«Es braucht das ganze Dorf»
17.07.2026 Theater, Region Oberfreiamt, Beinwil/FreiamtTheater Beinwil: ausverkauft
16 Vorstellungen à je 100 Zuschauer. Schon drei Wochen vor der Premiere von «Keis Wunder, es Wunder» sind alle Tickets weg. OK-Mitglied Daniel Stutzer erzählt, weshalb es für ein solches Projekt das ganze Dorf braucht. ...
Theater Beinwil: ausverkauft
16 Vorstellungen à je 100 Zuschauer. Schon drei Wochen vor der Premiere von «Keis Wunder, es Wunder» sind alle Tickets weg. OK-Mitglied Daniel Stutzer erzählt, weshalb es für ein solches Projekt das ganze Dorf braucht. --ake
Daniel Stutzer ist beim Beinwiler Freilichttheater für die Bauten und die Technik verantwortlich
Das OK arbeitet seit zwei Jahren. Nun steht die Premiere kurz bevor. Am 7. August geht es los, 16 Aufführungen von «Keis Wunder, es Wunder» sind geplant. Neben den Schauspielern sind dabei auch viele Menschen im Hintergrund gefordert – etwa Daniel Stutzer.
Annemarie Keusch
So aufwendig wird es wohl nicht sein. Dieser Satz steht am Anfang ganz vieler Zusagen für freiwilliges Engagement. «Das war bei mir nicht anders», sagt Daniel Stutzer und lacht. Auch er habe unterschätzt, was auf ihn zukommen würde. «Die Spielorte sind ja draussen. Da braucht es nicht viel.» Heute weiss er, dass dem nicht so ist. Dass durchaus mehr dahintersteckt als anfänglich vermutet. «Ich verfügte auch über keinerlei Erfahrungen im Theaterbereich», gesteht er. Vielleicht habe er gerade deswegen zugesagt, im OK des Beinwiler Freilichttheaters mitzuwirken.
Bereut hat das Daniel Stutzer seither nicht. Auch wenn die Arbeit in den letzten zwei Jahren zeitweise intensiv war. Er betont während des Gesprächs, was ihn immer wieder motivierte, anspornte: die grosse Unterstützung. Der Handwerksbetriebe, der Schauspielenden, der Landanstösser und -eigentümer, des gesamten Dorfes. «Das braucht es auch, sonst könnten wir das nicht auf die Beine stellen. Das ganze Dorf steht dahinter.» Entsprechend könne er auf Hilfe zählen. Wenn es darum geht, Material für die Bauten oder die Technik zu organisieren. «Da helfen sicher auch die Beziehungen, die man sich als ortsansässiger Handwerker aufgebaut hat», sagt der Gartenbauer.
Ende Juli wird gebaut
Heisst aber nicht, dass es an Herausforderungen mangelt. Die grösste liegt darin, dass das Theater an fünf Spielorten aufgeführt wird. Hinzu kommt die Anzahl Aufführungen. Viele Landeigentümer und -anstösser sind entsprechend über eine längere Zeitdauer mitinvolviert. Stutzer versucht mit allen in Kontakt zu sein, «weil ich es dann bin, der vor Ort Pfähle einschlägt». Die Gefahr, jemanden zu vergessen, sei gross. «Ich entschuldige mich bereits jetzt, falls das passieren sollte.» Gebaut wird dann so richtig Ende Juli. Dann stellen Stutzer und sein Team das grosse Theaterzelt neben der Kirche. Hier kann sich das Publikum verpflegen, hier sollen die Gäste verweilen. Hinzu kommen Installationen an den fünf verschiedenen Spielorten. Mal eine Tribüne, mal Absperrungen. «Viel ist es an den Spielorten nicht. Es braucht keine Kulisse, die Natur bietet schliesslich die schönstmögliche», sagt Daniel Stutzer. Etwa bei der Linde, die er vor über 40 Jahren pflanzte. «Ja, das ist Weitsicht», meint er lachend. Vielmehr steckt Zufall dahinter, der aber nun beleuchtet wird. Oder ein Apfelbaum oder ein alter Zaun.
Die Bauten sind aber nur ein Teil seiner Aufgaben. Hinzu kommt die Technik. Hier kann das OK gerade bei der Beleuchtung auf externe Unterstützung zählen. Für den nötigen Strom sorgen lokale Firmen. «Beinwil ist Fest-erprobt, das kommt uns auch bei diesem Anlass zugute», sagt Daniel Stutzer. Seine Frau Margrit und Vreni Barmettler kümmerten sich um die Dekoration, bastelten Dohlen, die zum Heiligen Burkard gehören. «Eben, die Hilfe, das Miteinander, ist gross. So macht es Freude.» Gleiches gelte auch für die Zusammenarbeit im OK. «Niemand hat gross Theatererfahrung. Es kommt dennoch gut», ist Daniel Stutzer überzeugt. Auch dank Regisseur Walter Küng. «Er ist Profi, auf ihn und seine Expertise können wir uns immer verlassen.»
Alle Aufführungen sind bereits ausverkauft
Vorbereitet ist mittlerweile fast alles. Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind in den Sommerferien. Das OK traf sich diese Woche noch zu einer Sitzung. «Letzte Details stehen noch an. Wir alle hoffen, an das meiste gedacht zu haben», meint Daniel Stutzer und lacht. Auf viel Publikum zu hoffen, braucht das OK indes nicht mehr. Seit Kurzem sind alle 16 Aufführungen ausverkauft. Rund 100 Leute kommen pro Aufführung. «Damit hätten wir nie gerechnet. Nun sind wir umso mehr in der Pflicht, auch zu genügen.» Dafür ist alles in die Wege geleitet. Hören alle alles? Sehen alle die Details? Es sind solche Fragen, die sich Daniel Stutzer manchmal stellt. Und er ist bereit, wenn es nach der Premiere noch Anpassungen zu machen gilt.
Überhaupt, Stutzer wird an fast allen Vorführungen selbst vor Ort sein. «Helfen, wo Not am Mann ist. Wenn etwa jemand ausfällt. Ich bin Reservist.» Noch ein paar wenige Schichten als Helferin oder Helfer sind übrigens noch nicht besetzt. «Aber auch hier, sind wir überwältigt von der Unterstützung.» Das Dorf hilft mit, das Dorf steht selbst auf der Bühne, das Dorf organisiert, das Dorf unterstützt. «Das ist toll und bringt uns als Gemeinschaft viel. Solche Anlässe lehren uns, froh umeinander zu sein.» Sich gemeinsam an etwas zu erfreuen, das mache schliesslich viel mehr Spass als alleine. Ab dem 7. August bis am 5. September wird dem so sein. Wenn «Keis Wunder, es Wunder» Beinwil auf Trab hält und das Publikum begeistert. «Eine einmalige Sache. Entsprechend gross ist die Vorfreude», sagt Daniel Stutzer. Übrigens natürlich auch auf das Stück selbst. Denn gelesen hat es Stutzer noch nicht. «Das Skript hätte ich erhalten, aber ich will es viel lieber erleben.»
Mehr Informationen finden Interessierte unter: www.freilichttheater-beinwil.ch.

