Helikopterwartung optimieren
28.07.2026Luca Zemp aus Abtwil wurde als bester Absolvent im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der HSLU ausgezeichnet
Mit Stolz durften kürzlich 650 Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Luzern ihre Diplome entgegennehmen. Dabei wurden die besten besonders ...
Luca Zemp aus Abtwil wurde als bester Absolvent im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der HSLU ausgezeichnet
Mit Stolz durften kürzlich 650 Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Luzern ihre Diplome entgegennehmen. Dabei wurden die besten besonders gewürdigt. Unter ihnen auch Luca Zemp aus Abtwil. Seine Abschlussarbeit ist so überzeugend, dass er sie für die RUAG weiter vorantreiben darf.
Thomas Stöckli
Nebenberuflich studieren? Was das heisst, weiss Luca Zemp nun. Zu Beginn hat er von Montag bis Mittwoch ganztags gearbeitet und am Feierabend gelernt, am Donnerstag und Freitag war er dann ganztags an der Hochschule Luzern, wobei ganztags dort tatsächlich von 9 bis 21 Uhr bedeuten kann. Sogar am Samstagmorgen standen teils noch Pflichtmodule auf dem Stundenplan. Für seine Hobbys – das Kartfahren und das Thaiboxen – fand der mittlerweile 24-jährige Abtwiler kaum noch Zeit.
Der Aufwand hat sich offenbar gelohnt. Nach vier Jahren Studium durfte Zemp kürzlich nicht nur sein Abschlussdiplom entgegennehmen, er wurde darüber hinaus als bester Absolvent im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen / Innovation ausgezeichnet. «Das war auch für mich eine Überraschung», sagt er, «und meine Eltern waren mächtig stolz.»
Praxisnahe Arbeit
Seine Lehre hat der Abtwiler von 2017 bis 2021 beim Schweizerischen Rüstungs- und Technologieunternehmen RUAG in Emmen absolviert. Dort setzte er seine Berufslaufbahn anschliessend als Konstrukteur fort, erst ein Jahr lang zu hundert Prozent, die letzten vier Jahre dann in einem 60-Prozent-Pensum, ergänzend zum Studium. So lag es nahe, auch bezüglich Abschlussarbeit bei der Arbeitgeberin anzufragen. Als mögliches Thema zeichnete sich Augmented Reality – also der Anreicherung der echten Umgebung mit computergenerierten Zusatzinformationen – in der Helikopterwartung ab. «Da sind die Abläufe einerseits sehr sicherheitskritisch und müssen andererseits äusserst kompliziert dokumentiert werden», begründet Zemp seine Wahl.
Dabei nahm er bewusst auch die Sicherheitsauflagen in Kauf, die bekanntermassen sowohl in der Luftfahrt als auch in der Rüstungsindustrie sehr hoch sind. «In der Zeit, in der man auf ein Okay wartet, muss man so flexibel sein, anderes erledigen zu können», nennt er sein Erfolgsrezept. Zudem habe ihm sein Betreuer, ein Dozent an der Hochschule Luzern, wertvolle Hilfestellungen bieten können.
Effizient und strukturiert
Am Beispiel des Transporthelikopters «Super Puma» konzipierte Luca Zemp praxisnah Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die Helikopterwartung. «Wartungsarbeiten erfordern eine präzise Ausführung und sie basieren bisher auf technischen Handbüchern», erklärt er, «wobei die aufwendige Informationssuche und das Hin-und-Her-Wechseln zwischen verschiedenen Manuals den Arbeitsprozess erschweren.»
Für eine praxistaugliche Gesamtlösung mit computergestützter Erweiterung der menschlichen Realitätswahrnehmung reichten die drei Monate, die den Studierenden für die Arbeit zur Verfügung stehen, natürlich nicht aus. Aber zumindest für ein Teilsystem, das einem Feldtest durch die RUAG-Mechaniker unterzogen werden konnte. Im untersuchten Test-Case konnte Luca Zemp so nachweisen, dass solche Anleitungen die Effizienz steigern, den Arbeitsablauf strukturieren und die Prozessqualität verbessern können. «Das Tablet wurde von Mechanikern bevorzugt und erweist sich als praxistaugliche Einstiegsvariante», hält er fest. Die Arbeitszeiteinsparung beziffert er in seiner Arbeit auf 24 Prozent mit dem Tablet und bis zu 38 Prozent mit einer modernen Mixed-Reality-Brille.
Beförderung und Auftrag
Die Abschlussarbeit habe ihm Gelegenheit geboten, all das, was er in den vergangenen vier Jahren gelernt hat, in einem praxisnahen Fall anzuwenden, fasst Zemp zusammen. Mit seiner Arbeit hat Zemp offenbar auch seine Arbeitgeberin überzeugt. So darf er künftig als Ingenieur mehr Verantwortung in der Projektplanung übernehmen. Zudem wurde er angefragt, sein Diplomprojekt weiter zu verfolgen. «Ein Jahr dauert es sicher noch, bis wir das operativ einsetzen können», schätzt er ein. Danach lässt sich sein Konzept allerdings auf andere Helikoptertypen ausweiten, «und auch auf Jets», ist er überzeugt.
Während für Luca Zemp das Studium zum Wirtschaftsingenieur abgeschlossen ist, fängt es für seinen Bruder Noah im Herbst erst an. Auch er ist bei der RUAG angestellt – als Polymech. «Als Lehrabschlussarbeit hat er ein Teil gefertigt, das ich gezeichnet habe», so der grosse Bruder. Der Kreis schliesst sich.


