Eine spezielle Nacht im Wald
12.05.2026 Theater, MuriErstes SeReal-Theater
Muri: «Einfach weg» behandelt Thema Sehnsucht
Noch ist die Teilnehmerzahl nicht riesig. Sieben Jugendliche der Sekundarund Realschule Muri sind es, die das Freifach Theater wählen. Während dieses in der ...
Erstes SeReal-Theater
Muri: «Einfach weg» behandelt Thema Sehnsucht
Noch ist die Teilnehmerzahl nicht riesig. Sieben Jugendliche der Sekundarund Realschule Muri sind es, die das Freifach Theater wählen. Während dieses in der Bezirksschule eine lange Tradition hat, ist es in der SeReal neu. Auch dank Lehrerin und Theaterpädagogin Caroline Vollstedt. Seit Oktober liefen die Proben, nun wurde «Einfach weg» dem Publikum präsentiert.
--ake
SeReal begeistert mit ihrem ersten Theaterprojekt «Einfach weg» das Publikum und die Leiterin
Eine Premiere – im doppelten Sinn. Zum ersten Mal bot die Sekundar- und Realschule das Freifach Theater an. Sieben Jugendliche liessen sich darauf ein und präsentierten nun ihr selbst mitentwickeltes Stück.
Annemarie Keusch
Irgendwie ist es fast schon desillusionierend. Die Ferien stehen kurz bevor, aber in den Gesichtern der Jugendlichen macht sich Gleichgültigkeit breit. Antriebslosigkeit statt Vorfreude. Ganz grosse Langeweile. Bis der Entscheid fällt: «Wir gehen zusammen in die Ferien.» Bleibt nur die Frage: Wellness oder Camping? Bettdecke oder klarer Sternenhimmel? Warme Dusche oder gebrätelte Cervelats? Am Schluss setzt sich Letzteres durch.
So ganz unvorbereitet lassen sich solche Ferien aber nicht antreten. Ein gemeinsames Wochenende soll der Übung gelten. Damit vielleicht Julia (Anna Gantenbein) dann in die Ferien nicht den Rollkoffer mitnimmt. Oder damit alle wissen, dass der eigentliche Survival-Fan Alex (Gian Leuthard) panische Angst vor Spinnen hat. Mit dabei sind zudem Sydney (Sara Häfliger), die begeisterte Unihockey-Spielerin, Julias jüngerer Bruder Jason (Nico Passarella), ihre beste Freundin Mina (Kim Meier), die sich in Alex verliebt. Und Emilia (Lea Gysi). Ihre Antwort bei «Wahrheit oder Risiko» lässt das Publikum in Gedanken zurück. «Was ich sagen würde, wenn ich mich endlich getrauen würde? Dass ich Angst davor habe, etwas falsch zu machen. Dass ich darum lieber nichts sage und mache. Aber dass ich mir wünschen würde, auch mal aus mir rauszugehen.»
Wenig begeisterte Eltern
Zu denken gibt aber vor allem Benedikt (Eric Kaiser). Während alle kurz nach dem Packen ihren Eltern Bescheid geben, dass sie miteinander einen Tag und eine Nacht im Wald verbringen, nimmt er sein Handy gar nicht erst zur Hand. «Das interessiert sie nicht. Meine Eltern bemerken nicht mal, wenn ich nicht da bin.» Von den restlichen Eltern weht den Jugendlichen hingegen Gegenwind ins Gesicht. «Zu jung.» «Auf gar keinen Fall.» «Viel zu gefährlich.» «Vergiss es, keine Diskussion.» Des Rätsels Lösung: ein gegenseitiges Alibi. Alle geben an, bei einem der anderen zu übernachten.
So geht es los in den Wald. Zwar mit nur einem Zelt, weshalb die Jungs und Sydney schliesslich draussen schlafen. Bei «Wahrheit oder Risiko» am Lagerfeuer isst Alex gar eine Rossschnecke.
Benedikt will Julia beim Holzsammeln beichten, dass er in sie verliebt ist. Doch sie hört überhaupt nicht hin. Jason verschwindet nachts hinter einem Baum, um sein Geschäft zu erledigen, was eine grosse Suchaktion auslöst.
Langeweile? «Dann tu etwas»
Apropos Suchaktion. Diese lancieren die Eltern der sieben Jugendlichen. Nach dem Morgensport («Zeig deine Muskeln») schalten alle ihre Mobiltelefone wieder ein. 20 Anrufe in Abwesenheit – bei allen. Selbst bei Benedikt. Schnell ist klar: Übung abbrechen. Sie gehen so schnell wie möglich nach Hause. Zu den Eltern, die ausrasten, weinen, ihre Sprösslinge umarmen. Die Jugendlichen sind sich einig: «Allein hätten wir das alle nie gewagt. Miteinander schon. Und es hat sich gelohnt, wenn auch nur für eine Nacht.» Da liegt die Antwort auf Jasons «Mir ist schon wieder langweilig» auf der Hand: «Dann tu etwas.» Es ist ein grosser Applaus, der den Jugendlichen nach beiden Aufführungen in der Aula der Bez entgegenschwappt. «Sprachlos, megastolz», fasst auch Spielleiterin Caroline Vollstedt zusammen. Der Applaus sei der Lohn für ein halbes Jahr intensive Arbeit. Es ist das erste Mal überhaupt, dass an der Sekundar- und Realschule in Muri Theater als Freifach angeboten wird. Seit Oktober probten die sieben Jugendlichen jeden Mittwochnachmittag. Dabei inszenierten sie kein vorgefertigtes Stück mit fixen Rollen. Sondern sie bauten sich die Geschichte selber auf. Sehnsucht bot dabei die Basis.
Selber Namen gegeben
Caroline Vollstedt ist seit zwei Jahren in Muri als Sportlehrperson tätig. Zudem arbeitet sie seit 15 Jahren im Bereich Theaterpädagogik. Im letzten Schuljahr führte sie in fast allen Klassen Workshops und Angebote rund um Auftrittskompetenz durch. In diesem Schuljahr nun folgte das Freifach. Sieben wagten es. «Diese Zahl wird sich sicher noch steigern, wenn das Theater etablierter ist», sagt Caroline Vollstedt. Spass gemacht habe es aber auch in der kleinen Gruppe. Aufeinander zugehen, miteinander improvisieren, Vertrauen aufbauen. «Wie Selbstvertrauen entstanden ist und wie die Jugendlichen mutiger wurden, das war sehr schön und berührend.» Das grösste Geschenk dieser Arbeit sei der Moment, in dem die Jugendlichen beginnen zu realisieren: «Das ist unser Stück.» Sie konnten ihren Figuren Namen geben, sie entwickeln, Eigenschaften und Beziehungen zu anderen Figuren gestalten.
Als bereichernd, aber auch herausfordernd beschreibt Caroline Vollstedt ihr erstes Theaterprojekt an der SeReal Muri. Sie hofft, dass künftig noch mehr Jugendliche den Schritt wagen. Als Freifach wird es das Theater aber wohl erst in zwei Jahren wieder geben.




