Qualität, Termin, Kosten – alles top
26.06.2026 WohlenDelegiertenversammlung des Wasserverbundes Bünztal – Reusstal Wasser 2035
«Der Ring bringts.» Dieser Schriftzug steht gross an der Wand im Vortragsraum der ibw. Das Grossprojekt Wasser 2035 sichert die Wasserversorgung von etlichen Gemeinden. Alles ...
Delegiertenversammlung des Wasserverbundes Bünztal – Reusstal Wasser 2035
«Der Ring bringts.» Dieser Schriftzug steht gross an der Wand im Vortragsraum der ibw. Das Grossprojekt Wasser 2035 sichert die Wasserversorgung von etlichen Gemeinden. Alles ist auf Kurs, können die Verantwortlichen vermelden. Im ersten Quartal 2027 soll das bereinigte Planungsprojekt stehen.
Daniel Marti
«Unser Projekt steht auf guten Beinen. Wir sind in allen Bereichen kompetent und gut aufgestellt. Und im Verwaltungsrat betreiben wir ein Risikomanagement.» Dies sagt Norbert Ender. Der Niederwiler Gemeindeammann ist VR-Präsident der interkommunalen Anstalt (IKA) Wasser 2035. Und Ender konnte nur Positives über das Generationenprojekt berichten. Weil es nichts zu beanstanden gibt, führte er mit Vollgas durch die Delegiertenversammlung. Eine knappe halbe Stunde reichte. Und die Delegierten – 96 Prozent der Stimmen waren anwesend – durften sich davon überzeugen, dass der geplante Wasserring immer weitere Formen annimmt – und ein vorzügliches Projekt ist.
Gerade jetzt – mit grosser Hitze und drohender Wasserknappheit – dürfen sich die angeschlossenen Gemeinden glücklich schätzen, dass die Wasserversorgung bald gesichert sein wird. «Aktuell werden schon Sparmassnahmen lanciert. Gemeinden sind mit der Wasserversorgung bereits am Anschlag. Darum sind wir alle froh, dass wir dieses Projekt vorantreiben», meinte der VR-Präsident.
Bauprojekt: Qualität und Kosten sind auf Kurs
Norbert Ender informierte ausführlich über den Stand des Bauprojekts. Die Linienführung wurde technisch bereinigt, die Baugrunduntersuchungen sind abgeschlossen. Aktuell werden die Querungen – Autobahn und Bünz – projektiert. Aufgrund der Baugrunduntersuchungen müssen diese überarbeitet werden. «Verschiedene Varianten werden ausgearbeitet», so Ender. «Das kann eventuell Mehrkosten verursachen.» Auch der Kostenvoranschlag ist in Arbeit. An der nächsten Delegiertenversammlung soll der Voranschlag präzisiert sein auf die Basis von plus/minus zehn Prozent.
Ursprünglich sollte das Bauprojekt bis Ende 2026 zur Einreichung bereit sein. Dieser Termin wurde nun verschoben auf das erste Quartal 2027. «Das ist dann der nächste Meilenstein», so Ender.
Weiter ist die Standortevaluation für ein Stufenpumpwerk Reusstal abgeschlossen. Die Kaufverhandlungen zu besagter Parzelle sind am Laufen. Ebenfalls gibt es aktuell Verhandlungen für den nötigen Landerwerb, diese sollten bis Ende Jahr abgeschlossen sein.
Zusammenfassend ist das Bauprojekt ganz gut unterwegs. Die Ampel steht laut Ender bei Qualität, Termin und Kosten auf Grün. Die alternativen Linienführungen bei Querung von A1 und Bünz stellen ein Terminrisiko dar – darum die dreimonatige Verzögerung.
Wasserbedarf steigt schnell – höhere Investitionen
Ein wichtiges Thema ist die Wasserbeschaffung, die mit verschiedenen Fassungen geplant ist. Das Gebiet Hard mit dem Pumpwerk Hard II und der Leitung nach Wohlen – das bestehende Herzstück des Wasserrings – garantiert die Grundlast. Die Spitzenabdeckung und somit auch die Versorgungssicherheit wird über Villmergen (Kreuzester, Unterzelg), Niederwil und Fischbach-Göslikon (Karrenwald) sowie Bremgarten und Waltenschwil (Hintere Mulde) erreicht. Das Bewirtschaftungskonzept wird also laufend optimiert. Die Kapazitäten fallen einzig beim Pumpwerk Karrenwald weniger ergiebig aus als erwartet.
Wie Norbert Ender erklärte, gibt es mögliche Risiken beim Wasserbedarf. «Der Bedarf steigt schneller als in der Studie vorgesehen.» Deshalb soll das Projekt Grundwasserpumpwerk Zimberhübel im Gebiet Hard (Lenzburg) vorgezogen werden. Das Vorprojekt wird in den Jahren 2026 und 2027 ausgearbeitet.
Dies hat zur Folge, dass die Investitionskosten steigen werden, von 27,9 Millionen Franken (Netz und Anlagen) um 4,75 Millionen für das Grundwasserpumpwerk Zimberhübel auf total 32,65 Millionen. Der neue Investitionsplan 2027 bis 2031 wurde einstimmig gutgeheissen.
Eigenkapital bei 2,66 Millionen Franken
Die grössten Kosten werden in den Jahren 2029 und 2030 anfallen. Dann sind Ausgaben von rund 20 Millionen Franken für die Realisation vorgesehen. Einzahlungen der Gemeinden an das Dotationskapital (das finanzielle Grundkapital) werden in den Jahren 2027 (20 Prozent) und 2029 (40 Prozent) fällig.
Allgemein steht die interkommunale Anstalt auf finanziell soliden Füssen. Im Jahr 2025 musste ein Verlust von 66 000 Franken registriert werden, budgetiert war ein Minus von 58 000 Franken. Das Eigenkapital beträgt 2,66 Millionen Franken. VR-Präsident Norbert Ender betonte, dass die Zusammenarbeit im Verwaltungsrat sehr gut sei. Ebenfalls wurden die zwei Mitglieder, die vor einem Jahr gewählt wurden, gut integriert. Der Verwaltungsrat wird von fünf Mitgliedern besetzt: Präsident Norbert Ender aus Niederwil, Patrick Keller aus Dottikon, Stephan Troxler aus Bremgarten, Christoph Meyer aus Waltenschwil sowie Peter Lehmann, Geschäftsleiter der IB Wohlen AG.
Auch Geschäftsleiter Giovanni Romeo von der ibw Technik AG ist mit dem Zwischenstand sehr zufrieden. «Das Projekt läuft tatsächlich gut. Die Ingenieurteams arbeiten sehr gut zusammen, alles greift ineinander.» Dass es nun zu einer rund dreimonatigen Verzögerung gekommen ist, das sieht Romeo gelassen. «Bei einer Leitung von einer Länge von 20 Kilometern kann es wie jetzt bei den Unterquerungen immer mal ein Problem geben», das sei nicht weiter schlimm. «Alles läuft nach Plan.»
Bei den Querungen von Bünz und Autobahn sei man jetzt an der Arbeit. «Es werden zurzeit kleine Bohrungen gemacht und ganz kleine Tunnels gestossen», sagt Verwaltungsratspräsident Norbert Ender. «Das ist spannend und hochinteressant.» Bald sollte auch das geklärt sein. Denn Norbert Ender hofft und verspricht, dass «wir das bereinigte Bauprojekt an der nächsten GV präsentieren können». Und Norbert Ender hält in der Regel seine Versprechen.
Weitere Interessenten
Verwaltungsrat und Geschäftsleitung machen offenbar einen sehr guten Job. Und das Generationenprojekt weiss zu überzeugen. Deshalb gibt es auch Anfragen für mögliche Beitritte. Beispielsweise die Gemeinde Seengen hat einen Beitritt zu Wasser 2035 bereits bewilligt. Und der Gemeindeverband Regionale Wasserversorgung Birrfeld ist an einem gegenseitigen Notverbund interessiert. «Das werden wir weiterverfolgen, ein solcher Notverbund würde unsere Versorgungssicherheit verbessern», so Norbert Ender. «Aber aktuell können nur neue Mitglieder aufgenommen werden, wenn die Wasserbeschaffung langfristig gesichert ist.» Darum ist die Gemeinde Seengen zurzeit in der Warteschlange. --dm
Projekt Wasser 2035
Wasser 2035 ist ein Generationenprojekt. Mit dem geschlossenen Ring vom Bünztal übers Reusstal wird in allen angeschlossenen Gemeinden die Trinkwasserversorgung langfristig gesichert. Die bestehende Wassertransportleitung durch das Bünztal wird mit einer neuen Leitung durch das Reusstal zu einem «Wasserring» ergänzt. Dadurch erhalten die am Wasserring beteiligten Gemeinden Anschluss an die Grundwasserströme des Aare- und des Seetals – auch in Trockenphasen haben die Menschen in der Region somit immer genügend Wasser.
Die interkommunale Anstalt (IKA) Wasser 2035 umfasst insgesamt 22 Mitglieder – 20 Gemeinden und zwei Organisationen.
Die angeschlossenen Gemeinden: Bettwil, Bremgarten, Büttikon, Dintikon, Dottikon, Fahrwangen, Fischbach-Göslikon, Hägglingen, Hendschiken, Kallern, Künten, Mägenwil, Mellingen, Niederwil, Sarmenstorf, Tägerig, Uezwil, Villmergen, Waltenschwil, Wohlenschwil. – Die Organisationen: IB Wohlen AG (ibw), Regionaler Wasserverband Mutschellen (RWVM), hier sind die Gemeinden Berikon, Widen, Rudolfstetten, Zufikon und Oberwil-Lieli angeschlossen.
Das Projekt Wasser 2035 gilt zudem als ein Musterbeispiel der überregionalen Zusammenarbeit.
Wohlen hat riesige Reserven
Wie ist es überhaupt zum Projekt gekommen? Der Anfang geht auf den Sommer 2013 zurück. Damals erkundigten sich die Gemeinden Niederwil und Fischbach-Göslikon, ob ihnen die ibw aus Wohlen mittel- bis langfristig Wasser liefern könnte. Denn die ibw besitzt schon seit Anfang der 1960er-Jahre einen direkten Anschluss an das Grundwasserpumpwerk Hard II in Niederlenz. Dank den ergiebigen Grundwasserströmen des Aaretals und des Seetals verfügt Wohlen über riesige Wasserreserven. --dm



