In der Hitze des Badi-Gefechts
30.06.2026 WohlenIn der Badi in Wohlen waren am Wochenende gegen 6000 Besucher – und eine Stunde lang herrschte Ausnahmezustand
Ein Stromausfall sorgt dafür, dass die Badi-Gäste 90 Minuten lang nicht ins Wasser dürfen. Auch ansonsten war das vergangene heisse Wochenende «alles andere als normal», sagt Ruslan Martianov, Betriebsleiter des Schüwo-Parks. Einmal musste gar die Polizei anrücken.
Stefan Sprenger
Am Samstag kommen 2450 Besucher, am Sonntag 2600. Hinzu kommen alle Kinder unter 7 Jahren, die keinen Eintritt zahlen. Also nochmals mehrere Hundert. Am letzten Wochenende waren so pro Tag wohl gegen 3000 Menschen in der Wohler Badi. Als Vergleich Unter der Woche sind es maximal 1500 Gäste. Natürlich war dies für die Mitarbeiter des Schüwo-Parks eine herausfordernde Situation.
Im Dauerstress
Ruslan Martianov, seit September 2023 Betriebsleiter des Schüwo-Parks, sagt: «Die Badi ist aus allen Nähten geplatzt.» Er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihr Bestes gegeben, damit die Wartezeiten – beispielsweise beim Eingang – trotz grossem Aufmarsch einigermassen angenehm blieben. Auch die Crew von der Marco Polo Hospitality Group in den Bistros war gefordert. «Wir wollen alle Besucher zufriedenstellen. Immer», sagt Martianov. Am letzten, sehr heissen Wochenende, war dies logischerweise schwieriger als sonst. Erst recht, wenn – wie am Samstag – noch ein Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfällt. Martianov macht ein Beispiel: «Wenn ein Mitarbeiter durch die Badi gegangen ist um aufzuräumen, konnte er, sobald er fertig war, eigentlich wieder von vorne anfangen. Es war wirklich sehr viel los.» Ein anderes Beispiel: Im Schüwo-Park gibt es acht Toiletten, wenn dann 3000 Menschen diese sanitären Anlagen an einem Tag nutzen, dann ist die Reinigungskraft im Dauerstress. Die Wasserqualität sei das ganze Wochenende über «im Rahmen» geblieben.
Keine Obergrenze geplant
Einige Badis in der Schweiz haben wegen der Hitzewelle Besucher-Obergrenzen eingeführt. Dies gab es in Vergangenheit wohl noch nie. «Ob dies für uns auch ein Thema ist, müsste man mit dem Verwaltungsrat besprechen», sagt Martianov. 3000 Gäste haben in der Wohler Badi Platz, dann braucht es aber ein wenig mehr Geduld und Verständnis. Dies ist aber nicht bei allen Badi-Besuchern der Fall.
Für 90 Minuten durfte niemand ins Wasser
Das krasseste Beispiel dafür ereignete sich am Samstagnachmittag. Ein Badi-Gast machte so heftig Radau und leistete sich verbale Aussetzer, dass die Polizei kommen musste «und wir ihm Hausverbot erteilen mussten».
Grund für die erhitzten Gemüter waren aber nicht nur die heissen Temperaturen von 37 Grad. Sondern ein Umstand, der auf einen Stromausfall zurückzuführen ist. Am Samstag kam es kurz nach 13 Uhr im Nordosten Wohlens zu einem Stromausfall. «Grund war ein technischer Defekt auf einer Mittelspannungsleitung», wie die ibw in einer Mitteilung schreibt. «Während der Arbeiten zum Lokalisieren der Störung mussten verschiedene Umschaltungen vorgenommen werden, sodass es um zirka 14.08 Uhr auch in weiteren Gebieten zu Ausfällen kam.» Auch die Badi hat es erwischt. Und auch wenn um 14.33 Uhr alle Gebiete wieder vollständig mit Strom versorgt werden konnten, hatte dies Auswirkungen. «Die vielen Menschen verdrängen viel Wasser. Weil der Strom ausfiel und damit auch die Wasserumwälzung, konnte kein Frischwasser nachgefüllt werden. Deshalb durfte man für 90 Minuten nicht mehr ins Wasser», erklärt Martianov.
Jetzt: Durchatmen
Über Lautsprecher wurden die Badi-Gäste informiert. «Wir waren angewiesen auf das Verständnis der Besucherinnen und Besucher. Unser Bademeister war heftig gefordert. Einerseits technisch, damit alles wieder in den normalen Betriebszustand kam, andererseits um alles zu kommunizieren. Er machte einen tollen Job.» Einige Gemüter hat dieser Ausnahmezustand stark erhitzt, die allermeisten zeigten aber Verständnis. Nach 90 Minuten durften alle wieder ins Wasser.
In dieser Woche ist es nicht mehr so heiss. «Wir können etwas durchatmen. Das können wir alle gebrauchen», sagt Ruslan Martianov.

