«Eisenfuss» kommt nach Hause
21.08.2020 FussballDie Widerin Anja Bosshard kehrt zu ihrem Kindheitsverein zurück
Rund 20 Jahre war Anja Bosshard beim FC Bremgarten aktiv. Jetzt spielt sie für den FC Mutschellen. Im Alter von sechs Jahren hat die Enkelin einer FCZ-Legende beim Vorgängerverein FC Rudolfstetten mit dem Fussball angefangen.
Eine junge, hübsche Frau sitzt am Ufer der Reuss in Bremgarten. Wenn man das sympathische Lächeln der 29-jährigen Anja Bosshard sieht, würde man kaum glauben, dass die Widerin eine beinharte Innenverteidigerin ist. «Ich habe den Spitznamen ‹Eisenfuss› erhalten, weil ich meinen Fuss ohne Rücksicht auf Verluste überall dazwischenhalte», erzählt sie.
Den Spitznamen erhielt sie beim FC Bremgarten, wo sie fast 20 Jahre lang gespielt hat. Diese Zeit ist jetzt vorbei. Bosshard ist zum FC Mutschellen gewechselt. Damit schliesst sich ein Kreis. Im Alter von sechs Jahren machte die Fussballerin beim FC Rudolfstetten, wie der FC Mutschellen bis 2008 hiess, ihre ersten Schritte auf dem Rasen.
In eine Fussballerfamilie geboren
Die Abwehrspielerin konnte um den Fussballsport nicht herumkommen. Ihr Grossvater ist Walter Bosshard. Der ehemalige Linksaussen ist eine Legende beim FC Zürich. Er spielte zwischen 1934 und 1954 20 Jahre lang für den «Z» und erzielte in 18 Jahren beim Fanionteam 140 Tore. Walter Bosshard war Captain der Zürcher, und ist Ehrenmitglied des FCZ. «Es ist schade, dass ich ihn nie spielen gesehen habe», sagt Anja Bosshard.
Auch ihr Vater war Fussballer. Zuerst Spieler und später Trainer beim FC Rudolfstetten. Wie ihre beiden Brüder kam auch die Widerin in die Fussballschule des FC Rudolfstetten. Danach ging es zum FC Bremgarten, wo sie bis zur vergangenen Saison blieb.
Ohne Fussball geht es nicht
Während Vater Bosshard und die Brüder Bosshard sich mit der Zeit zurückgezogen haben, blieb Anja aktiv. «Es stand für mich nie zur Debatte aufzuhören. Ich brauche den Fussball.»
Die gelernte Pharmaassistentin arbeitet in der Praxis von «Augenarzt Berikon Mutschellen» als Praxisassistentin. Für sie ist der Fussball wichtig als Ausgleich zur Arbeit. Allerdings auch nicht mehr. Die Abwehrspielerin hatte ein Angebot des FC Baden vorliegen. «Es war für mich immer ein Hobby. Ich wollte nie den Aufwand auf mich nehmen weite Wege zu fahren, um etwas höher zu spielen.»
Cupsieg und Aufstieg
Erfolge konnte sie auch beim FC Bremgarten feiern. 2013 gewannen die Reussstädterinnen den Aargauer Cup gegen den FC Erlinsbach. 2018 stiegen sie in die 1. Liga auf. Im Schweizer Cup warteten die Frauen des FC Basel. Trotz 0:15-Niederlage war das für Anja Bosshard ein weiteres eindrückliches Ergebnis. «Der Sieg im Aargauer Cup war mein grösster Erfolg. Das Spiel gegen die Baslerinnen immerhin eine interessante Erfahrung», sagt Bosshard lachend.
Jetzt fängt ein neuer Abschnitt an. Die Abwehrspielerin ist mit zahlreichen Kolleginnen von Bremgarten zum FC Mutschellen gewechselt. Für die Widerin, die heute in Berikon lebt, ist es ein Heimkommen. Auch wenn der FC Rudolfstetten bei ihrem Abgang noch auf der Isleren spielte und nicht auf der Burkertsmatt. «Durch meinen Vater und meine Brüder kenne ich noch sehr viele Leute im Verein.»
Die Mutschellerinnen starten neu in der 4. Liga. Eine neue Herausforderung für Anja Bosshard. Obwohl sie mit 29 Jahren die zweitälteste Spielerin im Team ist, denkt sie noch lange nicht ans Aufhören. «Wir haben eine gute Teamchemie. Die jüngeren Spielerinnen lassen uns nicht spüren, wie alt wir sind», sagt sie lachend. «Ausserdem bin ich noch spritzig genug. Ich fühle mich, als wäre ich 20 Jahre alt.»
Eine Vollblutkickerin
Ohne Fussball könnte man sich die 29-Jährige ohnehin nicht vorstellen. Neben Grossvater, Vater und den Brüdern ist auch ihr Freund Fussballer. Luca Angst, Abwehrspieler des FC Niederwil, darf Anja Bosshard als seine bessere Hälfte bezeichnen. Und wenn sie nicht selbst spielt oder einen Match ihres Freundes ansieht, schaut sie auch gern Fussball im Fernsehen oder im Letzigrund bei «ihrem» FCZ, für den sie dank ihrem Grossvater fiebert.
«Fussball ist zwar nur ein Hobby für mich. Aber es ist das, was meine Freizeit ausfüllt.» Jetzt kann sie den Sport wieder zu Hause auf dem Mutschellen ausüben. --jl


