«Kommt ganz viel Hägglingen vor»
24.07.2026 Hägglingen, Region UnterfreiamtInterview mit Brigitt Maag, künstlerische Leiterin des Freilichtspiels «Gwitternacht»
Am 14. August feiert das neue Hägglinger Stück beim Forsthaus Premiere. Regie führt diesmal Brigitt Maag aus Othmarsingen. Sie ist Mitbegründerin und ...
Interview mit Brigitt Maag, künstlerische Leiterin des Freilichtspiels «Gwitternacht»
Am 14. August feiert das neue Hägglinger Stück beim Forsthaus Premiere. Regie führt diesmal Brigitt Maag aus Othmarsingen. Sie ist Mitbegründerin und künstlerische Leiterin von Karl’s kühner Gassenschau. «Die Arbeit hier macht Spass», sagt sie.
Chregi Hansen
Bekannt sind Sie vor allem als Gründungsmitglied von Karl’s kühner Gassenschau. Angefangen hat alles als Strassentheater. Konnten Sie sich je vorstellen, wie gross das einmal wird?
Brigitt Maag: Nein, nie. Wir wollten eigentlich nur die Zeit überbrücken, bis wir dann ein «richtiges» Engagement bekommen. Ich kam von der Schauspielschule, die anderen vom Bewegungstheater, wo ich einmal einen Kurs gemacht habe. Wir kannten uns vom Sehen und beschlossen, temporär etwas gemeinsam zu machen. Dass daraus eine so lange gemeinsame Zeit werden würde, konnte niemand ahnen.
Ab wann hat es sich abgezeichnet, dass die Gassenschau so erfolgreich wird?
Es lief von Anfang an gut. Und wenn etwas nicht gut ankam, haben wir geübt oder liessen es beim nächsten Mal einfach weg. Schliesslich verdienten wir unser Geld mit einer Hutkollekte, also mussten wir das Publikum überzeugen. Dadurch haben wir von Grund auf gelernt, was es braucht, um die Leute bei der Stange zu halten. Das spätere Wachstum erfolgte langsam und Schritt für Schritt.
Gab es auch schwierige Phasen?
In der Zeit als Strassentheater hatten wir zwei Jahre voller Regen und wenig Einnahmen. Als wir ein professioneller Theaterbetrieb wurden, hatte niemand von uns eine Ahnung, wie man einen Betrieb führt, dies mussten wir alle erst lernen. Unser erstes Wasserstück ist finanziell aus dem Ruder gelaufen. Unser Finanzberater meine damals, dass wir diese Schulden noch unser Leben lang abzahlen müssen. Zum Glück kam es anders, da die Auslastung sensationell war. Es hat funktioniert.
Die Geschichte von Karl’s kühner Gassenschau kann man eigentlich so zusammenfassen: Immer grösser, immer noch aufwendiger, immer noch früher alle Plätze ausverkauft.
Das war keine bewusste Entwicklung. Letztlich haben wir einfach immer das gemacht, worauf wir Lust hatten. Wir waren zum Glück gross genug, damit sich jeder von uns auf den Bereich spezialisieren konnte, in dem er seine Stärken hatte. Und bei Problemen haben wir uns auch nicht gescheut, Hilfe von aussen zu holen. Aber das Wachstum hatte auch seine Schattenseiten, der Druck war mit der Zeit gross. Bei jedem neuen Stück habe ich im Vorfeld gelitten. Wir wollten und mussten Erfolg haben.
Und das hattet Ihr. Was ist das Geheimnis dieses Erfolgs?
Das gute Kollektiv. Wir hätten alle einzeln nie so grosse Erfolge feiern können. Wir sind auch bei Schwierigkeiten zusammengeblieben und haben daran geglaubt, dass es funktioniert. Wir haben gemeinsam einen Stil entwickelt und wussten immer wovon der andere sprach.
Hatten Sie nie Lust, wieder zum einfachen Strassentheater zurückzukehren?
Nein. Wir haben das zehn Jahre gemacht, und es war eine tolle und aufregende Zeit. Aber es hat dann auch gereicht. Wir hatten inzwischen Familien und wollten nicht mehr ständig auf Reisen sein.
Jetzt ziehen Sie sich langsam zurück. Wie schwer fällt das?
Ich habe keine Probleme loszulassen. Die Gassenschau ist in guten Händen und ausserdem braucht es ein Vakuum, damit etwas Neues entstehen kann. Die Frage ist eher: Wo kann ich noch etwas beitragen, wo soll ich mich zurückziehen? Im aktuellen Stück bin ich noch stark involviert. Darin geht es um das Thema Abschied. Dies war eine bewusste Wahl. Ob ich bei der nächsten Produktion noch in irgend einer Form involviert bin, weiss ich nicht. Ich jedenfalls wäre froh, wenn es mich nicht mehr braucht (lacht).
Aktuell führen Sie Regie beim Hägglinger Freilichtspiel «Gwitternacht», niveaumässig ein paar Stufen weiter unten …
(unterbricht) Das ist nicht weiter unten. Es ist einfach anders.
Was motiviert Sie, ein solches Engagement anzunehmen?
Ich gehe selbst gerne in Freilichtspiele. Und bewundere das Engagement der Beteiligten. Es ist wunderbar, dass es so was hier in der Region gibt. Und das Arbeiten hier macht Spass. Die Theaterleute geben viel von ihrer Freizeit an dieses Projekt, deshalb müssen auch die Proben bereits ein Teil des Vergnügens sein für alle, die mitmachen. Mein Teil der Arbeit ist, alles Mögliche zu tun, dass am Schluss ein gutes Stück entsteht.
Haben Sie schon eine Hägglinger Produktion gesehen?
Das hat sich leider nie ergeben, da fehlte mir durch meine eigenen Engagements die Zeit. Aber bei den Othmarsinger Produktionen im Winter war ich ab und zu Gast.
Bei einem Laientheater wissen Sie als künstlerische Leiterin nie, mit wem Sie am Schluss zusammenarbeiten. Und was diese können. Ist das ein Problem?
Auf keinen Fall. Alle geben ihr Bestes, und das reicht, den Rest macht die Freude am Spiel. Die grösste Herausforderung für mich sind nicht die Laien, sondern die Tatsache, dass ich nicht einen professionellen Betrieb im Rücken habe, der täglich in Reichweite ist. Bei der Gassenschau haben wir tägliche Sitzungen und tauschen laufend Ideen aus. Jeder weiss automatisch, was der andere tut. Hier ist die Kommunikation etwas schwieriger. Für mich ist es manchmal schwierig zu wissen, wer nun für was genau verantwortlich ist, da die Sparten sich manchmal überschneiden. Und natürlich stehe ich etwas unter Druck. Wegen meiner bisherigen Arbeit erwarten alle ein besonderes Spektakel. Aber das lässt sich hier schwieriger umsetzen, vor allem wegen dem Wassermangel.
Wie ist der Stand der Proben?
Wir proben derzeit sehr intensiv und es macht Spass zu sehen, wie es langsam immer besser wird. Wir sind jetzt daran, alles zusammenzufügen. Anfangs probten wir viel in kleinen Gruppen, das war für die Beteiligten nicht ganz einfach, weil das Gruppengefühl fehlte. Jetzt konnten wir erstmals im Bühnenbild proben und als Nächstes kommen die Requisiten und Kostüme dazu. Dabei passiert es immer mal wieder, dass wir das Stück anpassen müssen, weil gewisse Dinge so nicht funktionieren. Weil beispielsweise plötzlich der Weg zu lang wird und ein Auftritt an dieser Stelle gar nicht möglich ist. Auch möchte ich noch etwas mehr Dynamik hereinbringen. Und natürlich ist das Proben im Wald immer eine Herausforderung. Gerade, wenn ein Sturm angekündigt ist.
Wieso soll man sich das neue Stück anschauen?
Es ist ein Stück lebendige Dorfgeschichte, die sehr unterhaltsam ist. Es gibt ganz viel Abwechslung im Stück. Paul Steinmann kennt die Freiämter und hat ihnen den Text auf den Leib geschneidert. Und es kommt ganz viel Hägglingen vor, inklusive selbstironischen Anspielungen.
Was nehmen Sie mit aus diesem Engagement?
Dass sich jedes Dorf glücklich schätzen kann, das einen Theaterverein hat. Es ist und war sehr schön, dass ich all diese Menschen kennenlernen durfte. Jeder und jede Einzelne ist mit Leib und Seele dabei und dadurch entsteht vor unseren Augen Abend für Abend ein Erlebnis für die Zuschauer.
Infos zum Stück
Der Verein Tellspiele Hägglingen meldet sich dieses Jahr mit dem Freilichttheater «Gwitternacht» zurück. Wie beim erfolgreichen Stück «Emmetfeld» vor zehn Jahren wird wieder beim Forsthaus Hägglingen gespielt. Und hat Paul Steinmann eigens für den Verein ein Theaterstück geschrieben. Die Regie führt Brigitt Maag, bekannt von Karl’s kühner Gassenschau.
Das Stück spielt im Sommer 1969. Die Unterhaltungsredaktion vom «Schweizer Radio DRS» hat das Freiämter Dorf Hägglingen ausgewählt, um von hier aus «Bodeständig – ein bunter Unterhaltungsabend vom Land» live auszustrahlen. In Zusammenarbeit mit Hägglinger Persönlichkeiten stellt das Redaktionsteam unter der Woche ein Programm auf die Beine. Bei den Vorbereitungen auf die Radiosendung wird einiges über das Dorf und die Stimmung Ende der 60er-Jahre deutlich: Dinge, die man gern kundtun – aber auch Sachen, die man lieber für sich behalten möchte. Nach der Pause wird die Livesendung vor Publikum präsentiert. Dabei läuft nicht alles wie geplant. Kommt dazu, dass sich das schon lange angesagte Gewitter genau in dieser Nacht entlädt. Während der Übertragung.
Vorverkauf eröffnet
Geplant sind 20 Aufführungen zwischen dem 14. August und dem 20. September. Gespielt wird im Freien, die Zuschauertribünen sind gedeckt. Auf der Bühne sind über 35 Laienschauspieler und -schauspielerinnen zu erleben, dazu gibt es Livemusik durch eine Band und einen Kinderchor. Vor und nach den Aufführungen freut sich das Gastroteam, das Publikum zu bewirten. Mehr Infos und den Vorverkauf findet man online unter www.gwitternacht.ch --red

