Gute Energie für die Nati
12.06.2026 Fussball, SportDie Reise geht los
32 Jahre nach Ciriaco Sforza ist mit Marvin Keller wieder ein Freiämter im WM-Kader der Nati
Die Schweiz spielt am Samstag (21 Uhr) ihr erstes Spiel an der WM gegen Katar. Mit dabei ist ein Freiämter.
Stefan Sprenger
22. Juni 1994. In Detroit spielt die Schweiz gegen Rumänien. In der 72. Minute ereignet sich eines der legendärsten Tore der Schweizer Fussballgeschichte. Ciriaco Sforza (aus Wohlen) tritt einen grandiosen Solo-Lauf über das halbe Feld an, seinen perfekten Pass verwertet Adrian Knup zum 3:1. Die ganze Schweiz steht kopf. Am Ende siegt die Nati 4:1 und zieht in den Achtelfinal ein (wo allerdings nach dem 0:3 gegen Spanien Endstation ist). Heute – 32 Jahre später – findet die Fussball-Weltmeisterschaft wieder in Nordamerika statt (Mexiko, Kanada und USA). Und mit Marvin Keller aus Berikon ist wiederum ein Freiämter Fussballer Teil des Nati-Kaders.
Keller: «Ein gutes Gefühl»
Allerdings wird Goalie Marvin Keller wahrscheinlich nur auf der Bank dabei sein. Gregor Kobel (von Borussia Dortmund) ist als Nummer 1 im Tor gesetzt.
Dennoch ist die Vorfreude bei Keller riesig. «Wir haben alle ein gutes Gefühl und freuen uns auf eine coole und hoffentlich erfolgreiche WM-Reise», sagt der 23-Jährige. Am Samstag steht in San Francisco das Startspiel gegen Katar an (21 Uhr). «Wir wollen die beste WM spielen, die je eine Schweizer Nati gespielt hat.»
Weltmeisterschaft: Der Freiämter Nationalspieler Marvin Keller vor dem WM-Start gegen Katar (Sa, 21 Uhr)
Die WM ist eröffnet. Morgen Samstag startet die Schweiz gegen Katar ins Turnier. «Die Spannung ist gross, die Vorfreude ebenso. Und der Teamspirit ist richtig gut», sagt Marvin Keller aus Berikon. Der Torhüter spricht über seine schwierige Saison bei den Young Boys und was er von der WM erwartet.
Stefan Sprenger
«Wir haben Grosses vor», sagt Marvin Keller. «Der Spirit im Team ist super, vor so einem grossen Turnier spürt man dies noch intensiver. Wir haben alle ein gutes Gefühl und freuen uns auf eine coole und hoffentlich erfolgreiche WM-Reise.» Das Schweizer Nationalteam bereitet sich im Basiscamp in San Diego auf die WM-Auftaktpartie gegen Katar vor (Samstag, 21 Uhr). Gespielt wird in San Francisco.
Für einen Tag in Berikon: «Kurz auftanken»
Szenenwechsel. Weg von den grossen Städten an der US-Westküste, hin nach Berikon ins Freiamt. Am Montag (1. Juni) war Marvin Keller für etwas mehr als einen Tag kurz zu Hause. «Kurz auftanken. Familie und Freunde treffen. Gemeinsam Zeit verbringen, auch wenn es nicht viel ist. Das ist mir sehr wichtig», sagt er. Die Tage zuvor war er in der Nati, gab beim 4:1-Sieg im Testspiel gegen Jordanien (am Sonntag, 31. Mai) sein Debüt in der A-Nati. «Das hat mich enorm stolz gemacht. Darauf habe ich lange hingearbeitet und es war ein grosser Moment für mich. Ein Traum ging in Erfüllung», sagt Keller. Für ihn war dies auch Ansporn für mehr. Der 23-Jährige will natürlich irgendwann die Nummer 1 im Tor des Nationalteams sein.
Am Dienstag (2. Juni) hob der Nati-Flieger ab Richtung USA. Kellers Gedanken sind voll und ganz bei beim Nationalteam und der Weltmeisterschaft. Die vergangene Saison mit den Young Boys, als man 20 Punkte hinter Meister Thun abschloss – hat er verdaut. Nach dem Ende der Super-League-Saison Mitte Mai konnte er ein paar Tage runterfahren, er verbrachte sie an der Sonne und am Meer.
Die schwierige Saison mit YB
Keller, die Nummer 1 im Tor der Berner, analysiert – wie immer – treffend und auch selbstkritisch: «Die Saison mit YB ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Eine frustrierende und schwierige Saison. Wir haben alle Ziele verfehlt. Dementsprechend sind wir auch unzufrieden. Wir müssen jetzt alles geben, damit es wieder in die richtige Richtung geht.» YB kassierte 69 Gegentore, was historisch viel ist. «Viel zu viel. Das ist nicht gut. Und da bin ich im Tor auch ein Teil davon.» Keller stand bei 50 Partien zwischen den Pfosten – in der Super League und der Europa League.
Sein Blick geht nach vorne. «Voller Fokus auf die WM. Auf das Team. Auf meine Aufgabe», sagt er.
«Solche Dinge sind wichtig»
Im Tor ist Gregor Kobel von Borussia Dortmund die klare Nummer 1. Dahinter sind Yvon Mvogo (FC Lorient) und Marvin Keller bereit, falls sie gebraucht werden. Keller sagt: «Meine Rolle: Ich will im Training und auch neben dem Platz präsent sein. Pushen. Meine beste Leistung zeigen, um das Level hoch zu halten. Ich will gute Energie reinbringen und zur coolen Stimmung beitragen. Solche Dinge sind wichtig.»
Hofft er auf einen Einsatz?
Für ihn ist es das erste grosse Turnier mit der A-Nati. «Es ist enorm cool, dass ich an diesem Topturnier dabei sein darf. Eine grosse Ehre. Und ich werde wertvolle Erfahrungen sammeln. Das Drumherum an dieser WM wird sicherlich auch spannend.» Hofft er auf einen Einsatz? Keller sagt lediglich: «Im Fussball ist alles möglich.» Seine Hoffnung für die kommenden Wochen an der Fussball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA: «Wir wollen die beste WM spielen, die je eine Schweizer Nati gespielt hat.»
Und wie weit kommt das Schweizer Nationalteam an dieser WM? Natürlich wagt der Freiämter keine Prognose, meint aber lächelnd: «Alles ist möglich.»
Die Freiämter WM-Fahrer
Die Schweiz war erstmals 1934 an einer Fussball-Weltmeisterschaft dabei. Total gab es 13 Teilnahmen an einer WM-Endrunde. Ab 2006 schaffte die Nati immer – also alle vier Jahre) die Qualifikation. Aus dem Freiamt gab es an allen Weltmeisterschaften nur zwei Spieler, die es an eine WM geschafft haben. Ciriaco Sforza (1994 in den USA) und nun Marvin Keller (2026). Als Unparteiischer schaffte es Linienrichter Francesco Buragina aus Wohlen zwei Mal an die WM (2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika). Fedayi San aus Arni ist 2026 als VAR mit dabei (siehe Dienstagsausgabe).



