, studieren Musik, leiten Formationen. Aus der ersten Generation der Crazy Hoppers wurde beispielsweise die «Brässkalation», die heute noch auf der Bühne für Furore sorgt. «Die hatten es so gut zusammen, die wollten nach dem Austritt bei den Crazys nicht aufhören», erzählt Probst. Auch dank ihm schafften einige die Aufnahme ins Militärspiel oder wurden später selber Musiklehrer. «Es ist doch schön, wenn die Begeisterung für die Musik auch nach der Schulzeit erhalten bleibt», sagt er.
Ohne Fleiss kein Preis
«Hansruedi Probst ist ein Musiklehrer von altem Schrot und Korn», sagt Heinz Binder, der abtretende Dottiker Musikschulleiter. Aber sein Unterrichtsstil sei überhaupt nicht verstaubt und entspreche den neuesten methodisch-didaktischen Grundsätzen. «Er begeistert seine Lernenden bis am Schluss mit seinem Wissen und seinen hervorragenden Lerninhalten. Er forderte und förderte diese auf eine absolut geniale Art und Weise», so Binder weiter. Gleichzeitig legte Hansruedi Probst aber auch Wert auf gewisse Tugenden, wie sie schon früher gegolten haben. Ohne Fleiss kein Preis, könnte sein Motto sein.
«Ich bin schon eher der Typ General», schmunzelt Probst. Wie im Spitzensport brauche es auch in der Musik einen speziellen Effort, um wirklich gute Leistungen zu bringen. Darum verlangte er viel von seinen Schülerinnen und Schülern, lebte dies aber mit einer grossen Verlässlichkeit und der Bereitschaft, viel Freizeit zu opfern, auch vor. Und er konnte viele andere von seinem Hoppers-Projekt begeistern. «Ich hatte immer wieder Menschen, die mich unterstützt haben. Gerade auch die Leiter der verschiedenen Musikschulen», erklärt er.
Einfach war es nicht immer. Die Zahl der Auftritte der verschiedenen Formationen nahm stetig zu, oft brauchte es im Vorfeld Urlaubsgesuche in der Schule. «Nicht immer war das nötige Verständnis da», so seine Erfahrung. Auch braucht er die Unterstützung der Eltern bei externen Auftritten. Umgekehrt bleiben viele tolle Erlebnisse für immer in Erinnerung. So etwa die beiden Teilnahmen am «Harrogate International Youth Music Festival» in England oder die Reise nach Bologna mit den Brass Hoppers. Gerne hätte er der jetzigen Crazy-Generation einen ähnlichen Höhepunkt gegönnt. «Eine Teilnahme in England ist aus diversen Gründen nicht möglich. Ich hoffe, ich finde noch eine Alternative», sagt er.
Formationen nach und nach abgeben
Damit ist klar: Hansruedi Probst geht zwar als Musiklehrer in Pension, als Leiter der Hoppers macht er aber vorerst weiter. «Mein Ziel ist es, dass ich diese gestaffelt weitergeben kann. Als Erstes die Mini Hoppers, dann nach und nach die weiteren Ensembles.» Zumindest eine Crazy-Generation will er noch durchziehen. Er hofft, dass sich wieder eine Gruppe talentierter Musikanten findet, die bereit ist, mehr als das Normale zu leisten und mehrere Jahre zusammenzuspielen. «Erst wenn man ein gewisses Niveau erreicht hat, macht es auch richtig Spass. Dann aber haut es richtig rein», sagt er mit einem breiten Lachen.
Vorerst engagiert er sich weiter für die vier Ensembles. Nimmt den grossen Aufwand eben in Kauf. «Ganz ehrlich, die Ensembles machten den Job als Musiklehrer erst richtig interessant. Denn Blasmusik ist doch im Prinzip ein Mannschaftssport», sagt er. Erst im Zusammenspiel mit anderen entsteht richtig tolle Musik. Er selber hat die grosse Bühne nie gesucht. «Ich bin keine Rampensau, sondern eher der Handwerker», sagt er von sich selber. Noch heute übt er täglich Trompete und Alphorn. Ohne Fleiss eben kein Preis. «Ja, ich war vermutlich ein strenger Lehrer. Aber ich wollte die Schüler eben vorwärtsbringen», schaut er auf die vergangenen 40 Jahre zurück. Und dass sein Einsatz Früchte trägt, merkt er gerade aktuell. Neuer Musikschulleiter in Dottikon ist Stefan Grüninger, einer seiner früheren Schüler. «Hansruedi Probst verdanke ich sehr viel», sagt Grüninger denn auch.
Weiteres Highlight am 31. Mai
Apropos Militärspiel. Am 31. Mai tritt die Swiss Armed Forces Brass Band, eines der gefragtesten Militärorchester der Schweiz, in Dottikon auf. Im Vorprogramm, wie könnte es anders sein, die Brass Hoppers und die Crazy Hoppers unter der Leitung von Hansruedi Probst. «Für mich als Fan der Blasmusik ein Highlight. Darauf freue ich mich jetzt schon», sagt er. Und bis dahin wird, das ist auch schon klar, intensiv geprobt. «Ohne geht es eben nicht», lacht der Musiklehrer. Da ändert die Pensionierung nichts.


