Handwerk als Grundstein
29.05.2026 Wohlen, MuseumSchweizer Strohmuseum: Sonderausstellung zum Wettbewerb «Prix Paille» – Vernissage heute Freitag
Mit der Sonderausstellung möchte das Schweizer Strohmuseum Vergangenheit mit der Zukunft verknüpfen. Inspiriert durch die Sammlung sind ...
Schweizer Strohmuseum: Sonderausstellung zum Wettbewerb «Prix Paille» – Vernissage heute Freitag
Mit der Sonderausstellung möchte das Schweizer Strohmuseum Vergangenheit mit der Zukunft verknüpfen. Inspiriert durch die Sammlung sind viele unerwartete Projekte entstanden. Sie alle haben eines gemeinsam – Handwerk und Geschichte.
Monica Rast
Der Prix Paille ist ein Wettbewerb, den das Schweizer Strohmuseum im letzten Jahr anlässlich seines 50-Jahr-Jubiläums ausgeschrieben hat. Kreativschaffende aus Kunst und Design wurden eingeladen, sich ein Bild über die Sammlung des Museums zu machen und sich mit der Hutgeflechtindustrie auseinanderzusetzen. «Die Aufgabe bestand darin, von dem, was sie sahen, ein neues Produkt zu entwickeln», erklärt Petra Giezendanner, Leiterin Schweizer Strohmuseum.
Mit der Ausstellung möchte man etwas Besonderes zum Jubiläum anbieten. Historische Objekte und traditionelle Flechttechniken aus Stroh sollen zeitgemäss und originell für die heutige Zeit neu interpretiert werden. «Wir möchten damit ein Zeichen setzen und nicht nur zurückschauen, sondern auch nach vorne. Die Überführung in die Gegenwart war für uns ein wichtiger Gedanke.»
Um ein Gefühl für die Hutgeflechtindustrie zu bekommen, wurden im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dem Prix Paille zwei Workshops angeboten, in denen sich die Gestalter Strohverarbeitungstechniken aneignen konnten. «Sie sollten wissen, worum es geht», meint Petra Giezendanner. Auch erhielten sie Zugang zum Archiv. Die Workshops fanden grosse Resonanz bei den Wettbewerbsteilnehmenden und wurden von rund 70 Personen besucht. Danach wurden 91 Projektideen eingereicht.
Ideen aus aller Herren Länder
Die Organisatoren des Wettbewerbs waren äusserst zufrieden über die Menge der Einsendungen. Besonders bemerkenswert: Es kamen nicht nur Ideen aus der Schweiz, sondern auch aus England, der Ukraine, Frankreich, Belgien oder Indien.
Eine Fachjury kämpfte sich durch die eingereichten Dossiers und wählte anschliessend 15 Projekte aus. Die ausgewählten Kunstschaffenden wurden gebeten, ihre Entwürfe weiterzuentwickeln und als Prototypen umzusetzen.
Danach war einmal mehr die Fachjury bestehend aus Anna Niederhäuser, Jurypräsidentin, Leiterin Designförderung, Bundesamt für Kultur; Chantal Bavaud, Designerin und Gewinnerin des Prix Paille 2015; Lilia Glanzmann, Studienleitung Textildesign HSLU; Julian Huber, Risa Hutwerkstatt; Miriam Rorato, «ImRaum», Baden; Katharina Tietze, Leiterin Trends und Identity, ZHdK, und Petra Giezendanner gefragt. In einer weiteren Beurteilung wurden drei Gewinner auserkoren, welche heute Freitagabend (ab 18 Uhr), anlässlich der Vernissage bekannt gegeben werden.
Sonderausstellung vom 30. Mai bis 25. April 2027
Die 15 in der Ausstellung präsentierten Projekte zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit der Sammlung, dem Material Stroh und der Geschichte der Hutgeflechtindustrie.
«Schon als ich mich für die Stelle im Strohmuseum beworben hatte, wollte ich mal ein Teil eines Prix Paille sein», schmunzelt Petra Giezendanner, «ich finde es spannend und interessant, wenn man zeitgenössische Künstler auf eine solche Sammlung loslässt.» Diese Zusammenarbeit sei für das Museum wichtig. «Es ist spannend zu sehen, mit welchen Aspekten man ein solches Vermächtnis in ein zeitgenössisches Produkt überführt hat.»
Um das Ganze auch für die Jubiläumsbesucher spannend zu machen, werden am Jubiläumstag auch Gespräche mit den Kunstschaffenden geführt. Begleitend dazu findet man in der Sonderausstellung dokumentierte fotografische Einblicke von Ana Hofmann über die Entstehungsprozesse der Projekte. Ergänzend dazu bieten Videoporträts von Ana Scheu Amigo vertiefende Perspektiven auf die drei prämierten Projekte.
Inspiriert von Schnüerli und Agréments
Die Ausstellung ist von einer inspirierenden Vielfalt und spannenden Hintergrundgeschichte geprägt. Während einige die Agréments (Dekorationselemente der Strohflechtindustrie) als Grundstein bevorzugen, haben andere ihre Inspiration in der Geschichte oder im Material gefunden.
So waren der Ausgangspunkt für Katharina Sauters «Spielraum» die feinen, mit äusserster Kunstfertigkeit und Präzision hergestellten Strohagréments. Die Tatsache, dass viele dieser Miniaturen vermutlich von Kinderhänden gefertigt wurden, spielt dabei für Sauter eine tragende Rolle.
Sie überträgt die filigranen Strukturen in einen stark vergrösserten Massstab. Die ehemals dekorativen Formen werden zu funktionalen Spielobjekten und verbinden somit handwerkliches Erbe mit gesellschaftlichem Wandel.
Bei der Arbeit von Yvonne Fürst und Maya Däster ist die Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit, Erinnerung und dem Wunsch nach Geborgenheit bis zuletzt ein Thema. Die Designerinnen interessieren sich dabei auch für die Frage, welche Rolle Gestaltung und Handwerk in diesem Zusammenhang spielen können. Entstanden ist eine Urne, in der verschiedene traditionelle Handwerke zusammenfinden.
Die Ausstellung beherbergt so die unterschiedlichsten Ideen, die jede für sich nennenswert ist – entstanden aus einem traditionellen Handwerk. Dabei sind die Geschichten dahinter ebenso spannend wie die Produkte der Gestalterinnen und Gestalter.
Neben den Ausstellungsobjekten gehören auch zwei Workshops zur engeren Auswahl. «Flechtzeit» und «Poesie mit Stroh und Ikebana» laden alle Interessierten bereits im Juli dazu ein, Handwerk mit Tradition auszuprobieren.
Infos: www.schweizer-strohmuseum.ch/ sonderausstellungneu


