Am Kulturtag in Oberlunkhofen viel Wissenswertes erfahren – aber auch den Austausch pflegen
Gletscher-Findlinge, prähistorische Steinsetzungen und ein römischer Hof – Oberlunkhofen hat historisch Interessierten viel zu bieten. Am Kulturtag der ...
Am Kulturtag in Oberlunkhofen viel Wissenswertes erfahren – aber auch den Austausch pflegen
Gletscher-Findlinge, prähistorische Steinsetzungen und ein römischer Hof – Oberlunkhofen hat historisch Interessierten viel zu bieten. Am Kulturtag der Ortsbürgergemeinde vom Samstag, 30. Mai, geht es aber auch um das Hier und Jetzt – mit Fokus auf die Geselligkeit.
Thomas Stöckli
Sie machen einem mit ihrer beeindruckenden Masse bewusst, welche Kräfte die Region einst geprägt haben, die Findlinge im Althau, nördlich von Litzi. Der Reussgletscher, der seine Zunge zeitweise bis zum Südrand des Schwarzwalds ausstreckte, hat sie vom Gotthard her ins Kelleramt mitgebracht. Der grösste dieser Granitblöcke ist zehn Meter lang und wurde «Chindlistein» genannt. Offenbar weil man sich von ihm Fruchtbarkeit oder Kraft für eine anstehende Geburt erhoffte. Bisher lagen die Steine von den meisten unbeachtet im Wald. Nun hat der Forstbetrieb einen Zugang geschaffen.
Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten
Am Kulturtag sind die Findlinge, welche die Natur so zurückgelassen hat, ebenso Thema wie Relikte unserer Vorfahren. Dazu gehören vorgeschichtliche Steinsetzungen, in einer Reihe angeordnet und vielfach aufrecht stehend, was die Vermutung nahelegt, dass sie von Menschen bewusst so angeordenet worden sind.
Aber auch eine Ruine aus der Antike ist in der Region zu bestaunen. So führt der Rundgang am Kulturtag bis ins Schalchmatthau, wo die Überreste einer römischen Villa weitgehend im Erdreich schlummern. Im Rahmen von systematischen Ausgrabungen wurden sie von 1897 bis 1900 von zwei engagierten Lehrern und Hobbyarchäologen freigelegt. Heute ist noch der Badetrakt sichtbar, der von 1979 bis 1981 konserviert wurde.
Eine andere bedeutende Ruine, jene der Burg Lunkhofen, habe allerdings nicht mehr in den Rundgang gepasst, so Organisator Josef Eichholzer.
An den Erfolg von vor 15 Jahren anknüpfen
Ein Kulturtag hat in Oberlunkhofen vor 15 Jahren bereits einmal stattgefunden. Mit durchschlagendem Erfolg: Statt der erwarteten 100 kamen 400 Interessierte. Damals stand der Anlass unter dem Thema Beinamen, welche bei Einwohnern mit gleichem Nachnamen die Zuordnung erlaubte. «Wir hoffen, dass das aktuelle Thema ebenso Anklang findet», so Eichholzer.
Los geht es am Samstagnachmittag, 30. Mai, um 13.20 Uhr bei der Pfarrkirche. Dort gibt es in einer Kurzpräsentation allerlei Interessantes über das Dorf zu erfahren. Unter anderem, dass die Geschichte von Lunkhofen eng mit jener von Luzern verknüpft ist. Spannend ist auch die Geschichte der Kirche aus dem 9. Jahrhundert, von Abhängigkeiten bis ins Elsass und einer besonderen Rolle in der Zeit der Reformation.
Gelebte Kultur in der Turnhalle
Der Rundgang führt dann über die erneuerte Bergpanorama-Tafel am Sonnenberg sowie die bereits erwähnten Findlinge und Menhire zu zwei neuen Biotopen, die der Forstbetrieb im südlichen Bereich des Althau angelegt hat. Weiter geht es hier um den Waldlehrpfad und um eine Eiche, die der Orkan «Lothar» Ende 1999 gefällt hat. Auf dem Uetliberg wurden damals Windgeschwindigkeiten von bis zu 241 km/h registriert.
Vom römischen Gutshof aus geht es wieder zurück ins Dorf, aber nun in die Turnhalle. Hier bietet sich Gelegenheit, den Anlass gemütlich ausklingen zu lassen, bei Speis und Trank, guten Gesprächen und Musik von der renommierten Ländlerformation «Echo vom Horben». Nun geht es um die gelebte Kultur der Gegenwart.